Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Nordkorea: Wie leben die Menschen


13. August 2013 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Andere Welten - andere Probleme

Ich habe mir Nordkorea als ein Land vorgestellt, in dem

alle Menschen ärmlich sind und am Hungertuch nagen. Lernen musste ich, dass das ein undifferenziertes Bild ist.

 

Die Hauptstadt Pjöngjang, 0322 Pyongyang Turm der Juche Idee Aussicht(By Sven Unbehauen (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons)


in der fast 3 Millionen Menschen leben, ist eine große und saubere Stadt mit breiten Straßen, wenig Verkehr, schönen Parks, Kinos, Theater, Restaurants, sogar eine Pizzeria gibt es. Der Großteil der nordkoreanischen Einwohner lebt als Fabrikarbeiter in Städten. Es gibt 46 Städte in Nordkorea, die von 3 Millionen (Pjöngjang) bis 30 Tausend Einwohner haben.


Auch die Fabriken darf man sich nicht als Bruchbuden vorstellen (sicherlich sind eine Reihe so zu bezeichnen). Nordkorea hat westliche Fabriken eingekauft und den Schwerpunkt auf die Entwicklung der Schwerindustrie gelegt. Das Land

Fabrica de cristal duro Huichon3(Dprk48 at en.wikipedia [CC-BY-SA-3.0, GFDL, CC-BY-SA-3.0 oder CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0], vom Wikimedia Commons)


ist immerhin in der Lage, eine Atombombe zu bauen und Raketen in den Himmel zu schicken. Auch wenn Techniken und Techniker dazu aus dem Ausland kamen, bedeutet das, sie haben eine eigene, gut ausgebildete Facharbeiter, Ingenieur- und Wissenschaftler - Nomenklatura.  

 

 

Bis 1969 war Nordkorea wirtschaftlich dem lange Zeit politisch und ökonomisch instabilen Süden überlegen. Danach ging es bergab. Durch den Zusammenbruch des Ostblocks kam Nordkoreas Außenhandel Anfang der 1990er Jahre fast völlig zum Erliegen und die Situation der Menschen verschlechterte sich.


Das Wohlstandsgefälle im Land ist nach wie vor groß. Der Stadt-Land-Gegensatz zwischen wirtschaftlich aufstrebenden Großstädten und armen ruralen Gegenden ist enorm. Viele Menschen in der Stadt haben einen Fernseher, die Nomenklatura auch PCs. Auf dem Land dagegen sind die Menschen sehr arm.


Etwa 81 Prozent des Landes sind bedeckt von relativ hohen Gebirgszügen und bewaldeten Berg- und Hügellandschaften, die von tiefen und engen Tälern durchschnitten sind. Dazwischen finden sich nur kleine Ebenen, die kultiviert werden können. Landwirtschaft wird in Genossenschaften betrieben. NK PflugDie sind, wie ich Bildern entnehmen kann, auch mit motorisierten Produktionsmitteln ausgerüstet. Obwohl die Landwirtschaft mit 25 - 30% am Bruttosozialprodukt beteiligt ist, leidet das Land nach wie vor an chronischer Nahrungsknappheit. Das liegt nicht nur am System mit seinen Planfehlern, den ungenügenden landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, der Bevorzugung der Schwerindustrie die in der nach wie vor rigiden Planwirtschaft zuerst die Mittel erhält, nein, die Verteilung bevorzugt auch noch das Militär und für die normale Bevölkerung bleibt wenig.


Hinzu kamen mehrfach schwere Naturkatastrophen. Durch eine Rekordüberschwemmung die zu dem Zeitpunkt eintraf, als die Wirtschaft wegen des Zusammenbruchs des Ostblocks eh den Berg runter ging, kam es von 1994 bis 1999 zu einer schweren Hungersnot, durch deren direkte und indirekte Folgen zwischen 600.000 und einer Million Menschen starben.


Um die angespannte Versorgungssituation zu verbessern, unternahm die Regierung ab 1993 Anstrengungen, den Schwerpunkt der Planung auf die Landwirtschaft und Leichtindustrie zu legen und (2001) marktwirtschaftliche Reformen einzuführen. Das ging auch nicht gut. Wiederum blieb die Getreideernte wegen Düngermangels, Naturkatastrophen und unzureichenden Transport- und Lagerkapazitäten über eine Million Tonnen hinter dem Minimum zur Selbstversorgung zurück. Zusätzlich konnten durch den Devisenmangel (der Ostblock konnte nicht mehr helfen) keine Ersatzteile für Maschinen oder Öl zur Stromerzeugung eingekauft werden, was zur Schließung vieler Fabriken führte.


