Monday, 18. january 2010
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18:31
Das Wasser aus der Leitung ist zurück. Bin ein wenig traurig, war stolz auf unsere Genügsamkeit. Ist natürlich schön, wenn der beißende Uringeruch nachlässt. Die 3
Klos kräftig gespült, sagt M, es ist ein eigenartig auffallendes Geräusch, die Spülung zu hören. Wir werden uns schnell daran gewöhnen, Komfort ist einfach. Später: So ganz ausgereift scheint die
Herrlichkeit noch nicht. Die Pumpe liebt es, ihren Geist aufzugeben, muss mit Vorsicht behandelt werden. Noch später: die Herrlichkeit ist vorbei, wir holen wieder Wasser aus dem Pool.
Heut war es das 1. Mal sehr heiß, die Sonne hat gebrannt, daran erinnernd, dass wir nicht weit vom Äquator sind. Schön, in der Abendbriese nackt auf dem
Bett zu liegen, vom angenehmen, sich abkühlenden Windhauch umspielt.
Frank sagt, ich hab eine Überraschung und führt uns ins Dorf. Er hatte ein Lokal ausfindig gemacht mit Pay-TV Sportsender und der Direktübertragung Bayern München gegen Hoffenheim, das erste
Freitagsspiel nach der Winterpause. Leider haben die Bayern gewonnen. Modernste Technologie findet man hier in einfachsten Hütten.
Der Apparat hängt schräg an der Wand, Kabelsalat um sich rum, das Lokal ist ein Bude mit Sperrholztischen und Plastikstühlen, die Bilder an den Wänden hängen schief, aber ein
amerikanischer Sportkanal sendet Deutsche Bundesliga. Besonders krass die Internetbruchbude. Ein dunkles Loch in der Wand der Eingang, dahinter eng gedrängt PCs, Bildschirme auf wackeligen
Gestellen, Tastaturen, Wände, Boden, alles schwarz-grau schmuddelig, doch zumeist funktionieren die Apparate mit hoher Geschwindigkeit. Nichts hier ist perfekt, strahlend sauber, wie neu
restauriert. Eher das Gegenteil. Alles ein wenig schmuddelig, vom Zerfall bedroht, für nicht wichtig erachtet, daran zu arbeiten. Funktioniert es einigermaßen, ist es gut. Dafür gewinnt man Zeit
für andere Dinge.
Morgens schwimme ich an den Booten entlang, darauf eng gedrängt kackernde, kreischende, ruhende Vögel. Die schönsten sind grau-schwarze Möwen mit dunkerotem Schnabel, gelben Mundwinkeln aus denen
an jeder Seite eine einzelne, weiße Feder sprießt, die im eleganten Schwung bis zum Hals reicht und sich beim Windstoß leicht bläht. Das Wasser ist angenehm kalt, der Humboldtstrom bringt Wasser
aus der Antarktis, ist Lebensraum für einen großen Fischreichtum. Es ist Wochenende, langsam füllt sich der Strand mit Leuten, ein alter Mann geht auf und ab, hebt ab und an seine Arme, ein
Kindermädchen führt ihren Knaben aus, Hausmädchen kehren, der erste Eisverkäufer mit seiner Kiste über der Schulter stapft durch den Sand, Kinder schauen halb verschlafen auf das Wasser, die Vögel
verziehen sich langsam, von drüben weht Cumbia-Musik herüber, irgendwann beginnt der Tanz. Weil Wochenende ist.
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