Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Oberhessischer Mittwoch

28. Juli 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

Am Mittwoch, sagt man, wird in Oberhessen die Woche geteilt. Manchmal nennen sie ihn auch "Mirtwoch", weil an allen Tagen mit "r" Geschlechtstag sei, das aber, denke ich, kommt selten vor. Denn nach der Arbeit wird zu Hause weiter malocht und Rentner ziehen morgens ihren alten Blaumann an und arbeiten sich durch den Tag. Nur ich ziehe Vaters Kittel selten an, schreibe, lese, lebe lieber. Das, sagen sie, komme von der Missbildung wenn man zu lange von zu Hause weg sei.

Fahrrad fahren wollten sie nicht, die Kinder. Nur-die-Harten-kommen-in-den-Garten.jpgLieber im Garten helfen. Recht so. Ich habe ihnen (und M) vom Fenster aus freundlich-gewährend zugeschaut. Sie möchten länger bleiben, müssen aber schon nächste Woche zurück nach Lima, ihre Winterferien sind zu Ende. Nicht dran denken, es wird traurig.

Pokern können sie wie die Profis. Bis Mitternacht haben wir gestern bei Alex gehockt und gezockt. Das heißt: die haben gezockt und wir verloren. Die Tiefe des Spieles hat sich uns entzogen trotz all ihrer Versuche, uns Regeln und Strategien beizubringen. Sie aber spielen es mit Begeisterung.

Montag Kinotag. „Brautalarm“ hatten sich Tati&M ausgesucht. Knapp eine Stunde habe ich den unsäglichen, Komödie benannten Zickenkrieg ausgehalten. Als die Weibergruppe rückwärts essend und mehr sich im Bad eines exklusiven Brautladens entleerte, hab ich das Kino fluchtartig verlassen. Kurz danach kamen meine Lieben auch, ich brauchte eine Grappa. Unvergnügen war das.

Die "Weisse Jägerin" (R. Ackermann) bringt mich zurück nach Afrika. Am Fuß des Mount Meru, im heutigen Arusha Nationalpark, siedelten einst Deutsche, in unsäglichen Zeiten kaiserlicher Kolonisation. Auch Margarete Trappe, Afrikas großer Jägerin. Sie hatte eine Farm dort, wo heute die TAN Momella Hardy Krüger BarMomella Logde steht, Kulisse für den Film "Hatari" mit John Wayne, Elsa Martinelli und Hardy Krüger. Gut kennen wir die Gegend, können verstehen, weshalb sie ihre 2. Heimat so liebte mit all den Zebras, Gnus, Giraffen, Büffel, Leoparden, Elefanten, und Nashörner. Nicht zu vergessen die langhaarigen schwarz-weißen Colobus Affenfamilien, hoch oben in den Bäumen lebend und mit markerschütternden Schreien vor Gefahren warnend. Wenn die Sonne untergeht, die Massai-Steppe unten im Tal dunkel wird. leuchte der Kilimanjaro blutrot.

Heute kommt noch Besuch. Freund Bernd beehrt uns.

 

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post

Joachim 08/03/2011 10:24



Hallo RE! Das mit dem "r" im Mittwoch finde ich gut! Das sollte man bei allen Wochentagen ohne "r" einführen!! Gut sieht es aus, wie die Kinder im Garten ackern. Da haben sie doch den Kinobesuch
als Anerkennung verdient. Wobei - der Titel des Films würde mich auch nicht gerade reizen.


LG Joachim 



R.Einloft 08/03/2011 13:06



Schön wärs, könnte man allen sprachlichen Versprechungen auch folgen :). Jetzt sind sie wieder weg, die Kinder, haben uns gut getan. Nicht nur im Garten. Von dem Film rate ich, trotz aller
positiven Kritik (keine Ahnung warum) dringend ab. Zum kotzen.


Einen schönen Tag noch


LG R



Katharina vom Tanneneck 07/28/2011 23:38



Das mit dem Mittwoch kennt man nicht nur in Oberhessen. Das kannte ich aus Franken, aus Baden Württemberg und hier in MeckPomm ist es auch bekannt.  


Ehrlich gesagt, ich würde auch lieber schreiben, lesen und leben! Aber da liegt immer irgendwo Arbeit rum.  Manchmal lasse ich sie auch einfach liegen, sie ist am nächsten Tag immer noch da. 


Pockern würde mir auch mal wieder viel Freude bereiten. Aber ich kenne hier kaum jemand der das kann. So träume ich dann manchmal von meinen Reisen und vergesse den Regen, der an´s Fenster
klopft.


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 07/29/2011 12:26



:) Na sowas! Und ich hatte immer gedacht, der geteilte Mittwoch (auch mit "r") sei eine Spezialität von uns Oberhessen.
Tja, das mit der Arbeit sehe ich auch so, sie liegt immer rum. Und manchmal muss man sich aufraffen. Nix zu machen.
Ja, träumen von den Reisen können wir allemal und immer. Ist zwar nicht ganz so schön wie das Reisen selbst, aber immerhin etwas, was bleibt.


Liebe Grüße aus dem diesigen, zu Regen neigenden freitäglichen Oberhessen


RE