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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Peñiscola weiter im Regen, März 2011

14. März 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

 

Regen, Regen, stürmisch, 16 Grad 16.00

Regenzeit1.jpgWas liest du denn da fragt er seinen Freund, biegt den Kopf und entziffert den Buchrücken: K-A-R-L M-A-R-X......Ach du liebe Güte, sagt der lesende Freund erschrocken, jetzt weiß ich auch, warum ich schon auf Seite 30 bin und immer noch kein Indianer vorkommt. Ich bin schon über Seite 30 hinaus bei dessen Biografie. Auch wenn von der FES als "Politisches Buch" prämiert, komm ich schon wieder nicht dahinter, was Marx meint mit seiner Behauptung, Hegel, Feuerbach und die gesamte Philosophie vom Kopf auf die Füße gestellt zu haben. Zeit zum Grübeln gibt es genug, der Zwang zum Sonnen fällt weg. Gestern war mal Sonne, sie gibts also noch. Seit heute Nacht regnet es wieder.

Die erste Gasflasche ist leer und wir erfahren, deutsche Flaschen lassen sich in Spanien weder füllen noch tauschen. Die haben ihr eigenes System mit eigenen Anschlüssen, Sicherheitsventilen etc. pp. So müssen wir halt ein wenig frieren mit der letzten Flasche, denn die Heizung frisst am meisten. Zum Kochen wird´s noch eine Weile reichen, dann fahren wir zurück. (Die Nachbarn sind rührend, bieten uns ihre Kochplatte an. Auf die Frage, wie sie das machen erfahren wir, rechte Camper heizen und kochen mit Strom. Den gibt´s umsonst. Und obendrauf umgehen sie das Problem mit dem Gas).

Wir zumindest können im warmen Bett warme Brühe trinken. Da sind andere schlechter dran. Keine Beschwerde will ich vermelden, keine. Mit Sonne Urlaub machen kann ja jeder.

Muss ich mich aufregen? Ich muss mich aufregen. Die Diskussion um Atomkraft ist wieder eröffnet, das ist gut. Doch schon wieder schlagen die Zyniker zu. Die Frage lautet nicht, ob der Sicherheitsstandard erhöht werden muss, die Frage ist, ob wir Katastrophen atomarer Verseuchung in Kauf nehmen. Auch wenn das Restrisiko kleiner wird, so bleibt ein Rest Risiko! Kein Experte wird behaupten, Atomkraft sei 100% sicher (außer Merkel, die hat das gestern Abend wieder gesagt, aber sie ist ja keine Expertin). Und wenn Atomkraft nicht 100% sicher ist, kann der Gau eintreten. Es ist ein ebenso banaler wie erfahrungsträchtiger Satz der Technik: Was kaputt gehen kann geht kaputt. Sollen wir Tschernobyl wirklich riskieren? Ich habe von Schätzungen gehört, dass 200 000 Menschen bisher an den direkten und indirekten Folgen gestorben sind, und weitere noch sterben werden. Eine Fläche so groß wie ein Bundesland ist landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar, 5% des Bruttosozialprodukts müssen jährlich aufgebracht werden um den noch immer brodelnden Kessel in Zaum zu halten. Nicht schätzbar sind die Folgen der Kontamination durch die Strahlenwolke in ganz Europa. Das ist die Katastrophe, die passieren kann. Alle, die für Atomenergie sind meinen schlussendlich, dieses Risiko könnten wir eingehen. Ich meine: NEIN! Wir dürfen es nicht eingehen. Das muss die Diskussion sein, nicht irgend welche Sicherheitsstandards.

PS: Das Restrisiko ist übrigens gar nicht mal so klein. Der höchste Risikofaktor dabei bleibt – willentlich oder unwillentlich -  immer noch der Mensch.

PSS: Wir hatten gestern so ein Beispiel, dass Sachen passieren können die gar nicht passieren können. Unsere Räder hatte sich so ineinander verkeilt, dass wir sie nicht mehr auseinander brachten. Pedale in Speichen, Schnellspannhebel hinter Rahmen, Katzenauge hinter Kette, Lenker unter Vorderrahmen, Bremshebel in Gabel, alles gemeinsam und so festgezurrt als wäre es verschweißt. Der nette Nachbar kam mit dicken Schutzhandschuhen. Zu 3. haben wir fast 1 Std. gebraucht, bis wir die Teile zurück gebogen und auseinander montiert hatten.

