Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Pucusana, Panamericana Sur, Peru I

5. Februar 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Lateinamerika

Pucusana-Panorama.jpg

Dienstag, den 28. Januar 2014
Ohne Internet kommt es mir vor wie auf dem Mond. Auch landschaftlich sieht es so aus.


Dabei sind wir nur die Panamericana runter ein paar Meilen und dort, wo die Wüste sich zum Meer ausdehnt, abgebogen und in das Hafenstädtchen gefahren. Eingefasst von grau-braunen sandigen Bergen erinnert die Wüste an eine Mondlandschaft. Das Meer hat hier ein U aus dem Land gefressen, gut geeignet zum Schutz der Boote und zum Fischen. Und neuerdings für Peruaner mit Ferienhäusern. Oder Touristen, die sich Ferienhäuser mieten. Wie wir. 


Wir wohnen auf einer Insel gegenüber dem U. Wir müssen per Boot-Taxi vom Hafen aus übergesetzt werden. In einem Durchbruch strömt das Wasser wie ein Pulsschlag mit Gedonner durch die Grotte.


Dasselbe Haus hatten wir schon einmal 2010 Mitte Januar. Die Aussicht auf Bucht und Stadt ist Nachts phänomenal, tagsüber pittoresk und dahinter, schaut man genauer hin, trostlos. Nur die Fischerboote machen aus der Ferne einen malerischen Eindruck. Diesmal gibt es sogar Wasser aus der Leitung, den Komfort hatten wir vor 34Jahren nicht, wir mussten duschen und Klo spülen mit Salzwasser und Schöpfkelle aus dem kleinen Pool.


Jan und Tati sind mit, auch Frank. Der hatte gestern bei der Herfahrt ein Abenteuer zu bestehen (wir auch). Sein alter VW-Bully ging schon in Lima kaputt. Anschieben mussten wir jedes Mal. Die Lichtmaschine lädt nicht mehr voll, ich weiß, sagte Frank. Und dann riss der Gaszug. Er wusste, wo man so etwas Vorsintflutartiges kriegen kann. Es dauerte bis wir im Standgas da hin kamen. Es gab einen. Und zwei Häuser weiter den Mechaniker. Eine Stunde später waren wir auf der Ausfallstraße. 20 Km später begann die Zündung zu spuken. Die Lichtmaschine lud überhaupt nicht mehr. Ein gelber Engel kam (nicht ADAC! Weil die Straßennutzung Gebühren kostet, ist der Service drin - überlegenswert auch für D) und lud die Batterie an seiner eigenen 15 Min auf. Wir schafften es bis Pucusana-Hafen. Ich kenne einen Mechaniker, sagte der Bootsführer. Doch der hatte anderweitig zu tun. Frank entschloss, die Rückfahrt nach Lima zu riskieren (wenn das rote Licht für Batterie leuchtet, dann geht es noch ein Weile, erst wenn es aufhört wird´s kritisch sagt Frank. Ich kenn das andersrum). Er erwischte kurz vor Feierabend eine offene Werkstatt, fuhr mit dem Bus zurück, musste 3 Mal umsteigen und war kurz vor 10:00 Nachts wieder da. Es gab kein Boots-Shuttle mehr. Einen auslaufenden Fischer hatte er überredet. Wir waren sehr froh, ihn zu sehen. Und haben ihn mit Spaghetti Bolognese liebevoll bemuttert.


Mittwoch, den 29. Januar, Pucusana
Wir lesen. Und Abends kochen wir. Hören Musik. Spielen Skat. Tati kann sowieso nicht weit laufen mit ihrem Kreuzbandriss. Jan und ich fotografieren. Es ist ruhig. Frank muss ab und an mal rüber zum Festland um zu organisieren, irgendwas. Eben ruhig hier. Heute neblig. Die Möwen sitzen neben den Pelikanen auf den Booten in Reih und Glied und warten, dass Futter vorbei kommt. Manchmal machen sie seltsame Geräusche, die Vögel. Wie Kindergeschrei. Ist aber keins. An trüben Tagen bleiben sogar die Kinder weg vom Strand.

Donnertag, den 30. Januar 2014 Pucusana
Die Sonne steht über uns und heizt. Man soll, sagen sie uns, nicht denken, im Winter wäre es auch warm. In Lima sinkt die Temperatur schon mal auf 10 Grad. Und das ohne Heizung. Warum sie die Stadt trotzdem lieben hat sich mir noch nicht in Gänze erschlossen.


Unser Inselchen besteht aus steilen Hügeln. Über den festgepappten Wüstenboden ist feiner Sand  angeweht worden. Der 45 Grad steile Aufstieg ist nicht nur rutschig wie im Schnee, nein, auch noch die Möwen greifen, je höher wir kommen je intensiver an. Ganze Rudel kreisen laut schreiend über uns, stürzen im Steilflug herab, bei manchen kann man das Rote im Auge sehen und den kräftigen Schnabel bewundern. Ich schreie, schlage mit dem T-Shirt um mich, werfe mit Steinen, das juckt die nicht. Sie verteidigen ihre Nester und Eier effektvoll. Da geh ich nicht mehr rauf.


Doch die Aussicht war grandios bis weit nach Norden und Süden die trostlose Wüste entlang, unterbrochen von Buchten an deren Strand das Meer schäumend brach. Am Fuß unseres Inselberges die Ferienhäuser, ineinander verschachtelt und übereinander gestapelt um die geringe  noch begehbare Hangunterseite mit Zugang zur Bucht maximal auszunutzen. Drüben auf der anderen Seite der Bucht die Kästen wie Container, die Wohnungen sind, manche rot, blau, gelb angestrichen um die Tristesse zu übertünchen. Dazwischen größere, hell erscheinende Wohnblöcke, bei denen, kommt man näher, der Putz abbröckelt und die Scheiben blind sind. Keinerlei Grün ist dazwischen sichtbar, alles grau-braune staubige Erde. Wenn Kinder spielen, steigen kleine Staubwolken auf. Nur in den weiter entfernten Feriensiedlungen gibt es pompöse Häuser im arabisch-italienischem Stil (gibts den?) deren Bedienstete mühevoll kleine Areale mit Gras und kleinen Palmen wässern.
Heute Morgen riesige Quallen in der Bucht. Nix mit Schwimmen. Bleibt nur, noch mehr Faulenzen.

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post