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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Neues von G.

11. Juli 2013 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Burn Out - Tinnitus u.a. Krankheiten

Mittwoch, den 10. Juli 2013


G ist nun im Neurologischen Rehabilitationszentrum in Bad Godesberg. Wir haben ihn gestern besucht. Dass er, den wir beim letzten Mal  noch als mächtig in Erinnerung hatten, jetzt klein und schmächtig aussähe, hatte uns Luiza erzählt. Wie wir ihn vorfanden war schlimm, aber besser als wir befürchteten. Er sah entspannt und lebendig aus, freundlich eigentlich. Wir haben ihn  angesprochen, hallo G, und er drehte seinen Kopf, die Augen blickten in unsere Richtung, doch der Blick war leer und schweifte ab. Der linke Arm war oft in Bewegung, der Schlauch in seiner Nase störte, auch das Ventil am Luftröhrenschnitt durch das er zusätzlich Sauerstoff erhält. Überall sind Schläuche angeschlossen. Atmen, sagt die Schwester, kann er alleine, aber noch nicht schlucken. Die Therapeutin war da, es ging noch nichts. Ebenso wenig bei der Sprachtherapeutin. Wir müssen ihn erst mal sich eingewöhnen lassen, sagte die Schwester, er ist ja gestern erst gekommen. Und er ist jung und kräftig. Ja, das dachte ich auch, als ich ihn so gesehen habe, er kann viel schaffen, wenn er am Leben bleibt. Ich hab ihm alles erzählt aus H und von der Familie. Vielleicht kriegt zumindest sein Unbewusstes mit, dass alle an ihn denken, dass er einer von uns ist. Er hat meine Hand gehalten und manchmal gedrückt. Drück sie noch mal, hab ich ihn gebeten, wenn du mich verstehst. Doch das hat er nicht getan. Zweimal hat er sein linkes Bein angewinkelt und an der Decke gezupft, doch die rechte Seite ist noch immer ohne Gefühl.
 
Als Luiza kam hat er sie ständig angeschaut, sie hat ihn geherzt und geküsst, sein Ausdruck war friedlich. Was für eine liebe Frau. Sie hat ihn angelächelt, mir schien, er habe zurück gelächelt. Nein, sagt L, das ist ein Engelchenlächeln. Wie bei Babys ein zufälliger Reflex. Des Wohlseins, hoffe ich.

Wir schaffen das, hat L zu ihm gesagt, wir haben ein Leben lang Zeit.

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