Thursday, 7. january 2010
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23:50
Gleich das Gesicht verbrannt. Frank hat uns im Señorial, dem Hotel "Herrenhaus" untergebracht, nicht weit vom Meer entfernt.
Ungemein faszinierend, der Uferabbruch. 80, 100 m geht es am Ende von Lima steil abwärts zum Pazifik, eine mächtige Wand aus Tuffgestein, versetzt mit dickeren Steinrocken.
Hier unterhalb, tief in der Erde, schiebt sich die pazifische Nasca Platte unter die südamerikanische Festlandsplatte, hebt das Land, hat die Anden herausgepresst und sicherlich auch diesen
Steilhang.
Als Darwin auf seiner Weltreise hier vorbeikam, waren gleich 3 Vulkane aktiv und 1 Erdbeben plus Seebeben erschütterte die Westseite des Kontinents.
Erdbeben haben wir selbst in Ecuador und Kolumbien erlebt.
Und im Hotel
sind überall Schilder, die sichere Zonen bei Erdstößen ausweisen. Nun ja, was dann so sicher zu nennen ist. Faszinierend finde ich diese sichtbaren Veränderungen der Erdoberfläche, auch wenn wir
sie nur indirekt ablesen können. Würde man mit einem Zeitraffer jede 1000 Jahre Aufnahmen machen und diesen Film abspielen, könnten wir sehen, wie die Erdoberfläche ständig in Bewegung ist, sich
hebt, senkt, verändert. Und das nicht nur im kleinen Maßstab, ein paar 100 m rauf und runter sind da nix. Bei den Gebirgen sind es sogar tausende von Metern. Unser fester Boden schwankt dahin.
Schön ist es mit Frank und den Enkeln. Tati ist fast schon eine junge Dame mit unendlich
langen Beinen, Wasserfallhaaren und einer Intelligenzbrille. Sie ist noch schneller als ihr Vater im Sprechen und in ihrer Auffassungsgabe. Jan ist zu einem großen,
liebenswerten Lausbuben geworden. Wir sind gerne mit ihnen zusammen.
Die lässige Langsamkeit der Fußgänger (außer wenn sie die Straße als Freiwild überqueren) müssen wir wieder lernen. Zielstrebiges Hetzen von Ort A nach Ort B kennzeichnet den Touristen aus den
Wohlstandsländern. In der Tat liegt einer der Gründe des Reichtums in unseren Industriegesellschaften im rastlosen Streben. Wie angenehm die Ruhe der Menschen dagegen. Gewöhnungsbedürftig das
Gewiesel und Gehupe des Straßenverkehrs, sich kaum nach Regeln, mehr nach Gefühl und Frechheit richtend.
Heute wollten wir ins Kolonialmuseum in der historischen Altstadt. Was für ein Zerfall, die alten Häuser stürzen manchmal regelrecht in sich zusammen, immer noch von Menschen bewohnt.
Der recht bunten Favela auf dem Hügel hat von einem Bürgermeister Farbe
erhalten, damit sie nicht so triste aussieht. Nach endlosen Suchen die alte Abtei gefunden, aber leider, leider gab es schon lange kein Museum mehr. In der Tourismuskarte war es dick und breit
eingezeichnet. Im Museo Arqueológico glänzten die Enkel mit ihrem Wissen über die peruanische Vergangenheit vor den Spaniern. In der Tat, es gibt auch hier ein Leben vor den Europäern.
Heute Abend bringen wir den Kindern weiterhin Skat bei. Auch Cecilia kann schon 18, 20, 2 und Null. Wir spielen zu sechst, paarweise. Eine neue Art von Skat. Familiengerechter.
Taxifahren muss gelernt sein. Reihenweise hupen Taxistas einen an, es gibt sie wie Sand am Meer. Der kleinste Fingerzeig genügt, sie halten mitten auf der
Straße, eine Schlange wild hupender Fahrzeuge hinter sich lassend. Noch außen stehend nennt man das Fahrziel, fragt, was es kostet. Für uns natürlich das Doppelte vom Normalen und das auch noch in
Dollars. Dann wird gehandelt, unwillig fährt der Taxista ein wenig zur Seite, hinter ihm droht Rache und erst wenn man hart bleibt, kann man ihn auf die Hälfte des Ursprungspreises reduzieren,
immer noch mehr als für Einheimische, läppisch im Vergleich zu unseren Preisen. Wie können die überleben? Einige einzig, in dem das Auto nie mehr gewartet wurde seit der Anschaffung. Man sitzt dann
auf Stahlfedern.
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