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Freitag, 23. oktober 2009 5 23 /10 /2009 10:04

Impressionen RE 11.10.

Amalfi-Küste, schon schön, sie sagen, eine der schönsten der Welt. Für uns: 50 Km rauf, runter, S-Kurven, Haarnadel, Busse hupend, rasende Römer überholen, auch da, wo es nicht geht aber dann doch geht, Regen, wieder alles nass, wieder alles getrocknet am Körper als später die Sonne herauskommt. Meine Bremsen sind schlecht bei Regen, muss langsam die steilen Strecken runter. Steil in die Felsen gehauen die Straße, tief hinab, manchmal senkrecht geht es zum Meer, Bucht an Bucht, Häuser, Dörfer wie Vogelnester an die Felsen geschmiegt und wenn die Sonne heraus kommt schimmert das Meer perlmutt bis Capri. Sie ist wild, romantisch bis kitschig, diese Küste, kein Wunder dass Liebesfilme hier gedreht wurden. Im offenen Auto mit wehendem Schal durch die Kurven, das hat was. Was? M erzählt, eine Schauspielerin hätte sich dabei mal stranguliert, beim wehenden Schal fahren.  Amalfi, die Stadt, voll gerammelt mit Touristen trotz Regen. Der Dom zwischen Felsen geklemmt, fast 100 Stufen rauf, mit Tür und Glockenturm aus Konstantinopel, eine Perle an romanisch-arabischer Bauart mit echten griechischen Säulen.




Die sehen wir dann noch massenweise in Paestum, der größten griechischen Tempelanlage außerhalb Griechenlands mit 3 riesigen Tempeln, sehr alt und einem römischen Stadtkern mit Stadion, das aber nur halb. Die andere Hälfte wurde beim Straßenbau zugeschüttet. Goethe war auch hier, hat sie gelobt, die Kultur. Unser Führer erklärt 2 Japanerinnen in ihrer Sprache die  Tempel, da schiebt der Bayer sein Gesicht dazwischen und erklärt todernst: oids Glump. Später ist er der Einzige, der sich den Führer kauft.

Im Bus. Max bietet Getränke an, will keiner mehr ein Bier? Ach kommt, zwische Lever und Milz basst immer noch e Bils.

Tagebuch M

11.10. Es war ein wunderbarer Tag. Als wir in Sorrentunsere Fahrräder ausluden, braute sich gerade wieder ein Wolkenguss zusammen und wir fuhren bergauf und bergab im strömenden Regen. Die Steigungen waren gut zu schaffen und hinter jeder Biegung tat sich ein neuer wild-romantischer Blick auf. Kleine und größere Orte, an die Steilküste geklebt, Pinien, Zypressen, Zitronen- und Olivenbäume dazwischen – ich konnte mir trotz der tief hängenden Regenwolken gut vorstellen, wie schön es bei blauem Himmel ist, wenn die bunten Häuser leuchten und das Meer funkelt und glitzert. Ich war zwar wieder eine der Letzten, aber ich fuhr meine Geschwindigkeit und fühlte mich so gut dabei, dass ich laut sang, wenn keiner in der Nähe war. Amalfi ist ein überlaufener Ort mit einem schönen Dom und ein paar netten Gässchen mit Unmengen von Souvenirläden. Als wir Espresso getrunken und den Dom angesehen hatten, kam die Sonne zum Vorschein. Die Weiterfahrt bis Salerno war angenehm und da die Anderen ständig anhielten um zu fotografieren, kam ich gut mit.

Ab Salerno fuhren wir mit dem Bus nach Paestum und sahen uns die beeindruckenden Tempelanlagen der Griechen an. Es war eine zauberhafte friedliche Stimmung auf dem Gelände: ein Brautpaar ließ sich vor einem Tempel in allerlei möglichen und unmöglichen Stellungen fotografieren, die golden strahlenden Tempel in der schräg stehenden Sonne und die dunkelgrüne Vegetation, erläutert von unserem Fremdenführer Daniele.

Spätabends: ich mit meinen verflixten Vorurteilen! Am Anfang dachte ich, alle seien unsportlich, bis sie mich bei der ersten Radtour eines Besseren belehrten. Dann dachte ich, sie seien mehr oder weniger einfach gestrickt, weil die meisten so stark schwäbeln, ein paar Andere sprechen Bayrisch. Aber immer, wenn ich mich länger mit jemandem unterhalte, ist er/sie interessant und nett. Das war gestern mit Dietlinde so, einer reiselustigen Witwe in meinem Alter und heute mit Eckhard, der sich bisher als „Alleinunterhalter“ präsentierte und Gisela, seiner Frau. Die beiden sind Anästhesistin und Apotheker, sind interessiert, fragen nach, haben differenzierte Ansichten und wissen viel. Er ist dieses Jahr schon 14 000 Kilometer gefahren, von Athen nach Schanghai. Es war ein schöner Abend.


