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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Peñiscola März 2011; warum ein Klavier klingt

24. März 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

Spanienurlaub-2011-7764.jpg 

 

Bedeckt, nachlassende Böen, kalt (12 Grad um 11:30), scheint heller zu werden

Das neue Heizöfchen funktioniert prima, ist aber mit 2000 W zu stark für unseren kleinen Innenraum. Aber Wärme mögen wir ja. Hanne hat Geburtstag, auch auf diesem Weg Glückwünsche. Sie hat sich mit Jörg nach Holland verzogen. Bessere Idee als Spanien. Dabei sind die Holländer doch hier.

Jetzt weiß ich, wie Flügel und Klaviere funktionieren. Manches um uns rum ist selbstverständlich immer so, doch warum es so ist, ist auch spannend. Klavier und Flügel sind Wunderwelten. Katie Haffner beschreibt in ihrem Buch "Romanze mit einem Dreibeiner" Glenn Goulds obsessive Suche nach dem perfekten Klavier. Für jeden guten Pianisten sind diese Instrumente völlig verschieden, haben eigene Charaktere in Klangfarbe, Anschlag und Verhalten. Alleine wie die Mechanik funktioniert ist technisch gewaltig (1 Steinway besteht aus 12 000 Teilen). Wird eine Taste heruntergedrückt, hab ich mir immer vorgestellt, dass mit einem Umlenkmechanismus dahinter ein Hämmerchen auf die Saiten schlägt. So war das früher auch. Heute werden damit verschiedene Vorgänge gleichzeitig ausgelöst. Wird die Taste gedrückt, bewegt sie einen Hebel (Stoßzunge genannt), der, dem Hebelgesetz gemäß, die Hammergeschwindigkeit beträchtlich erhöht. Im letzten Teil des Weges wird der Hammer kosgelassen, haut selbständig auf die Saiten (zumeist sind sie im Dreierpack gebündelt), schnellt zurück, auch wenn die Taste noch gedrückt ist. Gleichzeitig legt sich von oben ein Dämpfer auf die Saite und unterbricht die Schwingung, wenn die Taste losgelassen wird. Dann muss der Hammer eingefangen und daran gehindert werden, zurückzuschnellen in Folge seiner Eigendynamik. Blitzschnell muss danach alles zurück in die Ausgangslage, bereit zum nächsten Angriff, falls der Spieler die Taste erneut drückt. Irre, was da drin abläuft. Und das bei absurden Geschwindigkeiten, die Gould produzierte. Er brauchte eine enorm leichtgängig Mechanik und wollte einen Klang ähnlich dem Cembalo für seine Bachinterpretationen. Und fand ihn, "seinen" Flügel nach jahrelangem Suchen. Ein schon ausgesonderter Steinnway mit der Bezeichnung CD 318. Der steht heute im Museum und kriegt sein Gnadenbrot (darf Jazz spielen) weil er uns so unsäglich wundersame Musik zu Gehör gebracht hat. Und noch was hab ich gelernt: keiner der Konzertpianisten ist alleine mit seinem Instrument. Der Hauptmacher hinter ihm ist immer ein Stimmer, oft sind Konzertstimmer, der Hochadel in diesem Beruf, einzig für ein Instrument zuständig, reisen mit diesem und dem Pianisten um die ganze Welt. Ohne diese Fachleute mit absolutem Gehör und hoch entwickeltem handwerklichem Geschick würde sehr schnell jedes Instrument falsch klingen. Nein, stimmen kann man nicht nach Stimmgabeln oder mit anderen akustischen Hilfsmitteln. Nur der Kammerton a ist mit 440 Hertz oder Schwingungszyklen pro Sekunde festgelegt. Würde jetzt jeder Ton im mathematischen Verhältnis dazu gestimmt, klänge ein Klavier dissonant. Es muss in "Gleichschwebung" gestimmt sein, damit alle in allen Tonlagen komponierte Musik gestimmt klingt (warum das so ist, hab ich nicht richtig verstanden, ist ja schon so kompliziert genug). Das alles muss der Stimmer hören und einstellen. Obwohl ein Klavier "nur" 88 Tasten hat, müssen 230 Saiten auf eine bestimmte Tonhöhe eingestellt werden, die wiederum zu der Tonhöhe aller anderen Saiten passen muss. (Das Ganze geht noch weiter, auch die Tonfarbe kann verändert werden mit Nadelstichen in oder Kleberklecksen auf den Filz des Hammers). Nachdem ich das gelesen hatte, hatte ich Hochachtung vor diesen Fachleuten.

Goulds Liebe zu seinem Flügel nahm ein trauriges Ende. Nach einem Transport ist er von einer Rampe heruntergefallen. Das war, als hätte ein wunderschöner Vogel seine Flügel gebrochen.

Youtube: (Wie ein Steinway im Inneren arbeitet)

 

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hanne 03/29/2011 22:50



Wenn Du in Saarbrücken bist, musst Du mal mit Kathis chilenischer Mitbewohnerin darüber reden, sie hat gerade die Ausbildung zur Klavierbauerin absolviert



R.Einloft 03/30/2011 13:44



Ja, ich weiss, freu ich mich schon drauf. kathi hat mir von ihr erzählt.


Gruß an dich von mir


deinem größeren Bruder