Dem neuen Machthaber Kim Jong-un wird nachgesagt, dass er Wirtschaftsreformen nach chinesischem Vorbild anstrebe.


Von 1999 bis 2000 startete das Welternährungsprogramm eine Notoperation mit Lebensmittelhilfen. 2011 wiederum, die 3,5 Millionen unterernährte Nordkoreaner versorgen sollte. Die Unterstützung wurde allerdings verringert, nachdem Nordkorea die Einstellung seines Atomwaffenprogramms verweigerte.


Es sei richtig, dass die Lebensumstände sich für große Teile der Bevölkerung verschlechtern und viele Menschen unterernährt seien, berichtet Gerhard Uhrmacher, Leiter der Welthungerhilfe in Nordkorea. Schuld daran sei die abnehmende Leistungsfähigkeit des Staates. "Aber das heißt nicht, dass dort Hunderttausende an Hunger sterben. Das große Problem ist die gute Ernährung" (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-03/nordkorea-hilfsorganisationen)

Wäre die innere Verteilung gerechter, sähe das alles besser aus.

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post

Archi 08/15/2013 15:39


Hallo RE


Brecht hatte viele netten Sprüche parat.


Zum Ärger der meisten Menschen, sind viele zu dicht an der Wahrheit.


Er sagte Auch "Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"


Einen schönen Abend :-)


lg Uli


 

R.Einloft 08/16/2013 16:51



Tja nur: wen??? Nach meiner Beobachtung auch der Geschichte kam immer dann, wenn die Menschen dachten, jetzt hätten sie´s was Schlimmeres.


Schönes Wochenende wünsche ich


Gruß und so von mir, RE



Archi 08/14/2013 18:37


Guten Abend RE


Ich glaube. dass in Nord-Korea die Ungerechtverteilung genauso ist, wie in anderen Ländern.


Es regiert nur noch der Reiche, der seine Untertanen versklavt.


Ich war noch nie dort, bin erstaunt, welch schöne Ansicht sich zeigt.


Ich kenne aus den Dokus eher nur die schlechten Stadtteile.


lg Uli

R.Einloft 08/15/2013 14:23



Sei gegrüßt, Uli!


Brecht hat es auf den Punkt gebracht: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. (Na ja, Brecht meinte in seinem Gedicht: "Wovon lebt der Mensch" die Armen, die zuerst was zu essen brauchen.
Aber es passt so schön zu Deinem Kommentar - und gilt auch für die Reichen)


Gruß RE



Joachim 08/14/2013 17:44


Verstehe ich. so ist aber die Weltmachtpolitik der USA.

R.Einloft 08/15/2013 14:06



Wie gesagt, sie muss nicht so sein. Clinton hat es anders gemacht gegen den Wiederstand der Zementköppe und prompt lief es besser. Jeder will ein wenig geliebt und anerkannt werden. Auch die
Dickköppe in Nordkorea


Gruß RE



Joachim 08/13/2013 17:16


Hallo RE,


von dem, was du hier berichtest, ist bei uns wenig bekannt. Die manipulierten Medien zeigen nur die angeblich aggressive Facette der nordkoreanischen Machthaber. Würden Unterstützungsprogramme
für die Bevölkerung wie von der Welternährungsorganisation nicht von politischen Bedingungen abhängig gemacht (von den USA diktiert), ginge es der bevölkerung besser. Dazu gehört auch eine
gerechte Integrierung des Landes in den internationalen Handel. Unter dem imperialitischen Diktat aber kaum möglich, denke ich.


Herzl. Gruß


Joachim

R.Einloft 08/14/2013 10:01



Sei gegrüßt Joachim!


Genau deshalb hab ich mich mal dran gesetzt und versucht, ein wenig hinter die Kulissen zu schauen. Wir meinen immer, wir seien gänzlich gut informiert und fallen doch öfters auf einseitige
Betrachtungsweisen herein. Übersehen darf man nicht, dass in Nordkorea genau wie in den USA zumeist Zementköpfe das Feld beherrschen (unter Clinton gab es mal einen friedfertigeren Ansatz).
Weshalb allerdings der Elefant unbedingt die Maus fertig machen muss, ist mir nicht einsichtig. Nur durch Annäherung können eingefahrene Gleise verlassen werden. Das ist meine Überzeugung. 


Einen schönen Tag wünsche ich noch


Mit Grüßen aus dem etwas sonnigen Tal


RE