Impressionen RE

Zuerst ist da eine amorphe Masse, 29 zusammengewürfelte Leute, langsam dann entfalten sich einzelne Charaktere zu den unterschiedlichsten Typen. Mann muss nur fragen.

Das hätte ich ihr nicht zugetraut, der pausbäckigen Dame mit afrikanischer Statur. Sie erzählt von ihren Radtouren durch Estland, Lettland, Litauen, um Irland herum, die Donau hinunter, zumeist allein. Radfahren, erzählt sie, ist ihr Lebensinhalt seit ihr Mann vor 18 Jahren verstorben ist. Da ist Erwin, fast 80, nach vorne geneigt kommt er daher, immer lachend, immer nett. Vor 6 Jahren hatte er einen Schlaganfall, danach, sagt er, bin ich immer vom Rad gefallen, ein Jahr lang. Eisern muss du dann trainieren, sagt er, um oben zu bleiben und lacht. Jetzt fährt er täglich wieder seine 20, 25 Km und ist fit wie ein Handschuh. Da ist Eckehard, Ecki genannt, nicht zu überhören mit seinen Kommentaren, Naturbursche der er ist, fährt er mit nacktem, braun gebranntem Oberkörper kraftvoll die steilsten Steigungen hoch, mit seinen 14 000 Km nach China an Trainingskilometern ungeschlagen. Zumeist bleibt er hinten bei seiner Frau, manchmal aber überkommt es ihn, dann zieht er los, den Berg hinan, allen davon.  Und dann war da der ältere Herr, schon etwas nach vorne gebeugt, Haltung eines lebenslangen Radlers, mit Stützstrumpf ausgestattet, Gehen war nicht mehr flott, aber sowie er auf seinem Rad saß, zog er davon, schnurgerade. Da war der andere ältere Herr, er trug ein Seeräubertuch, hinten verknotet auf dem Kopf, wild sah das aus und genau so fuhr er. Die Frauen ebenso, die älteren, damenhaft im Normalbetrieb, bunt in ihren Radlerbekleidungen und emsig im Fahren. Auch Karl und Ilse waren da mit ihren Rennrädern, er 69, sie ein wenig darunter. Trainingsgestählt sind ihre Beine, wie ein eingeschliffenes Uhrwerk können sie pfeilschnell im Windschatten hintereinander fahren, zumeist radeln sie im hinteren Teil der Karawane, immer vergnügt, immer hilfsbereit und sehr sympathisch. Wehe aber, wenn sie losgelassen! Dann zog das Tandem an allen vorbei und war Sieger.

Oder Max (r), Franke von zu Haus aus und 2. Guide. Er ist der Lumpensammler am Schluss der Karawane. Da tröstet er die Erschöpften (uns) und hilft bei Platten (auch uns). Er, der große Sportler, kam eines Abends nicht mehr den Weg zu seinem Haus hoch, musste mehrere Male am Herzen operiert werden, seine Managerkarriere war beendet. Nun radelt er wieder und hilft dem Launer. Ei glaar, sagt er.

Oder der Wichtigste - Paul: Organisator, Guide, Animateur, kennt die Strecke wie seine Westentasche, weiß immer noch bessere Alternativen. Er, der jedes Problem klein reden muss in dem wilden Haufen streckensüchtiger Individualisten, deren Kritiken aufspringen wie Geysire, erst klein, vor sich hin blubbernd, dann aufspringend, größer werdend wenn sie nicht erstickt  werden, der voraus fährt, zurück fährt, Erkundungen fährt, es allen Recht machen muss, er gesteht abends in stiller Stunde, fix und alle sei er. Glaub ich ihm aufs Wort. Reden kann er, jedes Problem, jede Anweisung von allen Seiten beleuchten gelingt ihm auf launig-lustige Art. Er erklärt alles aus allen möglichen Blickwinkeln, damit es auch jeder versteht. Von jedem hat er die Handy-Nummer, jeder hat die vom Team, alle sind mit detailliertem Kartenmaterial ausgestattet und trotzdem, sagt er, geht ab und an einer verloren. Dann muss er suchen gehen. 



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