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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Rechte Augen sehen weniger

2. Juli 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Unsere Welten - unsere Probleme

Montag, den 2. Juli 11:53 Uhr. Kein Hochsommer im Tal, 17 Grad, Himmel grau bedeckt, Nieselregen manchmal. Rio 21 Grad Sonne, Dar es Salaam 27 Grad bewölkt

Warum, so frage ich mich, haben Polizei und Verfassungsdienste unisono woanders nach den Mördern der Ausländer gesucht und die rechte Mord-Clique NSU übersehen? Warum vernichtet der Verfassungsschutz Akten über Erkenntnisse zu dieser Gruppierung, wenn die Wahrheit ans Licht kommt? Warum werden mit Vorliebe linke Gruppierungen (neuerdings auch islamische Extreme) von unseren Verfassungsorganen vorrangig als Feinde gesehen? Warum können Occupy Demonstrationen tagelang fast vollständig verboten werden (wie in FFM kürzlich geschehen) und rechte Aufmärsche kaum? Ist unsere Gesellschaft schon wieder auf dem rechten Auge blind?

Nein, blind ist sie nicht, aber sehgestört. Das Extremismusverständnis unserer Verfassungsorgane ist m.E. eine aufgesetzte Theorie, die Unterschiede zwischen Rechts und Links verschleiern soll. Wie bei einem Hufeisen ist nach dieser Theorie die Mitte der Gesellschaft solide und breit und biegt sich rechts wie links dem Extremismus zu, wobei die Enden sich annähern. Links wie Rechts ist gegen die Verfassung und muss gleich behandelt werden. Um das klar zu stellen: Extremismus finde ich immer schädlich, egal ob links, rechts oder religiös. Doch gibt es Unterschiede.

Ausgeblendet werden bei dieser Sichtweise des Extremismusproblems die inhaltlichen Differenzierungen. 
Rechte Theorien und Denkmuster gehen von einer Ungleichheit der Gesellschaft aus. An der Spitze stehen Arier, die Gegenseite ist Ungeziefer, das notfalls auch zertreten werden kann.
Linkes Gedankengut dagegen ist ausgerichtet auf die gesellschaftliche Ungleichheit, will sie nivellieren, je weiter Links je mehr.

Regelmäßige Untersuchungen (z.B. der Uni Leipzig oder der FES) zeigen, dass rechtes Gedankengut bis weit in die Mitte der Gesellschaft nach wie vor positiv aufgenommen wird. Solange diese inhaltlichen Differenzen nicht mit in die Bewertung einbezogen, in der Gesellschaft diskutiert, in eine positive Haltung zur notwendigen „streitbaren Demokratie“ gewandelt werden, so lange wird Rechtsextremismus in Teilen unserer Gesellschaft salonfähig, näher als linkes Gedankengut bleiben. Eben auch in den Verfassungsschutzorganen. 
(Siehe auch: http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article923876/Rechtes-Gedankengut-kommt-aus-der-Mitte.html; und
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtsextremismus-studie-fanatismus-auf-dem-vormarsch-a-722751.html)

sowie viele andere.

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Katharina vom Tanneneck 07/08/2012 23:54


Kein Problem!  Ich bin im Moment etwas neben der Kapp, würde der Kurpfälzer sagen. Ich forsche nämlich nach
der Ursache, warum unser Land ausgelöscht werden soll und die Bürger unseres Landes für fast ganz Europa bürgen sollen. Um es mal klar zu sagen, gegen die Nazis bin und war ich immer! Allerdings
möchte ich mir jetzt im hohen Alter auch mal ein eigenes Bild von unserer Geschichte machen. Du hast recht, ich bin eher links aber manchmal wohl auch rechts aber nie extrem! Ich möchte einfach
Gerechtigkeit für die Armen, die haben es am Nötigsten. Und ich möchte auch, dass die Superreichen etwas abgeben. 


Ich hoffe, Ihr hattes schöne Tage im Frankenland?!


Liebe Grüße, Katharina

R.Einloft 07/09/2012 12:00



Ist klar. Die alten Schablonen greifen oft nicht mehr. Politisch denkende Menschen lassen sich kaum noch in Parteiprogramme pressen. Geht mir auch so. Extreme Haltungen sind per se für mich
inakzeptabel, da ist die Rechthaberei auf die Spitze getrieben. Bin mal gespannt, was du so raus kriegst.


