Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Rom VIII; Begegnungen

4. Juni 2013 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Europa

Mit H&J in Rom 2013 - 186Vor der Sintflut an Informationen waren wir in eine der Bars im Vatikanischen Museum ausgewichen. Ich war müde. Ein starker Kaffee sollte helfen. Ein Mann an einem Stock humpelnd kommt herein, abgerissen, Clochard-ähnlich, ein Beutel schlenkert ihm um die Beine. Seine laute, dröhnender Stimme füllt den Raum. Er verzieht sich an die Kasse, lehnt sich an die Wand, erhält ein Wasser und vergnügt die Bedienung mit Geschichten in donnernd vorgetragenem Italienisch. Wir gehen, er hinkt hinter uns her, where are you coming from schallt es uns nach. Ich will nicht antworten, M sagt, Germany. Deutschland, oh Deutschland kenne ich, donnert es im Gang, den wir erreicht haben, vor uns die Menge an Leuten, die sich Leib an Leib die Treppe hoch dem Eingang der Sixtinischen Kapelle entgegen winden. Der Mann spricht fließend Deutsch mit einem leichten Akzent. Woher in Deutschland? Einer Kleinstadt? Oh, ich kenne deutsche Kleinstädte, Nürnberg, Koblenz, Bonn, auch München, Frankfurt. Ich liebe dieses Land und studiere deutsche Philosophie, Kant, Hegel, Bloch, Heidegger. Seine laute Stimme ist mir peinlich, die Menge vor uns wird aufmerksam. Aber ich muss keine Angst haben, er redet mit den Wächtern, die machen den Aufgang für das Personal frei und da hinkt er nun hoch und verschwindet aus meinem Blick.  

Dienstag, den 7. Mai 2013. 
Rom, hat Goethe behauptet, habe ihn glücklich gemacht. Und danach sei er nie wieder in seinem Leben glücklich gewesen. Was der Meister meint müssen seine Adepten ebenso fühlen. Auch seine Nachfolger beschreiben, welch reines Glück sie in dieser Stadt erfasste. Bei Ortheil (Die Erfindung des Lebens) hört sich das nach seiner ersten Ankunft so an: „Ist das Freude? Reine Freude? Ist das, was ich gerade empfinde, nicht die reinste, unbeschwerteste Freude?“. Dabei ist er auf dem Hauptbahnhof in Termini angekommen! P1050028Ja, sie hat Plätze und Ecken und Winkel, diese Stadt, die Ruhe und Frieden ausstrahlen und Römer scheinen gut zu leben. Aber ich bin so, wie ich bin, auch hier. Glück ist ein seltenes Gut.

 


Halt! Halt! Wie nur konnte ich zweifeln, dass Rom glücklich machen kann? M gehört doch dazu, wie konnte ich das vergessen. Das erste Mal da sie mich nach Rom brachte, mit den Fahrrädern kamen wir vom Norden und da war die Tiberbrücke und da war das Tor zur Piazza di Popolo und dann standen wir auf diesem herrlichen Platz, auf dem M vor meiner Zeit glücklich war, und da musste sie ein wenig weinen. Vor Glück. Und seither erlebe ich sie immer besonders glücklich in ihrer Stadt, sie, die begnadete, die so gerne glücklich ist. Die ich verschleppt habe in das kleine Dorf.

 

Ps: Man kann es auch anders sehen. Bei Brinkmann gelesen: „Dieses Arkadien (er meint dem Goethe seine Rom Verherrlichung; RE) ist die reinste Lumpenschau“

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post