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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Peñiscola, 2. Hochzeitstag, März 2011

20. März 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

 

Strahlende Sonne, 23 Grad um 12:43, leichter Wind

Spanienurlaub-2011-7863.jpg2. Hochzeitstag, wir feiern als 1. den standesamtlichen und am 2. den kirchlichen mit dem großen Fest. Feste wird das wichtige Ereignis gefeiert. Lassen uns von der Sonne verwöhnen. Stimmengewirr um uns, gemixt mit betörenden Gerüchen der Sonntagsmahlzeiten. Wir gehen essen zwengs der Feierei.

Spanienurlaub-2011 7858Der Frühling kommt, an den bis dato nackten Stämmen um uns herum entdecke ich kleine grüne Blättchen.

Dass Marx kein netter Zeitgenosse war, wusste ich, wird nochmals bestätigt. Nichts und niemand hat er akzeptiert, der nicht seiner Meinung war (nur Engels, der aber war zumeist seiner Meinung). Seine Revolutionstheorie aus Krisen war wahrlich nicht ausgereift, traf nie zu wenn er sie voraussagte, wurde später in Russland vergewaltigt. Das Proletariat wollte nicht so wie er, nicht historisches Erfüllungsorgan einer neuen Gesellschaft gleicher Menschen sein, wollte eher Verbesserung ihrer momentanen, elendigen Lage. Jeden der Zweifel an seiner Meinung anmeldete, hat er wortgewaltig verdammt. Auch privat scheint er kein Gentleman gewesen zu sein, seinen Frauen hat er viel zugemutet (sein von ihm gezeugtes Kind mit dem Dienstmädchen wurde weggegeben, Engels übernahm generös die Verantwortung für die Tat). Und trotzdem, und trotzdem gehört er zu den führenden Theoretikern der kapitalistischen Gesellschaft, deren Entwicklung er mit enormen Fleiß studierte, sezierte, detailversessen erklärte; der Erste, der in den Nebel des Unwissens über diese seit dem Neolithikum größte Revolution - die industrielle - Schneise des Erkennens über die Funktionsweise dieser neuen Gesellschaft schlug und Gesetzmäßigkeiten aufdeckte, die gültig sind. Seine Krisentheorie, vor über 100 Jahren formuliert, wird heute zunehmend und verschämt von den Apologeten der "Marktwirtschaft" studiert, sie, bei deren Modellen Krisen gar nicht vorkamen. Verwunderlich, verwunderlich, sind Krisen doch das Einzige das mit bösartiger Verlässlichkeit im Kapitalismus immer wieder vorkommt. Doch die neoliberalen Theoretiker unserer jüngsten Zeit redeten dem besinnungslosen, egozentrischen Raffen das Wort, versprachen sogar den Ausgleich der Marktkräfte durch individuelle Gier. Er hat mit grandioser Scharfsichtigkeit im Kapitalismus die innovativste und kreativste Wirtschaftsordnung der Menschheitsgeschichte gesehen und zugleich auch die zerstörerischste. Er war ein Ökonom von Spitzenrang (Schumpeter), der hellsichtig machte auf die ökonomisch und sozialen Probleme der industriellen Welt wie kein anderer Zeitgenosse und seine Vorläufer. Entkleidet von dem Zwang, seine Ergebnisse als Glaubenssätze zu sehen, bieten sie eine eigene Sicht auf die Welt der Produktionsverhältnisse und ihrer historischen Abläufe. Ich habe viel gelernt von ihm.

16:00 Vom Mittagessen zurück. Es gab Lammschulter, vorher Spargel mit Lachs und gemischten Vorspeisenteller. Die Spanier sitzen immer noch mit ihren großen Familien.

Es hat sich eingetrübt.

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Joachim 03/21/2011 16:14



Hallo RE! Wie ich jeden Tag sehe, lasst Ihr es euch im sonnigen Süden immer noch gut gehen bei lauer Luft und gutem Essen. Da macht es sicherlich Freude, sich den alten Marx noch mal so richtig
"vorzunehmen". Dass er privat wohl zielich autoritär war, ist bekannt. Seine späteren "Weltrevolutionäre" haben diese Eigenschaft von ihm übernommen. Seine Politische Ökonomie ist, wie wir sehen,
heute noch ein gutes Rüstzeug, um zu verstehen, was in der Welt in der Gegenwart geschieht.


Liebe Grüße und eine weitere schöne Woche in Spanien!!


Joachim



R.Einloft 03/22/2011 13:18



Ja, Joachim, das haben sie in der Tat, die "Weltrevolutionäre", den unverrückbaren Anspruch übernommen, Recht zu haben. Ach hätten die doch ein wenig mehr Demut gehabt und das Wissen, das Irren
menschlich ist. Vielleicht ist deshalb das Vorgehen richtiger, Marx mit seinen Schwächen auch in der Theorie zu sehen. Dann sind die Stärken handhabbarer.


Ja, prima Zeit hier, rum zu schmökern. 


Beste Grüße aus Spanien


RE