Artikel teilen! Reise nach Peru - Sonntag-Mittwoch, 13.1.2010 Pucusana: Eine Stunde gen Süden von Lima aus liegt das kleine Fischerdorf mit der vorgelagerte ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
Hier gehts zurück zum Anfang: -------------->Erste
Seite
Eine Stunde gen Süden von Lima aus liegt das kleine Fischerdorf mit der
vorgelagerten Wüsteninsel, getrennt vom Festland durch einen schmalen Kanal. Wie ein Halbmond umschließen Insel und Strand die Bucht, macht sie zu einem natürlichen Hafen. Frank hat einen der
Bungalows am Hang gemietet (weil es ihm so gefallen hat per Handzettel von Haus zu Haus gesucht). Der Blick auf den kleinen Privatstrandes, das Dorf, die Wüste auf der anderen Seite des Hafens
ist schön, besonders Nachts. Hier soll wohl Klein Saint Tropez a la Peruana der Reichen entstehen, doch nicht der Schönen. Viel Geld in hübschen
Häuschen rund um die Bucht und auf der Insel, doch allenfalls jugendliche Frauen sind schön, später neigen auch sie zu quadratischen Formen. In den Hang der Wüstenberge hinein gebaut die
Bungalows, übereinander geschachtelt manche, darüber grau-braune Hügel, mit Sand bedeckt, zum Meer hin Kolonien von Vögeln auf Felsen voll weißem Guano. Im Hafen ein Gewimmel von Fischer- und
Motorbooten, dazwischen die Taxis zur Insel, feste Ruderkähne mit kleinem Motor für Rundfahrten. Große Fische werden am Hafen in Lastwagen für die Stadt verladen, unbeeinflusst staksen Pelikane
und Möwen zwischendrin herum und holen sich Abfälle.
Unser Haus hat alle modernen Annehmlichkeiten, Küche, Wohnzimmer, drei Schlafzimmer, Bäder, große Fensterfront zum Hafen. Doch im Fernsehen gibt es nur ein verwaschenes Lokalprogramm, die Küchengeräte sind zumeist aus chinesischem Plastik und Wasser fehlt. Vor einigen Tagen ist die Leitung zum Dorf geplatzt, jetzt kommt Wasser per Tanklastwagen an, nur nicht auf die Insel. Im kleinen Swimmingpool ein Rest gechlorter Brühe, mit Eimern verteilen wir es auf die Bäder, duschen mit Schöpflöffeln, schütten es nur in die Toilette wenn nötig. Trinkwasser kriegen wir in 10 Liter Flaschen, damit wird das mit heißer Brühe vorgespülte Geschirr leicht nachgewaschen. Wir kennen Wasserknappheit aus Afrika, können damit umgehen, bringen es den Kindern bei. M hat Tati heute sogar ihre Löwenmähne mit Chlorwasser gewaschen und einem Becher Trinkwasser nachgespült. Riech mal, wie frisch es duftet, sagt sie stolz. Interessant, wie wenig Wasser man verbraucht wenn nicht vorhanden. Gerade sind sie zum Angeln gegangen. Vielleicht gibt es Fisch heute Abend.
Nein, Bratkartoffeln gabs, die guten von M, sie haben einzig eine Qualle und einen Stiefel geangelt.
Unterm Bett eine Kakerlake so groß wie eine kleine Maus. Ich mag
sie nicht, diese Viecher, auch wenn sie die reinsten Überlebenskünstler sind aus einer Zeit lange vor den Menschen. Und unsere Gattung leicht überleben wird. Eklig, sie zu
erschlagen.
Noch immer todmüde abends um 10.00, die Kinder müssen sich allein vergnügen.
Ach, die Enkel! Unsere reinste Freude sind sie, was haben wir für ein Glück. Mein Herz geht auf, wenn ich an sie denke und M kriegt feuchte Augen. Nee, sagt sie, aber ich sehs doch. Frank ist
nach dem Wochenende mit Cecilia für 2 Tage nach Lima gefahren, wir haben unsere Freude ganz allein. Sie helfen beim Kochen, machen sauber, holen Wasser, wir fahren mit dem Boot-Taxi ins Dorf zum
Einkaufen, sie fragen uns aus, wollen Geschichten hören aus der Vergangenheit, heut hat Omi uns erzählt, wie du ihr den Heiratsantrag gemacht hast, sagt Tati mit leuchtenden Augen. Und lernen
Skat, wollen gar nicht mehr aufhören, spielen schon wie kleine Meister und freuen sich.
Von draußen weht krächzend die überdrehte Musik eines falsch eingestellten Radios herein, Cumbia, Merenge, ein Schmalzsänger, banale Reklame, unverständliche Nachrichten, laut die Bucht
beschallend. Niemand
stört es. Südamerika, sagt M.