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Gestern habe ich den Zeit-Artikel „Das verteufelte Geschlecht“ von Christopf Kucklick kommentiert. (Männer) Hier nun ein weiterer interessanter Gedanke daraus.
Eine der zentralen Aussagen von Kucklick ist, dass Männer zu ihrer "Unmoral" seit 200 Jahren sozialisiert werden. Doch auch den Frauen ist es anscheinend nicht anders gegangen in diesen Zeiten des Umbruchs von einer fest geordneten hierarchischen Ständegesellschaft in die „Freiheit“ der Arbeitskraft mit all ihren Unsicherheiten und den daraus resultierenden neuen Menschenbilder. Auch Frauen sind in dieser Zeit in ein stereotypisches Korsett gepresst worden, das bis heute hält. Nach K kam um 1800 „als eigentliche historische Neuerung ... ein Diskurs auf, der Männer als naturhaft unmoralisch, gewalttätig, egoistisch, asozial, hypersexuell, gefühlskalt, kommunikationsunfähig und verantwortungslos charakterisiert“. Gegen diesen inhuman agierenden Mann wurde ein Frauenbild gestellt, dass Frauen auf Heim und Herd reduziert in dessen Geschütztheit sie den wilden Stier beruhigen kann. „Die Verworfenheit der Männer bedeutet nämlich auch für die Frauen nichts Gutes: Die haben jetzt ganz anders zu sein! Wenn Männer das Problem der Gesellschaft sind, müssen Frauen die Lösung darstellen. Das geht nur, wenn sie von grundlegend anderem Charakter sind: einfühlsam, passiv, friedlich – der ganze Kanon der Beleidigungen einer reduzierten Weiblichkeit“. Ist ja auch nicht gerade ein erstrebenswertes Leitbild. Viele Frauen haben sich heute davon gelöst, doch noch immer verharrt die Mehrheit in der bürgerlichen Moral- und Wertvorstellung des dominanten Mannes und der sanfteren (Haus)Frau.
Anscheinend schleppen beide Geschlechter einen Ballast von Wertzuweisungen mit sich rum, der uns abhalten kann, so zu sein, wie wir sind. Nämlich vielschichtig. Und zwar alle. Männer wie Frauen.
Wie wollen wir sein? Frei wie der Wind, mit Wärme ausgefüllt und strahlend wie eine Sonne und stark wie ein Stier. Ha!