 

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Joachim 03/16/2011 17:44



Wie in Goethes Zauberlehrling: "Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los!"


LG Joachim



R.Einloft 03/16/2011 18:07



Ja, Joachim, der geht mir auch nicht aus dem Kopf. So ist es.


Bestens aus dem noch immer regnerischen aber demnächst besseres Wetter versprechenden Spanien


RE



Joachim 03/15/2011 15:41



Hallo RE! Wie ich sehe, seid Ihr zum Camping in Spanien. Da könnt Ihr die Ruhe genießen und habt nicht den Trubel der Touristenhotels - auch, wenn es regnet. Was hier in Deutschland und in Europa
z. Zt. in der hoch risikanten Debatte über die Atomenergie in Anbetracht der schrecklichen Ereignisse in Japan wieder abgeht, ist unverantwortlich. Die Politiker und die
Energiekonzerne glauben, hier auf einem sicheren Fleckchen Erde zu sitzen und sind von ihrer "Allwissenheit" wieder sehr überzeugt. Wirtschaftswettlauf, selbst bei Gefahr der Vernichtung.
Welche Schande!


Ich wünsche Euch gute Erholung und kommt heil wieder nach Hause!


LG Joachim 



R.Einloft 03/15/2011 17:06



Ja, Joachim, Wirtschaftsvorteile bei Gefahr der Vernichtung, das ist gut ausgedrückt. Es ist in der Tat alles schlimm, was da passiert. Warum, frage ich mich immer wieder, warum musste das
passieren. Es ist bekannt, dass ein GAU passieren kann und wenn etwas passieren kann, passiert es auch. Das ist leider kein Besserwissen sondern ein alter Satz der Technik. Der Mensch schwingt
sich auf zum Beherrscher des Alls und fällt mal wieder von 3 m Höhe auf die Nase.


Liebe Grüße nach Deutschland von


RE



Katharina vom Tanneneck 03/15/2011 01:01



Ach ja, wie Recht Du hast! Frau Merkel hat keine Ahnung und Röttgen noch weniger! Der will jetzt eine Expertenrunde zu diesem Thema veranstalten. Die Experten, Leute aus den Kernkraftwerken
und wir bezahlen die noch! Die werden natürlich alles schön reden! Es geht um viel Geld, die Sicherheit ist denen egal.


Norwegen hat Deutschland Energie aus Wasserkraft angeboten. Brüderle sagt, das ist nicht vorgesehen. Dabei wäre diese Energie wesentlich günstiger und sicherer. Es geht wirklich nur um Profit,
auf Kosten der Allgemeinheit. Allein wenn ich daran denke, wie unsere Atomlager aussehen, wird mir schlecht. Das ist nicht einmal Standart von Japan, sondern viel unsicherer! Diese Brennstäbe
liegen ungeschützt da rum, in einem bewachten Gebiet. Aber was kann daraus entstehen? Wir müssen endlich etwas tun!  


Trotz allem, einen paar schöne und sonnige Tage für Euch!


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 03/15/2011 17:02



Danke Katharina für deine netten Wünsche. Ja, es fällt langsam schwer, freundliche Tage zu genießen. Zwengs Wetter und der ganzen Problematik drumherum. Schlimm, schlimm, schlimm. Ja, tun müssen
wir was, vor allem diese selbstgefällige Dienerschaft der Atomlobby abwählen. Sie aber haben noch genügend Unterstützer. Ach liebes Publikum, bist du wirklich so dumm.


Hoffen wir das Beste, lieber Leser (du merkst, ich flüchte mich in Tucholsky und Co)


Liebe Grüße RE



artemisia 03/14/2011 21:55



Frau Merkel muß ja sagen, dass die Atomkraftwerke sicher sind, denn sonst müsste sie sie ja abschalten....(Frau Merkel im Brennpunkt)



R.Einloft 03/15/2011 17:07



Ja, alles kaum glaubhaft, was die da so ablassen an Wortblasen.


Beste Grüße aus dem regnerischen Spanien


RE