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Samstag, 24. oktober 2009 6 24 /10 /2009 11:12
Impressionen RE 12.10.
Der dicke Hamburger fährt nicht mehr. 20 Km strampeln am ersten Tag haben ihm gereicht. Seitdem macht er mit seinen Freunden Partikulartouren. Gestern waren sie in Pompei, heute wollen sie nach Capri. Mit dem Tretboot, sagt er und lacht. 4 weniger von den Langsameren und wir sind der Arsch der Tour. Warum sind die nicht dabei geblieben, hätte unseren Status erhöht, unserer Radlerseele gut getan.

Tagebuch M 12.10.
Es gab zwei Alternativen – eine Tour von 70 Kilometern mit 1500 Höhenmetern und eine von 50 Kilometern mit 500 Höhenmetern. Wir haben die einfachere genommen und die Fahrt genossen. Es war auch anstrengend, aber wenn es wieder flach wurde oder bergab ging, waren wir gleich wieder erholt. Ich hätte nach unserer Mittagspause sogar noch Lust gehabt, weiter zu fahren, aber nicht mit unseren Cracks, die an allem vorbei rasen. Die Landschaft, die Dörfchen sind so schön, da ist es schade, wenn man nur im Windschatten des Vordermanns fährt und auf seine Reifen achten muss. Das Wetter war schön bis wir im Bus saßen, wir sind also heute nicht nass geworden.


Impressionen RE 12.10 abends
4. Tag, weiter wilde Küste. Mein Allerwertester fühlt sich an wie Hackfleisch, Knochen tun mir weh und meine Stimmung sinkt wie das Barometer. Ja, ja, ich weiß, zwischendrin kommt immer die Frage, warum man sich das antut, hinterher kommt der Genuss.

Die Rentnergang ist 20 Km vorher ausgestiegen, brauchte Km und Höhenmeter. Wir haben uns für die kürzere Alternative entschieden. Später bedauere ich das, wollte mehr fahren. Lange Anstiege, Serpentine um Serpentine um Serpentine und wenn ich glaubte, jetzt muss ich bald oben sein, kam die nächste Serpentine. Gewaltige Ausblicke, zerklüftete Steilküsten, versteckte Strände, Ebenen auch, sehr fruchtbar. Burgen auf den Höhen, wahrscheinlich von ollen Normannen gebaut, Goten waren auch schon hier, auch Vandalen von Afrika her - wie sind die mit dem Klima ausgekommen? Und mit dem Essen? Oder gabs da noch kein italienisches Essen? Wir kriegen öfter Schweinebraten, anscheinend denken die Köche, das sei was für Deutsche. Der Gerechtigkeit halber - es sind italienische, wohlschmeckende Schweinebraten, Teil von 4-Gänge Menüs.

Einige Leute in der Gruppe sind bemerkenswert.
Menschen: Dietlinde sitzt mit ihrer afrikanischen Figur kerzengerade auf ihrem, für eine schwere Person ausgelegten Fahrrad, schaukelt mit dem großen Hinterteil rhythmisch nach links und rechts, die Pedale liegen zu tief (oder der Sattel ist zu hoch, wie mans nimmt). Sie muss viel Masse die Berge hoch bewegen, scheint ihr nix auszumachen. Wie bei einem Überdruckkessel funktioniert ihr Mundwerk bei jedem Halt pausenlos, auch dann noch, wenn uns der Atem fehlt. Erwin, unser Ältester, fährt mit seinen fast 80 Jahren wie ein Uhrwerk und grinst in seinen kurz gehaltenen Bart. Seine alte Trainingshose entspricht keinesfalls dem gängigen Radlerdesign der Gruppe, tipp topp und reklamebunt. Nur das Tour de France Shirt, ordentlich in die Hose gesteckt, weist ihn als fleißigen Anhänger dieses Sports aus. Jahrelang, sagt er, hat er mit dem Wohnmobil Rennen begleitet. Bauleiter war er, große Brücken hat er gebaut. Regininha sagen die Brasilianer zu Regina, die Nettigkeitsform passt zu der feingliedrigen, weißblonden Frau. Sie ist, glaube ich, schon etwas älter, hat ein Gesichtchen, das sich vielfältig legt, wenn sie lacht. Sie isst vorzugsweise Salat und sondert sich oft von der Gruppe ab. Ein wunderschönes Damenrennrad hat sie, pfeilschnell sieht es aus, sie aber bevorzugt die Gänge, in denen sie viel und ausdauernd strampeln muss.

Wir sind in Kalabrien. Interessant und wahrlich wechselhaft die Geschichte des Landes. Vom 6. bis ins 11. Jahrhundert gehörte Kalabrien zum byzantinischen Reich. Die Küstenorte wurden immer wieder von Arabern heimgesucht, geplündert und beherrscht. Im 11. Jahrhundert wurde Kalabrien von den Normannen erobert. Ab 1130 zählte es zusammen mit anderen süditalienischen Gebieten zum Königreich Sizilien. Ende des 13. Jahrhunderts fiel das süditalienische Festland unter die Herrschaft von Anjou (Grafschaft in Frankreich) und wurde Teil des Königreich Neapel. In den folgenden Jahrhunderten geriet das Land unter die Kontrolle der Krone Aragon (Spanien), der Habsburger und der Bourbonen. Im Zuge der Befreiungskriege wurde es 1861 Teil des Königreich Italien. Wirtschaftliche Not führte Ende des 19. Jahrhunderts dazu, dass jeder dritte Einwohner Kalabrien verließ. Die Auswanderungswelle wiederholte sich in den 60er Jahren. 338.000 Kalabresen emigrierten, um im Norden Italiens oder im Ausland Arbeit zu finden.

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