Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Nordkorea: Der Personenkult

25. April 2013 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

Warum verehren Nordkoreaner ihre Kim-Clique?
Kim Il-sung
Kim Il-sung war ein von Stalin protegierter Gründervater des heutigen Nordkoreas und von 1948 bis 1994 Diktator des Landes. Als „Ewiger Präsident“ gilt er über den Tod hinaus als De-jure-Staatschef Nordkoreas.
Geb: 15. April 1912, gestorben: 8. Juni 1994

Kim Jong-il
Kim Jong-il war nach dem Tod seines Vaters Kim Il-sung sein Nachfolger
Geb: 16 Februar 1941; gestorben 17. Dezember 2011

Kim Jong-un
Kim Jong-un oder Kim Chŏngŭn ist Nachfolger seines Vaters Kim Jong-il und sieht sich als Generalverwalter des Erbes seines Großvaters Kim Il-sung
Geb: 8. Januar 1984



Sonne der Nation, wunderschöner roter Stern am Himmel, großes Zentrum, großartiges Herz, oberstes Gehirn der Nation und was nicht noch alles wurde und wird er genannt, der Staatsgründer, und ähnlich sein Sohn und sein Enkel. Meinen die das ernst?

Bekannt ist die an Orwells „1984“ erinnernde Überwachung und Indoktrinierung der Menschen in Nord Korea. Überall im Land sind Zehntausende von Statuen Kim il-sungs und neuerdings auch seines Sohnes Kim jong-il aufgestellt. Von Kindergärten und Schulen bis zu Kollektiven und Parteigruppen müssen die Menschen immer wieder lernen, was für ein überragender, ja göttliche Menschen sie waren. Doch die ständige ideologische Beeinflussung und Bespitzelung kann nicht erklären, warum die Verehrung von Kim il-sung (und neuerdings auch von seinem Sohn Kim Jong-il) offenbar tief ist und quer durch die gesamte Bevölkerung geht. Noch immer ziehen Tausende von Menschen täglich tief ergriffen und mit Tränen in den Augen am Sarg des Staatsgründers vorbei.
 
Zuerst ist Nordkorea ein zutiefst im Konfuzianismus verwurzeltes Land. Die Lehre von Konfuzius regelt das Miteinander in einer streng hierarchisch gegliederten Gesellschaft. Zuerst in China über tausend Jahre und dann im von China dominierten Korea. Über und Unterordnung angefangen von der Familie über die Gemeinschaft bis hoch in alle Staatsämter ist der Kernpunkt der Lehre, die darüber hinaus Menschlichkeit, Gerechtigkeit, ethisches Verhalten und Güte lehrt (so werden die 3 Staatslenker immer wieder dargestellt). Kim il-sung hat sich den in Familie und Gesellschaft verwurzelten Glauben zunutze gemacht und zusammen mit einem neuen Nationalismus und ein wenig Marxismus eine eigene Staatsideologie daraus geschaffen. Es ist eine Ersatzreligion, an die Menschen glauben.


In dieser Ersatzreligion ist enthalten, dass Koreaner unabhängig, handlungsfrei von äußeren Einflüssen sind. Es ist ein neues koreanisches Selbstbewusstsein, das gepflegt wird. Jahrhundertelang abhängig und unterdrückt, haben Koreaner Sehsucht nach Eigenständigkeit, wollen sich nicht mehr dauernd herumschubsen lassen. Das ist das nationale Motto dieses stolzen Volkes. Diese Botschaft wollen viele Koreaner heute hören und nicht nur die im Norden. 


Sogar Parallelen zum Christentum im Mittelalter sind in dieser Stattsideologie enthalten. Es gibt die Gläubigen, die Unsicheren und zuletzt die wenigen Ungläubigen, die eingesperrt, gefoltert und getötet werden (ähnlich den Hexen und Abtrünnigenprozessen, denen hat auch kaum einer eine Träne nachgeweint). Die angebliche Geburtsstätte von Kim il-sung ist eine Art Stall wie der in Bethlehem und noch heute ein beliebter Pilgerort. Und die heilige Dreifaltigkeit besteht aus Kim, dem Vater, Jong-il, dem Sohn und der Sattsideologie als Heiliger Geist (manche sagen auch der Enkel jong-il wäre der Heilige Geist). Es gibt Wunderberichte, ähnliche Redewendungen werden benutzt, wie sie südkoreanische Christen in der Liturgie anwenden und so wie das Christentum das Geburtsjahr Jesu zum Beginn einer neuen Zeitrechnung machte, beginnt in Nordkorea der Kalender mit dem Geburtsjahr des Großen Führers 1912. Es gibt noch mehr Parallelen, die die neue Religion stützen. Kim il-sung sagte selbst, dass er in seiner Jugend von christlichen Ideen geprägt wurde. Daher hatte er die Idee, sich als Messias zu verkaufen, an den die Leute glauben. Ein südkoreanischer Priester, der ein langes, persönliches Gespräch mit Kim il-sung hatte, berichtete: „Kim verstand die messianischen Themen in der christlichen Doktrin, er regiere sein Land wie ein religiöser Führer und stellte sich als väterlicher Hirte seines Volkes dar“. Die „Effektivität und Langlebigkeit seiner Herrschaft (und die seiner Nachfolger, muss man heute sagen RE) war, dass er seine eigene Religion gegründet hat“ (Fritz). Die Verehrung für Kim il-sung ist in vielen Fällen echt und wird wirklich gefühlt. 


Trotzdem: Nicht bekannt ist, wie weit dieser „Glaube“ oktroyiert ist und wie viele von ihm abfallen würden, wenn der Verehrungs-Zwang nachließe.

 

(Quellen: Wikipedia: Nordkorea; Korea (Geschichte); Koreakrieg; Teilung Koreas; Stern, Zeit-Online; Fritz: Schauplatz Nordkorea; andere)

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post