Artikel teilen! Nähe Valencia, Karneval 2011: Dicke Regenwolken am Himmel. So komm ich mal zum Schreiben. M sagt, optisch wird das Wetter immer ...
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Dicke Regenwolken am Himmel. So komm ich mal zum Schreiben. M sagt, optisch wird das Wetter immer schlimmer.
Durch Frankreich noch Regen, Kälte, sogar Schnee im Zentralmassiv. Da wollten wir gar nicht hin, doch das Navi hat uns treu und brav
geführt, als wir das Land von innen, nicht mehr nur als Autobahn sehen wollten. Die Landstraßen wurden enger, schmaler, wanden sich in die Höhe, immer höher, in die Wolken hinein, über Wege, die
nicht als Straßen zu erkennen waren, einzig die Stöcke an den Rändern vom letzten Tiefschnee wiesen sie noch als solche aus. Ein Dorf aus Feldsteinen, sich in den Berg hinein duckend, Hunde
verbellten uns, da müssen wir lang durch die Enge, da rumst es auch schon, den Stein hatten wir nicht gesehen, der in die Straße hinein ragte. Jetzt haben wir eine Zierleiste weniger. Dann kam
Schnee und Eis, uns war mulmig, Sommerreifen hatten wir vorsorglich gewechselt, wenn wir hier stecken blieben, mussten wir überwintern. Doch die Wege taten uns den Gefallen, senkten sich, kamen
auf eine Hauptstrasse und wir waren gerettet. Wir hatten genug vom Inneren Frankreichs.
Endlich warm, die Sonne knallt vom blauen Himmel. Wir sind in Spanien, Nähe Barcelona. Renate nimmt uns mit, will uns all das Schöne und
Gute ihrer 2. (oder 3. oder wievielten?) Heimat zeigen. Abends kommen die Geschichten, machen mich traurig. Renate, einst meine rechte Hand im Rio-Büro, hat noch immer Kontakte, telefoniert mit
Zenaide, der Schönen, die jetzt auch schon 54 ist (unvorstellbar, die Zeit schlägt zu), will sie im Sommer besuchen. Weg ist sie, die wundersame, aufregende, erfolgreiche, auch schreckliche Zeit.
Ich hab´s ja schon im Blog beschrieben (Siehe Rio dortselbst). Geblieben ist der Eindruck von außergewöhnlichen Menschen. Meist liebnswerte, einige weniger.
Montserrat. Das Kloster, hoch oben in Sandsteinfelsen hinein gebaut, die wie Finger aus der Ebene ragen, erinnert mich an Meteora, doch
diese Anlage ist größer als die wie Adlernester auf Felsen thronenden Klöster in Griechenland. Reich das ganze Reich der Mönche mit Hotel, Restaurants, mit Devotionalien voll gestopfte Läden,
Seilbahn, Zahnradbahn, riesige Parkflächen um den täglichen Ansturm der Pilger zu bewältigen. Und natürlich der Basilika mit der Jungfrau, schwarz, aber nicht, weil sie aus Afrika ist - diese
Jungfrauen verkaufen sich, billige Sonnenbrillen und Uhren an den Straßenrändern - nein, sie ist, wurde mir gesagt, fast mal verbrannt und nun bewegen sich lange Schlangen von Gläubigen, oben,
hinter dem Altar in der Apsis, von unten aus dem Kirchenraum sieht man sie klein und andachtsvoll vorbei defilieren. Sie soll Wunder wirken. In den Bergen drum herum Einsiedeleien, auch dort
kraxeln Pilger rum. Ich bin erstaunt und voll Bewunderung. Was haben diese Erbauer für Leistungen vollbracht. Auch die Architekten, mehr noch die Bauleute meine ich.
Karneval in Sitges, bekannt durch ihre Anziehungskraft auf Gays und Liebhaber, da fahren wir hin, sagt Renate. Alleine die Fahrt war es
wert, hat uns an die Strände nahe Rio erinnert, genau so windet sich die Straße um die Berghänge, gibt ein Blick nach dem anderen auf wundervolle Strände frei, manchmal unterbrochen von
hässlichen Industrieanlagen. Die hätten sie mehr verstecken sollen. So schöne Transvestiten wie in Rio haben wir nicht gesehen. Die alte Stadt am Meer gerammelt voll. Wir machen uns davon. Der
Umzug abends um 9 muss ohne uns stattfinden. Stattdessen die Sonne rot glühend untergehen sehen, oben auf dem Montjuic, dem Hausberg Barcelonas. Heute ist die Festung offen und anziehend für
Einheimische und Touristen, doch Hunderte Jahre lang war sie Symbol der Fremdherrschaft und Unterdrückung. Noch in Franco-Zeiten wurden hier Gegner des Faschisten gefangen gehalten, gefoltert und
hingerichtet
In Castelldefels haben wir einen Stellplatz direkt am Strand, der sich weit bis nach Barcelona hin zieht. In der Ferne ganz schwach die
Kräne des Hafens zu erkennen. Renate hat sich bei der Polizei erkundigt, ihn gefunden. Morgens laufen wir mit den Pulk bewegungshungriger Einheimischen den Strand entlang, wir langsamer, wie es
sich für unsere Altergruppe gehört. Das Mittagessen im Wok war eine spezielle Sensation. Alles, aber auch alles an spanischen und asiatischen Spezialitäten konnte man sich von großen Tafeln holen
und an der Theke im Wok – nomen es omen – zubereiten lassen. Alles zu einem Einheitspreis.
Seit gestern Nähe Valencia, eine jener Trabantenstädte, einzig auf Tourismus ausgelegt. Nur der alte Stadtkern, wie eine Krone oben auf dem Felsen über dem Meer hockend, hat Flair. Der große Zeltplatz, überfüllt von Wohnmobilen und -wagen, dient nordischen Rentnern zum Überwintern. Sie sind freundlich, braun gebrannt und zeigen uns umgehend den Weg zu Lidl und Aldi. Unser WoMo ist klitzeklein zwischen den großen Gefährten. Es muss noch wachsen.
(Bilder dazu im Fotoalbum Spanienurlaub 2011)