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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Marianne schreibt aus Iasi

8. Mai 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

(Die Bilder zum Vergrößern anklicken)


Dienstag, 6. Mai 2014           
M: Kurz bevor wir nach Hause fahren, platzt Liliana damit heraus. Also morgen um 10:00 Uhr. Was ist morgen um 10.00 Uhr?  Dann kommt das Fernsehen in die Schule, um mit Euch ein Interview für die Abendnachrichten zum Einsatz hier am Technischen Lyzeum aufzunehmen. Wie lang? Wie ausführlich? Keine Ahnung.

Wir werden uns etwas zu unsere Themen aufschreiben - nur für den Fall, dass Herr Alzheimer zuschlägt und uns im entscheidenden Moment die Wörter nicht einfallen…..

Mittwoch, 7. Mai
M: Bei mir ist es tatsächlich so: Die Kamera mit dem Licht ist auf mich gerichtet, jemand fragt mich was und hält mir das Mikrofon vor die Nase - und schon fallen mir die einfachsten Dinge nicht mehr ein. Mithilfe des Spickzettels ging es gut und abends kam ein ca. 2 Minuten langer Bericht. Sie hatten R, mich und Liliana mit je einem Satz zu Wort kommen lassen und danach uns in einer Klasse mit Schülern gefilmt und das wars.

Und morgen und übermorgen geht es weiter: morgen kommen zwei Herren von der Schulaufsichtsbehörde, ein Inspektor und einer vom Qualitätsmanagement. Da soll unsere Schule natürlich einen guten Eindruck machen. In den letzten Tagen wurde aufgeräumt, neue Wandzeitungen hängen im Flur und an jeder freien Stelle stehen Blumentöpfe. Wir werden auch wieder vorgeführt und haben eine Dokumentation über alle unsere Themen und eine Datenbank (natürlich R) fertiggestellt. Dafür kriegen wir dann Freitag frei! (Müssen dafür aber am Montag arbeiten)

Donnerstag
SES-Holboca-Rumanien-R-M--1-von-1-.jpgM: heute ist ein schöner Tag - schon fast so, als hätten wir Ferien gekriegt. Die Inspektoren waren sehr erfreut, uns kennen zu lernen, fanden unsere Dokumentation interessant und wir haben ja da auch nichts mehr zu befürchten, wir wollen nicht mehr befördert werden und kriegen auch keine Abmahnungen in die Personalakte.

Reinhold ist glücklich, er bekommt dauernd Komplimente: Was haben Sie für eine  schöne Frau! So schöne blaue Augen! Allein deswegen hat es sich gelohnt, hierher zu kommen, denn so viel Komplimente habe ich in den letzten zehn Jahren in Deutschland nicht mehr bekommen.

Mit den Begrüßungen habe ich noch meine Probleme: man fängt an der anderen Seite an zu küssen (zweimal), dabei gerät man unweigerlich mit den Nasen aneinander, wenn beide in dieselbe Richtung küssen.. Und wenn ich einem Herrn die Hand reiche, will ich sie immer schütteln und er will sie küssen! Dann zieht er dran und ich zappele……

P1090596Jetzt schreib ich noch was Negatives, damit man verstehen kann, warum wir uns auf zuhause freuen: unser Zimmer ist so klein, dass nur ein Stuhl rein passt. Der Andere muss immer auf dem Bett liegen oder sitzen und nur einer kann den Stuhl mit dem winzigen Tisch benutzen. Und morgens kommt kaum Wasser aus der Leitung zum Duschen und die Zimmer sind nicht geheizt, was bei 2 Grad in der Nacht nicht richtig kuschelig ist. Außerdem ist unser Internat so weit draußen am Stadtrand, dass man abends nicht einfach mal ausgehen kann, und in dem Kiosk um die Ecke gibt es nur Wasser, Limonade und Zigaretten. Wir hätten mal Lust, uns irgendwo nett hinzusetzen und ein Glas Wein zu trinken. Naja, kann man in Hommertshausen auch nicht!

Iasi-Fernsicht-vom-Einkaufszentrum--1-von-1-.jpg

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