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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Peñiscola, Anfang April 2011; eine Liebeserklärung

2. April 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

Sonne, Sonne, Sonne, seit Tagen. Dazu ein leichter Wind der plötzlich anwachsen kann, Radfahrer aus dem Gleichgewicht bringt und Sandstürme am Strand verursacht. 25 Grad am WoMo-Eingang, 14:10
Pit.jpgPeter, auch Pit gennant (links mit Zigarre) ohne jeglichen Bezug zu einer Hunderasse gleichen Namens, der in seiner Burg uns gegenüber über dem Dorf thront, hat uns eine Liebeserklärung in seinem Blog gemacht (http://www.mein-jakobsweg-von-marburg-nach-santiago.de/article-lieber-r-liebe-m-70541672.html). Das ist doppelt schön. Einmal, weil doch jeder gerne Liebeserklärungen kriegt, gelle? Und dann, weil sie von jemanden aus dem Dorf kommt. Denn das Interesse an dem, was ich tue und getan habe, geht gegen Null. Ein Außenseiter halt, der es in seiner Heimat nicht aushielt. Und sie schauen selbstgefällig in die Luft und halten es für normal, wenn man sein Leben lang tagtäglich über den Berg zur Arbeit fährt und abends wieder zurück. 50 Jahre lang! Ihr Horizont reicht kaum über das Blickfeld ihrer Augen und wird auch noch durch Berge rundherum begrenzt. Der Radius von Arbeit, Großmarkt, Baumarkt, Kneipe wird durchbrochen im Urlaub (möglichst an derselben Stelle) und zu Kuren. Sie sind stolz so zu sein und manche zeigen es. Pit beschreibt es gut, unser Dorfleben: "Manchmal begreife ich nicht, was im Dorf passiert. Diese Engstirnigkeit. Mir fehlt die Luft zum Atmen. Das Rasenmähen. Die Geranien auf dem Balkon. Das Kehren vor dem Bürgersteig. Das Autowaschen samstags .Die Alltags-Routine. Ich glaube, das geht euch genauso auf den Senkel und trotzdem ist es unser Dorf. Unser Keltenhausen." 
Ja, ich weiß Pit, sie nennen mich Entwicklungshelfer, wenn sie überhaupt etwas wissen, denn Unwissen paart sich prächtig mit Nichtwissenwollen. Du kannst es glauben, außer einer Handvoll Freunde und Familienmitglieder hat noch nie jemand gefragt, was machst du, hast du gemacht, wo warst du. Entwicklungshelfer war ich in der Tat einmal, vor langer Zeit. Von 1968-70 in Antofagasta/Chile (Unterricht in Messtechnik, hatte ich ja beim Flugzeugbau gemacht). Das war die Lehre, das Einstiegstor in die weite schöne Welt, der anderen Art zu leben. Das wollte ich nicht mehr aufgeben, hat mich umorientiert zu einer Kehrtwende weg von der Technik hin zu sozialen und politischen Aufgaben. Es war ein Traum, ich, der 8-klassige Abgänger einer hinterländer Zwergschule kam zum Studium, zum Lernen, zu neuen Lebensinhalten. Danach kam die Praxis und dann ging es aufwärts in neue und verantwortliche Funktionen der Entwicklungszusammenarbeit. Mann, was für eine Erleichterung, was für ein neues Leben, was für gute Inhalte. Was da alles bei war! Entwicklungshilfe und EH in Ecuador koordinieren (da war ich Beauftragter des DED), soziale und wirtschaftliche Projekte entwickeln, erproben, übergeben als Leiter der FES, so z.B. kommunale Wirtschaftsentwicklung mit Bürgerbeteiligung im Staate Rio, neue staatliche Förderstrategien für Kleinindustrie in Kolumbien, Trainingsprogramm für junge Führungskräfte und Ausbildung von Barfussrechtsanwältinnen in Tansania und und und...(ei freilich hab ich das alles nicht selbst gemacht, gemanagt halt, du weisst)

Mein letzter Job in Tansania war der beste. FES Tansania ÜbergabeDirektor einer großen internationalen Stiftung mit Zugang zur politischen Elite habe ich den Traum der Freunde Willy Brandt und Julius Nyerere von einer Freundschaft zwischen dem afrikanischen und europäischen Land wieder aufgegriffen. Na ja, es war nicht so wie bei Williyund Julius, aber verbessert haben sie sich schon, die Beziehungen. Von solchen Sachen kann ich erzählen, aber wahrscheinlich gäbe es im Dorf schon Schwierigkeiten bei der Verortung von Dar es Salaam.
Ja, du bist ebenso anders, es hat nur ein Weilchen länger gedauert aber jetzt machst du deinen Weg. Das steht mal fest. Und wir nehmen gerne deine Einladung an zu argentinischen Steaks (sorgst du für), Caipirinha und Fidels bestem (sorgen wir für). Und lassen das Dorf hoch leben denn es gibt allemal sehr unterschiedliche Leute dort. Man muss sich nur finden. Freuen uns drauf.Bis dann, R&M

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Hanne 04/03/2011 12:58



Hallo und schönen Sonntag - hier macht er seinem Namen alle Ehre! 


Ich freu mich für Euch über diesen Artikel. Sieht so aus als hättet Ihr doch noch Seelenverwandte (zumindest einen!) im Dorf gefunden!


Außerdem gibts auch noch ein paar echte Verwandte, die sich riesig auf Eure Rückkehr freuen!!!!!


Liebe Grüße und genießt die letzten Tage im Ort mit dem komischen Namen.


H.


P.S. Hier wird grade die Hängematte installiert



R.Einloft 04/03/2011 13:14



Jep, das sind immer die kleinen Wunder, manchmal schaut man vor lauter Vorurteile nicht genau genug hin. Und manchmal braucht man es kaum (das genau hinschauen) weil genügend Freunde vorhanden
(die in unserem Fall auch mit Verwandten verwandt sind). Wir müssen mal mit Pit gemeinsam was planen. Auf unserem nächsten Fest z.B.


Wir haben die Hängematte leider wieder abgehängt.


Bis bald und liebe Grüße Dein Bruder R



Peter Gerlach 04/03/2011 10:00



Liebe M und R.


Machen wir. Versprochen. Genießt die Sonne noch in espana. Liebe Grüße aus der Heimat, wo es genauso warm ist wie in Südeuropa! Habe gestern mit  Freunden und den dazugehörigen Jungs die
volle Güllegrube bei der Hütte mit einer kleinen Tauchpumpe ausgepumpt. Gleichzeitig dazu haben wir dann gegrillt :) Das hatte was!! Gruß Pit


 



R.Einloft 04/03/2011 13:11



Na, das ist ja eine interessante Mischung - zumindest vom Geruch her. Wir sind ab 8. wieder zu erreichen, dann hat Marga Geburtstag und feiert ihren 60. Deshalb fahren wir jetzt los. Bos bald


RE



Katharina vom Tanneneck 04/03/2011 01:45



Ein interessanter Artikel! Wir haben hier auch sehr schönes Wetter. Für Sonntag sind 25°C angesagt und es blüht überall. Wenn Ihr wieder auf der Heimreise seid, fahrt langsam und genießt die
schöne Natur. Deutschland wartet auf mit dem besten Wetter zu Eurem Empfang zu Hause.


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 04/03/2011 13:16



Bei uns hat es ein wenig umgeschlagen, das Wetter, so wird der Abschied leichter. Genießt die Sonne, sie ist schön. Deutschland wir kommen. (Das freut dann Deutschland - und uns)


Liebe Grüße RE