Friday, 29. january 2010 5 29 /01 /Jan. /2010 17:01
Ich bin baff. Dachte immer, die Incas hätten eine lange Zeit die Geschichte Lateinamerikas geprägt. Pustekuchen. Das ganze, große Incareich hat gerade mal so 60 Jahre gewährt.

Alles zerstören, was zu zerstören ist, alles verbrennen, was zu verbrennen ist und alle umbringen, die dem Inca-Glauben anhängen, hatte der spanische Vice-König in Lima angeordnet. Nichts sollte bleiben von der fremden Kultur, alles spanisch werden. Doch so sehr sie sich anstrengten, sie schafften es nicht, alle Paläste, Tempel und heilige Anlagen mit den tonnenschweren Steinen zu schleifen, passgenau und erdbebensicher von der Inca-Architektur geschaffen.Cusco mit Jan&Tati - 61 Bis heute bewundern wir die Mauern, auf denen die spanischen Eroberer ihre Kirchen und Herrschaftshäuser errichtet hatten, schon mehrfach von Erdbeben zerstört und neu erbaut. Nur die Mauern der Incas blieben ungerührt stehen. Sie schafften es nicht, die Spanier, Cusco, den "Nabel der Welt" (so die Übersetzung) aus der Tradition der Indios zu verbannen, sie schafften es nicht, ihre Sprache Quetchua zu eliminieren, bis heute mündlich weiter gegeben, erst letztes Jahr als Schulsprache anerkannt, sie schafften es nicht, den Sonnenkult aus dem Glauben zu verbannen, sogar die Katholische Kirche musste klein beigeben, ihn integrieren in ihre christlichen Zeremonien.

Einzigartig dieses kleine Völkchen. Manco Capac, so die Sage, hat der Sonnengott Inti als seinen Vertreter, den Inca, auf die Erde geschickt um Kultur und Erleuchtung unter die Menschen zu bringen. Und der habe sein Volk im 12. Jhdt. vom Titicacasee kommend im fruchtbaren Hochtal um Cusco angesiedelt, erzählt die Sage. Nur 14 Incas als Vertreter des Sonnengottes gab es. Bis zum 8. weiß man einzig, dass das Völkchen klein und ziemlich friedlich im Hochtal neben anderen vor-incaischen Völkern siedelte. Erst ab dem 9. Inca Patchacutec Yupanqui gibt es Überlieferungen, den der begann zu expandieren. Das war 1439. Sein Sohn, Túpac Yupanqui übernahm die Herrschaft als 10. Inca 1471 und unter seiner Führung errang das Reich die größte Ausdehnung, wurden Völker unterworfen und integriert bis hinauf in den Norden Ecuadors und hinunter unterhalb von Santiago in Chile und hinüber nach Argentinien. Das machte er sehr geschickt, hohe Würdenträger der unterlegenen Stämme wurden nach Cusco zum Mitregieren berufen, Künstler und Wissenschaftler bevorzugt behandelt. Einzig Alexander der Große fällt mir ein, der ähnlich in einer Generation solch eine Expansion bewerkstelligte in Kriegszügen mit einem schlagkräftigen Heer. Die Römer brauchten dazu Generationen von Kaisern.

Huayna Capac, der 11. Inca, war der letzte Herrscher über das ungeteilte Reich. Kurz vor seinem Tod 1525 teilte er sein Herrschaftsgebiet zwischen seinen Söhnen Atahualpa und Huascar auf. Atahualpa erhielt die nördliche Region, Huáscar als legitimer 12. Inca den südlichen Teil mit Cuzco als Regierungssitz. Die beiden Brüder hatten nichts anderes zu tun als sich nach dem Tod des Vaters umgehend zu bekriegen um der Alleinherrschaft willen. Atahualpa gewann, ließ seinen Halbbruder hinrichten und dessen Oberschicht töten, hatte aber nicht mehr viel davon.

