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Sonntag, 25. oktober 2009 7 25 /10 /2009 10:31

Impressionen RE 13.10.09
5. Tag: kalabrische Küste. Der Bus brachte uns abends durch ein schroffes, zerklüftetes
Gebirge zum Hotel. Die Temperatur fiel um 5 Grad und die Fahrt dauerte 2 Std., es war
schon Nacht bei Ankunft im Hotel. Nachts stürmte es, Regen wie aus Kübeln hing schräg
an der Scheibe. Die Fahrt brachte ungewohnte Bedingungen, morgens musste ich (ich!)
um 1/2 7-7.00 Uhr aufstehen, abends war ich spätestens um 10.30-11.00 Uhr müde, kaputt
im Bett. Zum Lesen kamen wir nicht mehr. Es war schon wieder passiert wie damals in
Rom: ich nahm zu. Alle Anderen verbrannten Kalorien, ich aber nahm beim
stundenlangen Radfahren Kalorien auf. Bin ein seltenes Naturphänomen.


Der kräftige Sturm in der Nacht hatte sich in
einen brauchbaren Rückenwind verwandelt.
Lang zog sich die Straße durch hügeliges
Kalabrien, rechterhand das Meer, aufgewühlt
noch, die Gang vorne zog wieder an, eine endlose Steigung hoch. Ich blieb dran, wollte mal sehen.
ob sie mir dauernd wegfahren konnten.
Konnten sie nicht! M hatte einen schlechten Tag erwischt, später blieb ich bei ihr, versuchte, sie
im Windschatten zu ziehen. Lange, gleitende
Abfahrten, viele Brücken, Tunnel,
Felsdurchbrüche.





Die ganze Küste herunter Burgen, Schlösser und halb verfallene Wachtürme auf hohen Berggipfeln und am Wegesrand. Am Abend las ich, einige der Schlösser sind arabischen Ursprungs, schon 840 n. Chr. haben Araber das Land beraubt und beherrscht, nach den Griechen, Byzantiner. In Kalabrien, so sagen sie, endet deshalb der Westen und beginnt der Osten. Freilich waren
auch Römern, Langobarden, Normannen, Spanier, Bourbonen... Herren dieser Teil der
Halbinsel, sogar den Habsburgern hat das Land mal kurzeitig gehört. Auch Goten, Vandalen
und anderen Weltenbummlern aus der Völkerwanderung haben sicher Spuren und Kinder
hinterlassen. Ich weiß nicht, ich weiß nicht, vielleicht soll mit dem Herkunftsverweis erklärt werden, dass sie hier unten hoher Arbeitsmoral abhold sind. Behaupten wenigsten die Norditaliener.

Traumhaft das Hotel direkt am Strand, in der Ferne der Kegel des Stromboli aus dem
azurblauem Meer aufsteigend. Um 16.00 Uhr war die Ankunft geplant, um 1/2 3.00  Uhr
waren wir da. Rekord dank Rentnergang als Lokomotive und Rückenwind der schob.


Immer wieder hatte Paul an schönen Orten Besichtigungen eingeplant. Heute zeigte er uns Diamantina, eine kleine Perle am Meer, Künstlerstädchen, Zentrum des Chili-Schoten
Anbaus, überall hängen sie rum, die scharfen
Zehen. Letztes Jahr hat man hier einen Mafiaboss erschossen. Kann ja mal vorkommen. 


Tagebuch M 13.10.

Paul hatte uns eine flache Strecke versprochen
und nach 45 Kilometern konnten wir entscheiden, ob
wir in den Bus einsteigen oder weitere 45
Kilometer mit dem Rad fahren wollten.
Der erste Teil war teilweise flach, aber ab und zu mussten wir uns lange Steigungen
hinauf quälen. Ich war die Letzte und sehr froh
über die Mittagspause an einem Platz mit
herrlicher Sicht auf Meer und Küste. Danach
fühlte ich mich wieder frisch und stark und ließ
den Bus fahren. Aber dann lagen endlos lange
Straßen vor uns, leicht bis moderat ansteigend
und alle Anderen rasten los, nur ich konnte nicht
schneller, obwohl ich mich tierisch anstrengte.
Max, der Lumpensammler stieß mich manchmal

an und machte mir Mut, aber ich war frustriert.
Und wenn
dann eine Steigung endlich geschafft war, sahen
wir die Anderen schon nicht mehr und eine
weitere unendliche Straße lag vor mir und ich
verlor den Mut. Naja, ich habe es auch geschafft und Paul war ganz begeistert, dass wir
in absoluter Rekordzeit am Hotel waren, aber daran war  der freundliche Rückenwind
Schuld. Ich hätte es gerne langsamer gehabt, denn es lagen ein paar schöne langobardische
Dörfer und Ruinen am Weg und einige tolle Buchten.

Wir sind jetzt in Amantea in einem luxuriösen
Hotel an einem langen Strand gegenüber dem
Stromboli und haben einen herrlichen Blick
auf die untergehende Sonne. Ich hatte heute
Nachmittag sogar Zeit, mir die Haare zu
waschen und fühle mich wieder fitt. Ich glaube,
ich habe zugenommen, trotz der Quälerei.


Impressionen RE

Menschen: Ruppert lacht wo er geht und steht.
Er lacht bei jedem Satz und strahlt über seine
roten Backen. Kräftig gebaut tritt er kräftig in
seine Pedale und saust lachend davon.

Wolfgang wahrt das Recht der Radler vor rasenden Römern mit drohender Faust. Arme und Beine seitlich ausgefahren, schwerlich an ihm vorbeizukommen für motorisierte Straßenbenutzer, ist er, der bekennende Berliner Radler, fleißig unterwegs. Seine Kamera, übern Rücken geschnallt, kommt an allen Ecken und Enden zum Einsatz. Dann saust er wieder an der Karawane vorbei wie ein Hirtenhund. Mein Hamburger Freund, der mächtige, ist wieder da mit seiner Gruppe, sitzt selbstversunken beim Frühstück und vertilgt seinen Kuchen ohne weitere sportlichen Ansprüche.

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