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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Peñiscola/Hommerthausen März 2011; Strahlendosis

14. April 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Unsere Welten - unsere Probleme

Dauernd hören wir von den gefährlichen Strahlen der Radioaktivität, genau hab ich es nie gewusst, was das bedeutet, deshalb hab ich mich mal dran gesetzt.

Gemessen wird besonders um die havarierten Reaktoren herum erhöhte Radioaktivität im Wasser und in der Luft, die um das Fünffache, Zehnfache oder weit über das Hundertfache über den Grenzwerten liegt. Doch die Messwerte allein sagen noch nichts über eine Gefahr oder ein Risiko für Menschen aus.

Die Maßeinheit, mit der zumeist die Strahlenbelastung angegeben wird, heißt Sievert. Ein Sievert entspricht 1000 Millisievert . (Früher hieß sie REM/Strahlendosis in Röntgen, beide Maßeinheiten sind gleich). Da die von der Kernspaltung freigesetzten Strahlen sehr unterschiedlich sind (Gamma, Beta, Alpha/Röntgenstrahlungen), ist auch ihre Wirkung auf den menschlichen Körper unterschiedlich. Deshalb ist Sievert  ein gewichteter Wert, meint: Die Zahl gibt nicht die Strahlung an sich wieder, sondern versucht zu berücksichtigen, wie schädlich die Strahlung für den Organismus ist.

Die Strahlungsbelastung bei Menschen wird häufig in Millisievert pro Stunde angegeben. Das ist ein hypothetische Werte, die tatsächlichen Schäden können mit ihrer Hilfe nur geschätzt werden.

Wirkung der Strahlendosis bei akuter Bestrahlung (kurzfristig und am ganzen Körper):

Wird der Körper direkter Strahlung ausgesetzt, reagiert zuerst die Haut mit Verbrennungen, es folgen Übelkeit und Erbrechen. Bei höheren, eventuell tödlichen Strahlendosen lassen Immunsystem und Blutbildung nach. Menschen, die keine direkte Strahlung abbekommen, sind gefährdet, wenn sie über die Atemluft oder die Nahrung radioaktive Partikel aufnehmen, die noch nicht zerfallen sind. Beim Zerfall im Körper können diese das Erbgut schädigen oder Krebs auslösen

Die Diskussion um Grenzwerte ist umstritten. Wo die Grenzwerte nach unten liegen, darüber streiten
sich die Gelehrten. Die am weitestgehende  Meinung sagt, dass jede Strahlendosis Krebs auslöst. Besonders französische Experten  setzen den Grenzwert zwischen 10 und 20 Millisievert. Wiederum
andere glauben, niedere Dosen seien sogar ein Schutz. Bei Erwachsenen gibt es offenbar unterhalb
von 100 Millisievert keine Erkenntnis, wann die Dosis gefährlich wird (wobei zu fragen ist, warum
in diesem Bereich nicht mehr geforscht wir. Ist das vielleicht politisch nicht gewollt?).

Strahlungen sind wir ständig ausgesetzt.

Die durchschnittliche Strahlendosis, die ein Deutscher durch natürliche Quellen innerhalb eines
Jahres aufnimmt, liegt  zwischen zwei bis fünf Millisievert.

 Eine Einzeldosis in Höhe von 250 Millisievert gilt bereits als die Grenze, ab der sicher mit Strahlenschäden zu rechnen ist.

 

Ab einer Einzeldosis von einem Sievert oder 1000 Millisievert sind akute Sympthome der Strahlenkrankheit wahrscheinlich: Kopfschmerzen, temporäre Unfruchtbarkeit, höheres Infektionsrisiko.

Grundsätzlich gilt eine Einzeldosis von sechs Sievert, also 6000 Millisievert, als tödlich (100 Prozent Sterblichkeit innerhalb von 14 Tagen).

