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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Tagebuch: Auf der Finca / im Oriente von Peru

17. Januar 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Lateinamerika


Donnerstag später Nachmittag Ankunft nach 18 Std Fahrt über die Anden. Essen Hähnchen in der Stadt. Pucallpa-Umgebung---02.jpgDie wirkt in der Dunkelheit quirlig, fremd und sehr laut. Gehen noch einkaufen im neuen Supermarkt. Zum Tagesabschluss mache ich Pisco Sour. Um 9:00 ist Feierabend


Freitag: Um 7:00 beginnt der Generator zu brüllen, wir können Kaffee kochen und duschen. Gerd&Andres zeigen uns die Anbaufläche hinter dem Haus. Hatte ich mir anders vorgestellt. Versinken im Schlamm, brauchen Stiefel. Kleine, mickrige Stengel Jatropha-Pflanzen zwischen hohem Gras. Das ist ein neuer Versuch mit Stecklingen, sagt Gerd. Pucallpa-Umgebung---25.jpg
Fahren raus zur Anbaufläche. 1 1/2 Std Fahrt über Lehmpiste (bei Trockenheit Staub, bei Regem Schmierseife). Es gibt eine kürzere Verbindung, da ist eine der Holzbohlen-Brücken zusammen gebrochen. Kommt öfters vor sagt Gerd. Und in der Regenzeit ist zumeist überhaupt kein Durchkommen. Auch nicht mit Vierradantrieb. 


Auf dem großen Feld von 40 Ha erkennen wir kaum Pflanzen, nur überwucherndes Gras um zumeist kleine Schösslinge. Vereinzelt überragen große, kräftige Jatropha den Wildwuchs. Daneben ein Feld von 1 ha mit schönen hohen Jatropha-Pflanzen. Aber auch da hohes Gras dazwischen. Der Urwald holt sich sein Land zurück wenn nichts getan wird. Jetzt verstehen wir die Notwendigkeit, des regelmäßigen Mähens (Mulchens) zwischen den Reihen und dem Hacken zwischen den Pflanzen. Jeden zweiten Monat muss das gemacht werden. Andres beginnt, fährt mit dem Traktor mit angehängtem Mulcher in die Reihen und verschwindet am Horizont. Am späten Nachmittag essen wir in einem primitiven Lokal im Dorf. Es schmeckt. Die Hunde freuen sich auf die Knochen. G. und A. reparieren am zweiten Mulcher. Zum Tagesabschluss mache ich Pisco Sour. Um 9:00 ist Feierabend. M sitzt mit Gerd, sie reden über Gott und die Welt. Mit Gerd, sagt M, kann man reden, der hört zu und fragt.


Samstag: Einkaufstag. Ein großes Differenzialgetriebe muss zur Werkstatt, sie können mit eigenen Bordmitteln das Ding nicht öffnen. In der Werkstatt haben sie eine Hydraulikpresse. Alle Kugellager müssen ausgetauscht werden. Und das nur, weil derjenige, der es ihnen gebraucht verkauft hat, kein Öl eingefüllt hatte. Danach gehen wir essen an einem See. Solange Licht ist reparieren sie noch am Mulcher. Zum Tagesabschluss mache ich Pisco Sour. Um 9:00 ist Feierabend
Sonntag ausschlafen. Jatropha_Farm---22.jpgDie beiden hängen weiter am Mulcher, haben ihn auseinander, bauen ihn zusammen, sind ölverschmiert. Andres kocht ein köstliches Aji de Gallina. Hähnchenstücke in Erdnusssoße mit scharfem Aji. M hat das Rezept gleich notiert).


Montag: Gerd verschwindet, er braucht Teile für den Mulcher, die extra hergestellt werden müssen. Wir hacken zwischen den Stecklingen hinter dem Haus. Ich nicht lange, M bis sie nach Stunden eine Blase an der Hand hat. Später kommt die angestellte Frau von nebenan mit der Machete und Andres hackt nach, was ich begonnen. Abends mache ich Spaghetti mit Tomaten aus der Gegend. Die sind fest und schmecken anders.


