Tuesday, 26. january 2010
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(Bild aus Wikipedia weils so schön ist)
(M) In der Hast des Aufbruchs haben wir in Cusco das Ladegerät für die Kamera vergessen, also wird es keine Fotos mit uns vor den Inca-Ruinen geben. Ich glaube, es gibt auf der Welt genug Fotos von
Machu Picchu und wahrscheinlich bessere, als wir machen können.
Am Morgen gießt es wie aus Kübeln, wir schleichen in unseren Plastik-Ponchos Marke Müllsack unter den vorstehenden Dächern zur Bushaltestelle und werden durch dichten triefenden Nebelwald
über steile Serpentinen die Granitfelsen hinauf transportiert. Am Eingangsbereich zum Nationalpark Machu Picchu geht es zu wie am Eröffnungstag des Christkindlesmarkts - ein Chaos, bis Hunderte
ihre Führer gefunden haben.
Irgendwann haben wir genügend Platz in diesem weitläufigen Gelände um uns im Halbkreis um Jose zu versammeln und seine Erläuterungen zu hören. Es gab dort oben drei Bereiche: den der Wohnhäuser,
den, der für die religiösen Kulte vorgesehen war mit dem Observatorium zur Berechnung der Jahreszeiten und den der Landwirtschaft. Aufgrund von Berechnungen schätzt man heute, dass die Stadt bis zu
1000 Menschen beherbergen konnte. Sehr gut erhaltene Terrassen verhinderten, dass das viele Wasser sofort abfloss und der Boden erodierte, kleine feste Steinhäusern dienten als Kornspeicher. Die
Dächer der Häuser waren wegen des vielen Regens sehr steil. Im Zentrum ein Platz, der dem heiligen Kondor geweiht war. Zwei große Granitblöcke schräg aufragend, die aussehen wie Flügel, einen Kopf
mit Schnabel haben sie dazu gefügt und an den Flügeln waren Nischen, in denen die Toten in Embryohaltung bestattet wurden. Der Kondor, so der Glaube, trug die Toten ins Jenseits.
Das gesamte Gelände ist harmonisch in die Natur eingefügt, perfekt gestaltet, die Übergänge zwischen natürlichen Granitfelsen und von Menschen errichteten Häusern kaum sichtbar und die Vegetation
grün und urwüchsig, dazu der Zauber der herben Landschaft - für mich ein magischer Ort. Alles ist im Gedächtnis eingegraben, wir hatten Zeit dazu, denn wir mussten keine Fotos machen.
Ich habe immer gedacht, dieses Machu Picchu sei zu touristisch, ich könnte eigentlich darauf verzichten, es zu sehen, aber es ist gewaltig, es haut dich um. Ein Glück, dass es den Spaniern nicht
gelungen ist, dieses einzigartige Kulturdenkmal der Menschheit zu zerstören.
Gegen 14 Uhr fuhren wir mit dem Luxuszug durch die steilen grünen Schluchten bis zur Station oben auf 3200 m Höhe, wo uns unser Fahrer durch zauberhafte fruchtbare Hochebenen nach Cusco brachte. Es
war ein wunderbarer Tag und jetzt habe ich Kopfschmerzen und mir ist kalt, alles ist feucht.
(R: jetzt kommt mein Senf dazu)
In all den Jahren in Lateinamerika, bei all den Besuchen von Peru dachte ich immer, auf Machu Picchu kannst du verzichten, zu den 2500 - 3000 Personen die täglich da durchgezwängt werden, musst du
nicht gehören, die Ruinen sind verkommen zur meist besuchten Sehenswürdigkeit in Südamerika, zur fabulösen Einnahmequelle Perus, die so 2 Mio € im Monat bringen kann. Die Kinder mitnehmen war ein
Argument, auch reizte es mich trotzdem, die Stadt über den Wolken zu sehen. Und dann zogen sich Menschenschlangen die engen Steige der Stadt hoch und dann waren wir mitten drin im Pulk, folgten der
gelben Fahne des Führers und dann standen wir auf der Anhöhe über der Stadt und dann waren wir sprachlos. Es ist etwas Besonderes an diesem Ort.
Zweistöckige Häuser, Sonnenobservatorium, Terrassen in schwindelnder Höhe, tief unten der Fluss, ein Steinbruch mit tonnenschweren Blöcken, Kanäle mit fließendem Wasser, das heilige Viertel, der
Wohnort - all das eingebettet in ein grandioses Bergpanorama, bewachsen mit Regenwald, Formen wie Zuckerhüte, von Nebel umwabert, Teil der Natur, aus ihr gewachsen, in sie eingebettet.
Nach letzten Erkenntnissen, so der Führer, war Machu Picchu nur eine Stadt der Incas, bewohnt zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert, verlassen, kann sein, wegen des letzten Aufstandes des letzten
Incas gegen die Spanier. Es gibt mehrere Definitionen zum Zweck dieser Siedlung hoch oben auf dem Berg. Ich neige der zu die sagt, sie sei eine heilige Städte gewesen.
Die Batterie der Kamera war leer, das Ladegerät in Cusco, wir mussten all die vielfältigen Eindrücke nach traditioneller Art im Gedächtnis speichern. Mehr Zeit als die Fotografierer hatten wir.
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