Daten aus Hiroshima und Nagasaki sagen, dass pro Sievert fünf bis 10 Prozent mehr Menschen an Krebs sterben. Wenn also 1000 Personen ein Sievert abbekommen, sterben zusätzlich zu den 200 bis 250, die normal statistisch zu Tode kommen, noch einmal etwa 100 durch einen Tumor. Mal abgesehen von den anderen Krankheiten durch Immunschwäche und genetische Veränderungen etc.

Werden die Bestrahlten gleich ärztlich behandelt, ist bis zu einer Dosis von vier bis fünf Sievert in aller Regel die Behandlung erfolgreich. Ab einer kurzfristigen Dosis von sechs Sievert und höher, verteilt über wenige Minuten bis einem Tag ist die Aussicht auf Rettung gering. Kommt diese Dosis jedoch über mehrere Wochen zusammen, werden höhere Strahlendosen besser vertragen.

Das Ganze ist schlimm, aber Gott sei Dank nicht so schlimm wie ich vordem angenommen. Bisher hält sich offenbar die Gefahr für Leib und Leben der Menschen in und um Fukushima in Grenzen. Für uns allemal. Noch.

Das macht das Unglück von Fukushima weder harmlos oder überstanden noch das atomare Restrisiko tolerierbar. Es soll einzig helfen, die in der Luft herumschwirrenden Werte besser einschätzen zu können. Ganz gleich, wie die Lage in Japan zu bewerten ist: Die Kernenergie ist und bleibt unberechenbar.

Leid tun mir die Menschen, die ihre Heimat in den Sperrzonen verloren haben. Auf Dauer. Für sie ist es allemal der Super GAU.

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Katharina vom Tanneneck 04/16/2011 00:47



Das Risiko ist einfach viel zu hoch und wird meist noch falsch eingeschätzt. Selbst in Deutschland wird die Belastung immer höher. Dazu kommen die Werte von der Asse, die unglaublich angestiegen
sind.Mir macht das alles große Angst.


http://www.fruehnachrichten.de/nachrichten-inland/radioaktivitat-in-asse-ubeschreitet-grenzwert-erheblich


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 04/18/2011 13:48



Angsteinflößend, ja, das ist es. Deshalb hab ich mich auch hingesetzt um die Relevanz einiger Daten mal zu prüfen. Meine Angst ist nicht weg, aber ich hab den Eindruck, ich kann die Zahlen besser
einschätzen und muss nicht bei jedem Fitzelchen mich fürchten.


Ja, das mit Asse hatte ich gehört. Sauerei das alles. Ich versteh´s nicht, weshalb nicht mehr getan wird.


Mit Grüßen aus H


Re



Hanne 04/14/2011 21:06



Es gibt keine Grenzwerte für ionisierende Strahlenbelastung. Jede auch noch so geringe oder geringste Dosis radioaktiver Bestrahlung kann beispielsweise Krebs auslösen. Die Grenzwertdiskussion
täuscht Sicherheit vor und verfälscht die Realität



R.Einloft 04/14/2011 22:59



M hat auch schon geschimpft, ich würde abwiegeln. Das Problem ist in der Tat, wir wissen es nicht,ob auch geringe Dosen gefährlich sind. Die Experten streiten und deine Position ist eine davon.
Mich verwirrt, dass unter 100 Millisievert es keine verlässliche Daten über den Verlauf von Dosis/Wirkung gibt, nach allem, was ich gelesen habe. Die Wirkung ist also erst mal klein, was sie
dauerhaft mit Menschen macht, darüber weiß man nichts. Es sind Annahmen und um auf der sicheren Seite zu sein, bin auch ich dafür, nach unten dicht zu machen.


Überrascht hat mich allerdings, dass auch hohe Strahlendosen offenbar gut behandelbar sind. Ich gönn das den Menschen. Ich will nicht beruhigen, ich möchte ein wenig mehr Klarheit in dem
Zahlendurcheinander. Denn Angst macht das Ganze schon genug.