Beste Grüße aus dem wolkigen Tal, RE
PS: Durch den Wind ist ein jeder mal. Es kann nicht immer Sonntag sein



Katharina vom Tanneneck 07/04/2012 01:33


Was ist links? Was ist rechts? Mittlerweile ist es ein Fehler, sich zum eigenen Volk zu bekennen. Warum sollte ich mich schämen, eine Deutsche zu sein? Ich habe keinem Menschen jemals ein Leid
zugefügt! Na ja, vielleicht jemandem in der Verwandtschaft aber das hat doch mit Extremismus nichts zu tun.


Wir werden von den Politikern alle in eine Ecke gestellt! Ich bin es leid, mich schämen zu müssen, dass ich Deutsche bin! Nur weil da mal ein Österreicher die Deutschen regiert oder unterdrückt
hat? Nein, in meinem Sinne war das nicht! Aber damals habe ich noch nicht einmal gelebt! Warum darf ein Deutscher nicht für sein eigenes Volk sein? Bitte, erkläre mir das mal!


Ich bin viel auf der Welt herum gekommen und hatte nie Probleme, weil ich Deutsche bin. Ich habe die Menschen nicht anders behandelt. Jeder Mensch ist mir recht, der ehrlich und aufrichtig ist.
Da frage ich nicht nach der Nation! 

R.Einloft 07/08/2012 16:26



Entschuldige, Katharina, dass ich erst heute antworte, wir waren ein paar Tage weg.


Du fragst mich, warum ein Deutscher nicht für das eigene Volk sein darf? Das war zwar nicht das Thema meines Beitrages, aber ich gehe gerne auf die Frage ein. Für mich gibt es viele Gründe,
Deutschland gut zu finden. Die großen Mengen friedlich feiernder Menschen mit ihren Fahnen jetzt wieder bei der EM z.B. begeistern mich mit. Schön und vielfältig ist unser Land, sowohl die
Landschaft als auch die Menschen. Und wir haben Frieden im Inneren. Und Rechtssicherheit (ja ja, ich weiß, könnte besser sein, aber da wo ich war, war dies ein hohes Gut was nicht oft erreicht
wurde). Und wir haben keinen Hunger, im Gegenteil, Überfluss. Und, und und.
Nicht gut finde ich die weit verbreitete Grundströmung der Unzufriedenheit, der Rechthaberei und diesen Ordnungs- und Sauberkeitsfimmel. Es fehlt mir die Leichtigkeit des Seins. Zumeist. Ach ja,
und Deutschland wird in der Welt bewundert, weil es wirtschaftlich so erfolgreich ist. Das kann ich mir nicht auf die Fahne schreiben, aber im Wohlstand lebe auch ich gut. Und mir wirds übel,
wenn ich an die Geschichte denke. Nicht nur ein Österreicher war daran schuld, viele kleine und große Nazis sind ihm gefolgt, haben unmenschliches getan im Namen eines unsäglichen Rassebegriffs.
Deshalb meine ich, wir müssen mit dieser Begrifflichkeit heute aufpassen. Damit wir nicht missverstanden werden.


Was ist links, was ist rechts fragst du. So wie du dich um die zu kurz gekommenen in unserer Gesellschaft in deinen Blogbeiträgen kümmerst und ihre Rechte einklagst, müsstest du eigentlich mehr
links als rechts sein. Weil sich um den Ausgleich sozialer Ungerechtheiten kümmern ein typisch linkes Thema ist.


Richtig, als Deutscher wird man im Ausland eher bewundert. Wenn es nicht gerade Mallorca und Ballermann ist.


Gruß aus dem verregneten Tal, RE


 



Josj 07/03/2012 20:09


Nivellieren härt sich im linken Zusammenhang unnötig negativ an. Soziale Ungleichheit soll überwunden werden.

R.Einloft 07/08/2012 16:02



Da stimme ich dir voll zu.  "Soziale Ungleichheit" ist das inhaltliche Problem


Gruß RE



Joachim 07/02/2012 20:55


Hallo RE! Linksextremismus wird in unserer Gesellschaft wohl immer sehr mit Revolution als Gipfel solcher Bewegungen verbunden. Immer noch ein Schreckgespenst aus alten Erfahrungen.
Rechtsextremismus, denke ich, nährt sich aus bürgerlichen Theorien und dem Glanz der Blütezeit menschenverachtender Diktaturen.


Ich wünsche eine angenehme Woche!


Gruß


Joachim

R.Einloft 07/03/2012 11:05



Joachim, du hast es mit wenigen Worten auf den Punkt gebracht. Revolution ist ein Schreckgespenst für den Bürger. All das Durcheinander, keine Ordnung und dann noch die gleichmacherischen
Bestrebungen. Rechts sagt zumindest dem deutschen Bürger, er sei was Besonderes.


Liebe Grüße aus dem sonnigen Tal, RE