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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Pucusana, Panamericana Sur, Peru II

5. Februar 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Lateinamerika

Freitag, den 31. Januar 2014 Pucusana
Die Quallen waren bis zu 1/2 Meter im Durchmesser mit Tentakeln, die sich in der Tiefe verloren. Sie kommen und gehen, sagen die Fischer. Niemand weiß warum. Heute Morgen vorsichtig mit Angst geschwommen doch keine mehr getroffen. Dafür Pelikane. Die sitzen ansonsten neben den Möwen in Reih und Glied auf den Booten und starren mich Schwimmer erwartungsvoll an. Ich bin kein Futter habe ich ihnen zugerufen. Der heute flog vor uns aufs Wasser. Sie sind schnell, die Biester und haben einen Schnabel so lang wie ein Säbel. Gelb, rot und schwarz gestreift sah der heutige nett aus und wollte nichts von uns.


Immer wieder gab es Kriegsgerassel zwischen Chile und Peru. Ein prächtiges Mittel, zu dem führende Politiker gerne griffen, wenn innenpolitische Probleme überhand nahmen. Im Salpeterkrieg Ende des 19. Jhdts hatte sich Chile an seiner nördlichen Grenze ein Teil Perus in Form eines rechtwinkligen Dreiecks einverleibt, dessen langer Schenkel  nördlich an Perus Küste endete. Und in Verlängerung dieses Schenkels auf das Meer hinaus beanspruchte Chile die Seerechte. Peru dagegen vertrat den Standpunkt, die Seegrenze verliefe rechtwinklig. Das hatte, letztendlich wie immer, mehr ökonomische denn staatstragende Gründe. Das Dreieck auf 200 Meilen verlängert ergab eine große zusätzliche Fischereifläche für Chile im fischreichen Humboldtstrom. Den wollten peruanische Fischer für sich und wenn man genau hinschaute, waren es ein handvolle Familien mit großen Fangflotten (und großem politischen Einfluss). 
Diese Woche hat das internationale Seegericht in Den Haag sein Urteil nach 7 Jahren Prozess gesprochen. In beiden Ländern waren die Medien voll dieser Nachrichten, die Präsidenten hatten wichtige Menschen um sich geschart, warteten auf das Urteil. Eine national aufgeheizte Spannung ähnlich der eines Fußballendspiel war geschaffen (das, wie in Honduras auch mal zu einem Krieg mit den Nachbarland führen kann). Es kam Gott sei Dank nicht so weit. Das Urteil war salomonisch und den Interessen beider Länder dienlich. So haben sich beide, der Präsident von Peru und die Präsidentin von Chile zur gleichen Zeit positiv geäußert und wollen sich demnächst auf einer Konferenz treffen und friedlich miteinander konferieren.


Warum ich das erzähle? Es ist eine Nachricht. Eine wichtige. Zumindest für Lateinamerika. Und für uns? Wahrscheinlich nicht der Rede wert. Auch wenn wir jede halbe Stunde mit Nachrichten voll gelabert werden erhalten wir dennoch nur gefilterte.

Sonntag, den 2. Februar 2014 Pucusana
Nicht zu glauben, schon wieder 1 Monat um im neuen Jahr.


Kurz nachdem die Deutschen Frankreich bekriegten, wurde auch im südlichen Amerika ein Konflikt gewalttätig gelöst. Salpeterkrieg wird er genannt (1879-84) und um das Besitzrecht an demselben, dem Salpeter ging es, der hinter der unwirklichen Atacama-Wüste hoch in den Anden abgebaut und mit hohen Gewinnen auch an Deutschland und Frankreich verhökert werden konnte (als Dünger, doch damit wurden auch die Patronen und Granaten geladen). Vorher war die Gegend uninteressant, plötzlich stritten Bolivien, Chile und Peru um sie. Chile gewann Krieg, Wüste und Abbaurecht, beide Kontrahenten grämen sich noch heute. Weniger wegen des Salpeters, der noch immer in 4-5 Tausend Meter Höhe abgebaut wird (ich war in der Nähe, über den 3900 m hohen Pass in Ollagüe fährt die Eisenbahn, die Luft wurde knapp und weit oben an den Hängen der 7000er klebten die gelben Abraumfelder) weit mehr wahrscheinlich wegen des immensen Reichtums an Bodenschätzen in der Wüste, allem voran Kupfer. Mag sein, dass ich deswegen vor Jahren noch in Bolivien an Taxis den Spruch gesehen habe: Antofagasta es y será de Bolivia. Antofagasta ist und wird bolivianisch sein. Doch da ist noch etwas anderes, man erkennt es an den Denkmäler ihrer Helden und in den Geschichtserinnerungen in Peru und Bolivien. Die verwundete Seele ob der krachenden Niederlage wird noch heute gepflegt (der Krieg war in Kürze vorbei, Chile hatte überall gesiegt).


An einem Denkmal in Lima habe ich gefunden: „AD GLORIAM. Am 15 Januar 1881 sind Junge und Alte, Arme und Reiche, Lehrer und Schüler herbeigeeilt um für Peru und seine bedrohte Hauptstadt zu kämpfen. Sie wussten um ihre Unterlegenheit in Zahl und Bewaffnung, ihre improvisierte militärische Vorbereitung und das Fehlen aller Möglichkeiten zu triumphieren aber sie begriffen auch das Opfer, das die Ehre unserer Waffen erfordert und kämpften starrsinnig und ehrenhaft bis zum Tod“. Und dann weist das Schild darauf hin, dass der Heroismus dieser Männer Vorbild seien für zukünftige Generationen „zur Erfüllung der heiligen Verpflichtung, die Fahne und das Vaterland zu verteidigen“. An anderer Stelle steht ein Denkmal mit einem stürmenden Kriegsjüngling darauf. Es ehrt den Heldentot eines 13 Jährigen.


Die jugendlichen Peruaner, die wir kennen, denken Gott sei Dank nicht mehr so. Doch bei jedem Konflikt mit dem Nachbarland wird sie ausgepackt, die geheiligte Fahne des honorigen Vaterlandes. Vor kurzen wegen der Fischereirechte, vor nicht all zu langer Zeit, wer das Recht hat, den Treberschnaps Pisco, den beide Länder als ihr Nationalgetränk ansehen, auch so zu nennen.


Unser Wüsteninselchen heißt „Galapagos“. Mit Ecuador hatte Peru auch mal bewaffnete Konflikte. Aber soweit ich weiß nicht um die Verwendung des Namens der berühmten Inselgruppe.


PS: Erst Dank Hitler haben wir in Deutschland diesem gemeingefährlichen Hurrapatriotismus entsagt. Hoffen wir, dass diese Länder, die ihn noch zu brauchen meinen, nicht unsere grauenvolle Erfahrung machen müssen um ihn aufzugeben.

Panamericana.jpg

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