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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Neues von G.

18. September 2013 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Burn Out - Tinnitus u.a. Krankheiten

Grau-im-Tal.jpg18. September 2013 11:57 -. Im Tal alles grau, Wolkenfetzen fliegen vorbei, Nebelwölkchen hängen in den Bäumen am Berghang. 10 Grad.
In Rio wird es 33 Grad heute, es regnet. Dar es Salaam 31 Max, leicht bewölkt

Am Wochenende G. Er ist jetzt im Westerwald in einer gleichnamigen, auf Rehabilitation spezialisierten Klinik. Hier kümmern sie sich besser um ihn, sagt Luiza. Ganz oben auf einem Berg  liegt die Klinik mit weiter Aussicht. Es ist ein schönes Gebäude, das alte Fachwerkhaus integriert in moderne Konstruktionen.

Herr E, sagt der freundliche Pfleger, aber sie müssen sich erst umziehen. Er liegt auf Quarantäne. Das ist das holländische System, sagt Luiza später, alle, die aus einer anderen Klinik kommen, werden 14 Tage isoliert. In Schutzanzügen, Handschuhen, Mundschutz und Haarkäppchen durften wir rein. Da saß er, am Fenster, in einem Rollstuhl und strahlte über das ganze Gesicht. Noch immer ist sein Kopf deformiert, erst im Oktober wird die Schädelplatte wieder eingesetzt, die sie herausgeschnitten hatten um den Druck zu mindern. Doch ansonsten sah er wieder nach unserem, ein wenig schmaler gewordenen G aus. Ohne Verkabelung an irgend welche Maschinen und Geräte. Er schaute fern und war am essen, legte sich Wurst und Käse mit der linken Hand auf, trank von seinem Tee und freute sich. Wir auch. Die Veränderung war groß, er war wieder lebendig. Viel lebendiger als in den zwei Monaten davor.

Die Unterhaltung war anstrengend. Außer Ja, Ja, Nein, Nein, Aber.... endet noch alles in gurgelnden Lauten. Manchmal wollte er etwas verdeutlichen, sein Finger kam hoch, wir mussten raten und raten, dann winkte er ab, lächelte dünn und gab auf. M sagt, er hat wieder seine schönen Augen, sie sind traurig. Die Bilder aus seiner Vergangenheit, die wir ihm geschickt haben, hat der Sprachlehrer an die Wände gehängt. Wir haben ihm die Geschichten dazu erzählt, von Hommertshausen, von Rio, Ecuador, Dar es Salaam. Erinnerst Du Dich, G? Manchmal hat er genickt, Ja, Ja. Doch was er verstanden hat, wissen wir nicht. Nachfragen gingen oft daneben. An seine Familie, glaube ich, kann er sich nicht erinnern. Traurig.

Wir müssen das Positive sehen. M war es warm, da fährt er zurück zum Fenster und kippt den Flügel auf. Spürst Du Deinen rechten Arm. Ich tippe drauf. Nein, er schüttelt den Kopf. Doch dann bewegt er ihn, dreht ihn leicht, zieht ihn an auf die Lehne. Das macht Hoffnung. Tagsüber hat er mehrere Programme mit Physiotherapie, Massagen, Dehnübungen, Sprachschule. Die sogar zwei Mal. Sein Übungsheft liegt da. Am Anfang sind Bilder zum Wiedererkennen. Weißt Du was das ist, frage ich und zeige auf den gemalten Tisch. Nein, er wedelt mit dem Finger, zeigt auf die Bilder, nein, verstehen wir, die erkennt er noch nicht. Luiza sagt, er kann schon einige Worte mehr, doch nutzt er sie (noch) nicht. Ich habe Hoffnung. Sie bleibt.

Er will zurück ins Bett. Nein, sagt Luiza, ich rufe den Pfleger nicht für Dich, das machst Du selber und reicht ihm die Fernbedienung. Er kann es.


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Archi 09/24/2013 18:45


Guten Abend RE


Mach dir keine Gedanken, ob du sofort oder überhaupt antwortest. Ich habe die Erinnerungsfunktion an, bekomme automatisch Nachricht.


Also, viel Spaß in Nürnberg und gute Erholung, hoffe ich :-)


lg Uli

Archi 09/19/2013 17:51


Guten Abend RE


M hat es richtig gemacht. Die beste Hilfe kommt von einem selber.


Ich habe nun fast alles gelesen, es ist ein schwieriger Blog für mich, so wie du meine Antworten auch nicht immer verstehst.


Eure Hilfestellung zu G ist enorm, so etwas können nur Menschen mit gutem Sinn.


Ich wünsche Euch allen Gutes und hoffe es wird weiter so positiv bleiben.


lg Uli

R.Einloft 09/24/2013 10:16



Hallo Uli!


Find ich toll, dass Du Dir so viel Mühe machst und fast alles gelesen hast. Ist schon ganz viel zusammen gekommen.
Ja, ja, manches ist sicherlich schwer nach zu vollziehen. Freilich liegen unsere Gedanken manchmal weit auseinander, aber das macht ja gerade die Buntheit aus. Wär zu blöd, wenn alle ähnlich
denken.


Danke für die guten Wünsche zu G. Ich bin ganz optimistisch. Und auch ein wenig glücklich.


Alles Liebe, RE


(PS: bin in Nürnberg gelandet, deshalb die Verzögerung bei der Antwort)