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Montag, 26. oktober 2009 1 26 /10 /2009 12:34
Tagebuch M 14.10.-16.10.

Das Hotel in Amantea war wirklich erstklassig, vor allem das Essen. Am Morgen hatte es einen Temperatursturz gegeben und man konnte über dem Meer den Regen heran ziehen sehen. Da es unser
letzter Tag war und wir abends aufs Schiff mussten, entschieden wir uns, im Bus nach San Giovanni zur Fähre zu fahren. Das entpuppte sich als
ausgezeichnete Idee, da in Messina eine Autobahnzufahrt gesperrt war und der Verkehr umgeleitet wurde. Die Straßen wurden immer
enger und steiler, rechts und links wurde geparkt, Motorroller wuselten dazwischen herum und alle
paar Meter parkte jemand in der zweiten Reihe. Dann ging gar nichts mehr. Unser Bus, 12 Meter
lang mit 6 Meter Anhänger arbeitete sich millimeterweise vor, rangierte, ein Hupkonzert beleitete
uns – ich glaube, wenn ich hätte fahren müssen, ich wäre ausgestiegen und laut schreiend davon gelaufen. Schließlich kamen wir frei, fanden die alternative Autobahnzufahrt und fuhren ohne Probleme weiter nach Palermo, wo uns Claudia eine zweistündige Besichtigungstour durch das
alte Zentrum bot. Ich war ja schon einmal in Palermo gewesen, aber ich hatte die Stadt nicht so prächtig und historisch interessant in Erinnerung. Es war schon dunkel, 21 Grad, als wir auf die Fähre kamen und unsere Kajüten bezogen. Das Essen war grauenhaft, der Service schlecht und
wenn wir gewollt hätten, hätten wir uns ständig über irgendetwas aufregen können. Dafür schliefen wir umso besser und wir kamen an Sardinien, Elba, Korsika und vielen kleineren Inseln vorbei, die Sicht war gut, der Himmel blau und um 18:00 Uhr trafen wir in Genua ein, das von der
untergehenden Sonne vorteilhaft angestrahlt wurde.
Es war uns kühl, nur 15 Grad, aber im Bus erfuhren wir, dass es in Deutschland geschneit hatte und bei unserer Ankunft morgens um 4:00 Uhr lag Schnee auf unseren Autos und es waren 2 Grad,
Tendenz fallend.


Impressionen RE

13 Grad sind es draußen, es regnet und stürmt, kein Wetter zum Rad fahren. Wir fahren Bus. Auf der Autobahn nach Messina hält uns eine Polizeistreife an. M übersetzt, der glatzköpfige Typ ist unsympathisch - M sagt später uncharmant - , will unbedingt was finden, kennt sich mit den Papieren nicht aus, gibt nicht auf, er will, so meine Erfahrung, eine Banknote. Der Busfahrer hat keine Scheibe mehr wie früher, um seine Fahrzeiten aufzuzeichnen, das machen moderne Systeme mit Chipkarten. Die aber kann unser italienischer Polizist nicht lesen, dafür ist er nicht ausgerüstet, macht ihn noch wütender. Nach endlosen Telefonaten lässt er uns laufen, ähem.. fahren. Nach Messina geht’s, auch da muss M an der Fähre wieder übersetzen. Macht sie gerne und ich sonne mich in ihrem Ruhm.

In Sizilien vermute ich hinter jeder Biegung einen Mafioso, in jedem Ort die schweigende Gesellschaft, in jeder Kirche einen Pfarrer, der die Mafia stützt. Komisch, woher das wohl kommt? Na ja, Corleone, der Ort mit den meisten Mafiamorden, den gibts wirklich da oben in den Bergen, den arg zerklüfteten, abweisend wie in der Literatur beschrieben. Überraschend die moderne Autobahn am Mittelmeerufer entlang, Tunnels reihen sich an Tunnels und die Orte am Wegesrand sahen ganz passabel aus. Palermo, in meiner Phantasie eine dustere Stadt, bevölkert von noch dusteren Personen, entpuppt sich als lebendige, kulturträchtige, historisch-moderne Stadt mit 3 Opernhäusern, eines davon das größte in Europa, mit 300 Kirchen, Kleinode der Architektur mit arabischen Stileinflüssen dabei, mit herrlichen Palästen - berühmt der Normannenpalast - Parks und Alleen. Die Führerin erzählt von der großen Geschichte der Stadt, gegründet als Handelsstützpunkt von den Phöniziern im 8. Jhd. v. Chr., von Griechen und Karthagern, von den Vandalen, die, von Afrika kommend, die Stadt überfielen, von der islamischen Herrschaft, die eine Blütezeit war, von den Normannen, die 1130 das Königreich Sizilien von hier aus zu kultureller Höhe führten , von den wechselnden europäischen Fürsten, unter denen Insel und Stadt verarmte und von Garibaldi, der 1860 im Befreiungskrieg gegen eben diese Fremdherrscher die Stadt einnahm und von hier aus die Insel eroberte und dem neuen Königreich Italien zuführte. Dann lese ich, dass "Palermo von Kriegsende bis Ende des 20. Jahrhunderts fest in der Hand der Mafia war" (ich wusste es doch!). "Es war Zentrum zweier großer Mafiakriege und zählte zu den gewalttätigsten Städten Europas- 1981 bis 1983 ereignete sich in Palermo durchschnittlich alle drei Tage ein Mafiamord. In den 1980er Jahren kämpften vor allem die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino dagegen an. 1992 wurden beide in der Nähe Palermos von der Mafia umgebracht. Erst unter dem „Antimafia“-Bürgermeister Leoluca Orlando (Amtszeit 1985-2000) blühte das öffentliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt wieder auf. Unterstützt von anderen Politikern, von Künstlern und von der Bevölkerung setzte er den Kampf gegen die Mafia fort. Die Kriminalität sank und heute liegt Palermo in der Verbrechensstatistik nicht mehr unter den 15 ersten Städten Italiens". Eine positive Überraschung, diese Stadt.

Nachts dann die Fähre, eisige Kälte von 15 Grad in Genua bei der Landung, Rückfahrt des Nachts durch die Schweiz – Paul, immer noch eifriger Reiseführer - erklärt die Schönheiten am Wegesrand die man leider nicht mehr sieht und Ankunft in Wört morgens 4.00 Uhr. Da ist es dann wirklich kalt, Schnee liegt auf Dächern und Autos. Wir sind zurück in Deutschland.

Fazit: Geradelt sind wir nicht von Rom nach Sizilien, da hätten wir schon ein paar Tage mehr gebraucht. Paul hat die Filetstücke an landschaftlicher Schönheit und radfahrerischer Herausforderung ausgesucht, den Rest transportierte uns der Bus. Mittags hielt er irgendwo, Tische und Bänke waren aufgestellt, Suppe war gekocht, es gab Brot, Wurst, Käse, Obst, Kuchen, Nachtisch, Rotwein, Bier, Saft, Kaffee. Wer nicht mehr wollte, fuhr weiter mit dem Bus, wir anderen noch eine schöne Tour. Alles das war prima organisiert, flexibel gehandhabt, freundschaftlich ausgeführt. Auch wenn uns die Spitzengruppe zu schnell war, haben wir einzigartig und intensiv Strecke, Landschaften und schöne Orte wahrgenommen, regelrecht "erfahren". Noch mal? Keine Ahnung. Vorerst nicht. Aber sie setzt schon ein, die idealisierende Erinnerung, die alles Störende vergisst. Ist ja auch gut so!. 

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