Dienstag: wir wollen wieder raus aufs Feld.  Um 7:00 Frühstück. Müssen warten, ein Tropenregen. Erst spät kommen wir weg. Warten ist öfters angesagt, nicht viel klappt beim ersten Mal. Andres mulcht das kleine Feld. Der dort wohnende Arbeiter ist nicht anzutreffen. In den drei vergangenen Wochen hätte er die 1 Ha-Fläche zwischen den Pflanzen hacken können. Er hat nur 13 Reihen gemacht. Gerd heuert einen neuen an. Sie wechseln oft, sagt er. Wir (M und ich) werden von Gerd im Traktorfahren unterwiesen und mulchen die Wege. Gerd bedient die Höhenverstellung. Immer die rechte Ecke des Motorblocks mit der Kante des Gegenschnitts im Visier behalten. Dann mäht der Ausleger korrekt die nächste Reihe. Es regnet immer wieder. Pucallpa-Umgebung---30.jpgDie Rückfahrt ist später als geplant, wir kriegen um 18:00 beim Einkaufen im Dorf ein paar Nüsse. Nach 10 Std. seit dem Frühstück! (Da draußen gabs Pampelmusen vom Baum, sonst nix). M macht Knoblauchhähnchen mit Gemüsekartoffeln. Ich mache Pisco Sour (im Dorf gab es Eis in einer Hütte - seine einzige Produktion).

Mittwoch: der Generator geht spät an, gestern war ein harter Tag. M will hacken, es geht nicht, Wolken von Mücken überfallen sie. Gerd sprüht das Feld. Moskitos kommen nach dem Regen aus dem in den Furchen stehenden Wasser der Anpflanzung in Scharen. Man zu. Sonst kann keiner da arbeiten.
Ich sitze in unserem Zimmer, wie so oft. Schreibe, entwickle Bilder, schneide Filme, mache den Blog. Brütend heiß. Klimaanlage und Ventilator sind aus, der Generator schweigt. Manchmal stellen sie die ganze Anlage ab um die Batterien zu schonen. Die Luft ist stickig. Fenster aufmachen empfiehlt sich nicht, hab ich gestern versucht und gleich waren die Moskitos da um uns zu beglücken.
Der letzte Tag.

Wir fahren wir zur Müllhalde, den Müll entsorgen. Hier schmeißt man noch alle Flaschen, ob Plastik oder Glas in den Müllcontainer. TsTsTs.

Pucallpa-Umgebung---32.jpg

 

Am späten Nachmittag gehen wir essen am See. Der See ist zauberhaft im Abendsonnenschein

 

Pucallpa-Umgebung---37.jpg

 

Um 22.00 Uhr sind die Lichter aus. Da fängt der Hahn an zu krähen. Ob ihn die laute Musik, die von Gegenüber der Straße herüberweht, durcheinander gebracht hat? Da fällt mir eine andere Geschichte ein. Wir besuchen Freund Manfred in der Dominikanischen Republik. Er wohnt außerhalb der Stadt. Jede Nacht, aber auch jede Nacht werden wir gestört durch das Krähen eines Hahnes, der auf dem Baum neben unserem Schlafzimmer sitzt. Ich sammele Steine. Das Fenster hat Lamellen, durch die gerade mal meine Hand passt. Versuche aus dem Handgelenk zu werfen. Der Hahn kräht weiter. Da gehen die Lamellen kaputt. Und der Hahn kräht. Morgens erzählen wir es Manfred. Wegen des Fensters. Der lacht sich kaputt. Das ist kein Hahn, sagt er, das ist ein Papagei, der bei einem Hahn gelernt hat.


Donnerstag: Rückflug nach Lima. Tati schreibt, sie wird nicht Freitag am Kreuzband operiert. Das Knie muss erst abschwellen. Sie kriegt Physiotherapie.
Hanne hat einen Film gefunden. Aus Indien. Da produziert ein Dorf Jatropha Öl und betreibt damit einen Generator, sie haben jetzt Strom und abends Licht, ganz einfach aber effektiv - und daraus ergeben sich viele andere Sachen. Hier: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=18147
Fast 2 Tage haben wir gebraucht für die Fahrt über die Anden in den Oriente von Peru. In knapp 1 Stad hat uns das Flugzeug zurück gebracht. Ist das jetzt ein Segen?
Tati und Jan wieder getroffen, sie kamen gleich angesaust.
 

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Margrit 01/19/2014 16:29


Lieber Reinhold,


wie immer, interessant zu lesen.


Folgende Frage bewegt mich noch, könntet ihr uns das Rezept für 'Aji de Galina' senden oder Ostern geben? Dann könnten wir uns schon mal ein wenig wie in Peru fühlen.


Übrigens das tolle Foto mit den Motocars habe ich mir als Bildschirmschoner für mein iPAD geklaut. Macht sich da gut, finde ich!


Viele Grüße und weiterhin eine schöne Reise


Margrit

R.Einloft 01/19/2014 21:15



Liebe Margrit, ich veröffentliche das Rezept im Blog. Könnte ja sein, dass noch jemand Interesse hat. Freilich Kannst Du jedwedes Bild nehmen und nach Deinem Gusto verwenden, ehrt mich.


Peru ist interresant. Freu mich auf Ostern


Gruß Reinhold