Genau in dieser Zeit der Schwäche erschien Pizarro auf dem Plan, als wenn er´s gerochen hätte. Das war 1532. Was hätte seine kleine Streitmacht von knapp 200 Mann trotz Pferden, Rüstung und moderner Waffen ausrichten können gegen ein Inca-Heer von 200 000 Mann in Zeiten der Stärke? Hinzu kam, Atahualpa unterschätzte Pizarro völlig, empfing ihn freundschaftlich, wurde in eine Falle gelockt, gefangen genommen und noch immer gab er keinen Befehl an sein großes, vor dem Tor lagernde Heer, die Absolutheitsherrschaft rächte sich, seine Generäle wagten nicht einzugreifen, ohne Befehl durfte kein Krieger handeln, das hätte stande pede zu seiner Hinrichtung geführt. Atahualpa versuchte stattdessen sich Cusco mit Jan&Tati - 47frei zu kaufen mit einem Raum voller Gold (so hoch mein Arm reicht) und 2 weiteren Räumen voller Silber. Alle Tempel, bis dahin außen und innen mit Gold behangen, wurden ihres Schmuckes beraubt, die Artefakte eingeschmolzen (es soll Wochen gedauert haben), Atahualpa lieferte und wurde trotzdem hingerichtet. Die Spanier übernahmen die Macht. Zwei Incas noch, der 13. und 14. haben gegen die Spanier gekämpft, beide hätten um ein Haar gewonnen, Pizarro mit seiner Chuzpe hat jedes Mal im letzten Moment mit irgend einem ausgefallenen Trick gesiegt, beide wurden hingerichtet auf dem großen Platz in Cusco, der heute Plaza de Armas, Platz der Waffen heißt. Pizarro hatte genug von den lästigen Incas, verlegte seinen Regierungssitz nach Lima und alle spanischen Vice-Könige versuchten von dort, die Incas vom Erdboden verschwinden zu lassen. Es gelang ihnen nicht, siehe oben.

Erst die Erhebung der neuen Oberschicht in den Kolonien hat die Spanier vertrieben, in Peru war das 1823. Das große Inca-Reich war in neue Länder aufgeteilt, sie hießen nun Ecuador, Kolumbien, Peru, Chile, Argentinien. In den Städten, bei der Oberschicht war es modern geworden, die spanische und europäische Kultur nachzuahmen, nur die Quetchua blieben was sie waren dort oben im Hochland: die wahren Nachfolger eines einst großen Völkchens.

Gold hatten sie gesucht, die spanischen Abenteurer, in wilder Verblendung unmenschliche Massaker verursacht, ganze Völker ausgerottet, es gefunden als sakrales Metall bei den Incas, Azteken, Mayas in Süd- und Mittelamerika. Die kriegten gar nicht mit, warum die Spanier so scharf drauf waren, konnten deren Gier nicht adäquat abwehren. Viel genutzt hat es den Spaniern auf die Dauer nicht, das verfluchte Gold. Sie klauten was sie konnten und gaben es aus für Luxusgüter, vorrangig in England, das mit dem Edelmetall seine industrielle Revolution finanzierte, vermehrt Güter herstellte. Als alles Gold und Silber nach England gewandert war, die Kolonien sich selbständig machten, versank das Zentrum der Weltmacht in Armut. Sie hatten vergessen, dass selber herstellen letztendlich satter macht. Erst im 20. Jhdt. lernten sie es, die Spanier, nicht von Raub und Plünderung, von Macht und Dominanz zu leben. Nur die Katholische Kirche der Spanier hat in Lateinamerika die Kolonialzeit überlebt, sie, die es verstanden hat, durch Anpassung und Integration zu herrschen. Der Inca-Glaube lebt in und mit ihr weiter.

M sagt, so hoch war die Kultur nicht, in der Zeit, als die Incas Steine aufeinander stapelten entstanden in Europa gotische Kathedralen. Da ist was dran. Zugegeben, es waren große Steine bei den Incas.  Auch hatten die ein ausgefeiltes System mit Läufern, brachten Nachrichten in kürzester Zeit in alle Ecken und Enden (heute braucht man auf dem Inca-Trail 4 Tage bis Machu Picchu, die Läuferstaffeln brauchten dafür 5 Std.). Sie kannten die Sterne, berechneten exakt Jahreszeiten, operierten am offenen Schädel, ausgefeilt war ihre Landwirtschaft mit terrassiertem Anbau, Mais, Tomaten und Kartoffeln, Quinua und anderes haben wir von ihnen. Sie opferten aber auch Kinder und Frauen bei Katastrophen, waren abhängig von strengen Göttern, lebten in einem hierarchischen, Gehorsam fordernden Kastensystem, wer nicht parierte, kam in die Schlangengrube. Ja doch, sie hatten schon nachhaltige Waldnutzung, wer einen Baum fällte musste 3 neue pflanzen, erst die Spanier und nach ihnen die neuen nationalen Herrscher haben das von Wald bedeckte Hochland radikal gerodet. Doch letztendlich verloren die Incas alles an eine Handvoll Haudegen. Denen hab ich es nie gegönnt. 
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