Sunday, 17. january 2010
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18:26
12.1. (M erzählt) Ich sitze im Bett und sehe auf den Hafen unter mir und die
Hunderte Seevögel. Pelikane fliegen in Formation, Luftlinie etwa 10 m am Fenster vorbei, Unmengen von kleinen und großen Möwen, weiß, grau, schwarz sitzen oder kreisen oder stürzen sich ins Wasser,
schreien, keckern, zetern. Ganz nah auf der Rückseite unserer Insel sind Vogelfelsen, auf denen sie sich alle sammeln und brüten.
Jetzt steigt mir kräftiger Kaffeeduft in die Nase - wie schön! R war schon im Meer schwimmen und bringt mir jetzt gleich meinen Cappuccino.
Tati und Jan sind gut gelaunt, machen alles mit, helfen und essen mit Begeisterung was wir kochen.
13.1. Gestern war ein Seelöwe im Hafen. Da freuen sich alle. Unsere Insel mit den schönen Häusern ist so ganz anders, als wir es von LA gewöhnt sind - man lässt unbesorgt die Haustür aufstehen, man
lässt die Kinder bis tief in die Nacht draußen ohne sich Sorgen zu machen und es liegt kein Abfall rum. Klar, die Zugänge sind kontrolliert durch den Fährdienst, es gibt überall Personal, das für
Ordnung sorgt und die Bewohner passen auch auf, es ist schließlich ihr Ambiente, das sie sich geschaffen haben.
Wasser gibts noch immer keins. (OK, im Meer ist genug, aber wenig verwendbar). Es ist eine Menge Geschirr, was sich über den Tag hinweg ansammelt, besonders, wenn man zusätzlich die Bohnen
anbrennen lässt, aber R kümmert sich darum und die Kinder helfen bereitwillig.
Jan kennt sich im Haushalt aus, weiß, wie ein Reiskocher funktioniert und hatte eine Idee, wie wir Pisco sour ohne Mixer zubereiten können, Und Tati macht sauber, legt eine
schöne Tischdecke auf und redet...die beiden sind so lieb und unkompliziert. Wir können uns richtig intensiv mit ihnen unterhalten. Und sie spielen schon gut und gerne Skat. (Bis 10.00 Uhr Abends,
dann sind wir müde und sie gehen zu ihren Freunden).
(R) Angeln ist ihr neuer Sport. Gestern haben sie ein halbes Dutzend Fische gefangen in 1/2 Std.
M
sagt, sie haben zu viele Gräten und so wurden die armen, dem Tode geweihten Tierchen wieder in die Freiheit entlassen. Dafür haben wir Steaks gegrillt.
Heute haben wir es geschafft, einen Internetzugang zu ergattern. Da sitzen Tisch um Tisch Indio-Fischerjungen, Rucksack auf dem Rücken, Schultasche neben sich und spielen versunken Counterstrike.
Ich würde das verbieten. Da wird geschossen was das Zeug hält, Blut spritzt, der Held wandert ohne Gefühlsregung über zerschossene, überfahrene, zermalmte Leichen. Morden macht Spaß, zeitigt keine
Konsequenzen, ist nur ein Spiel. Die Hemmschwelle, den Abzug einer Waffe durchzudrücken, wird herabgesetzt, der Aggressionsabbau hat keine reale Folgen.
Nicht zu glauben, dass wir in einem Entwicklungsland und in der Wüste sind, das Internet ist schnell wie der Blitz. Neid kommt auf, wenn ich an das unterentwickelte Hommertshausen denke.
Frank überlegt, hierher zu ziehen. Als zu, dann kommen wir öfters.
Nachrichten kommen nur noch rudimentär an. In Haiti ein schlimmes Erdbeben. Tati erzählt, wie sie Jan vom PC wegziehen muss, wenn es wackelt. Sie kennen das. Ein unheimliches Gefühl, genau über
einer Bruchkante zweier Platten, die sich ineinander verkeilen, zu leben. Da unten tut sich dauernd was und wir wissen nicht, was.
Heute Abend hab ich die Ameisen im Zucker mit einer neuen Ladung zugeschüttet. Es hat nicht lange gedauert, da waren sie wieder an der Oberfläche und haben süße Körnchen gesammelt für ihre
Gemeinschaft. Sie sind hier ganz klein, meine Lieblinge, können nicht viel aufräumen, wimmeln aber aufgeregt herum und freuen sich über Reste vom Essen.
Ich liebe Ceviche, dieses Gericht aus rohen, sauer eingelegten Fischstückchen mit Zwiebeln. In Ecuador kam Baumtomate zur Marinade, öfters waren
es auch eingelegte Krabben, von M favorisiert. Ceviche gibt es an der ganzen Westküste von Chile bis Kolumbien. Der Versuch, damit zu angeln ging schief. Die Fische standen nicht auf ihren sauren
Artgenossen.
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