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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

TANSANIA Nov 2006: Der Abschied will organisiert sein

20. Oktober 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

R: Nov 2006) Es ist entschieden, wir gehen im Frühjahr 2007. Trotz reduzierter Arbeitszeit und Konzentration auf die Kernaufgaben hat das Burnout Kraft genommen. Ich muss weiter leben auf einem geringeren Energielevel. Sonst kommt sie zurück, die Depression und Antriebslosigkeit. Es tut mir in der Seele weh. TAN - FES - StaffDenn die Vertretung und Büroleitung der FES in Tansania war die beste Arbeit, der beste und erfolgreichste Posten den ich je hatte. Was bleiben wird, sind gute Erinnerungen. An ein schönes Land, an bewundernswerte Leute, an weit reichende Kontakte und Einflussmöglichkeiten. Einiges wird bleiben. In jedem Fall unser Herz. 

(M schreibt im November 2006) Wir sind gedanklich schon bei 2007 und bei unseren Plänen: wir wollen nach unserem Abschied von Dar es Salaam erstmal eine Silberhochzeitsreise nach Peru zu unseren Enkeln machen, nach Brasilien, unsere besten Freunde besuchen und evtl. noch einige Stationen anfahren, wo wir schon immer mal hin wollten (Mexiko, New York....). Wir haben ja dann Zeit! Und danach, das zeichnet sich jetzt ab, möchten wir gern in unser Haus nach Hommertshausen. Der Mieter, der im Sommer ausziehen will, hat geschrieben, dass er baut und schon deshalb so schnell wie möglich aus dem Haus möchte, damit er die Miete spart. Und wir sind schon gedanklich beim Einrichten der Zimmer, schauen hier, was wir noch mitnehmen wollen (Lampen, Stoffe, Kissenhüllen und ausgestopfte Löwen und Elefanten, aber wir können uns nicht einigen, wohin wir den Elefanten stellen – auf den Parkplatz oder lieber auf den Balkon? (R: M scherzt)

RE, Mittwoch den 22.11.06. Gestern kam ein Schreiben der Zentrale, wir können, wenn wir den Urlaub auf das Ende schieben, am 15. Februar hier Schluss machen. Wir wollen aber bis zum Ende bleiben. Heute festgelegt: Ab TAN 22. März. Muss noch nach Bonn und Berlin. Aber dann ist Ende mit FES. Halb schlimm halb gut.

M 24.11.06: Mittlerweile wird unsere Planerei immer komplizierter, an was man alles denken muss! So wie wir uns das vorgestellt hatten mit unserer gemeinsamen Reise nach Südamerika, das geht nicht. Nach Abschluss seiner Tätigkeit hier in Dar es Salaam muss Reinhold erstmal in die Zentrale nach Bonn und Berlin, wir müssen die Tropenabschlussuntersuchung vornehmen lassen und uns polizeilich anmelden. Alles aus rechtlichen Gründen. Dazu kommt, dass die 100 Kilo unbegleitetes Fluggepäck an das Ticket gekoppelt sind, und wenn wir von hier aus nach Brasilien oder Peru fliegen, kriegen wir unsere wichtigen Sachen wie persönliche Papiere und Laptop nicht nach Deutschland. So haben wir jetzt vorgesehen, erstmal Ende März nach Deutschland zu fliegen und alles zu erledigen. Danach können wir immer noch Urlaub machen. Ich werde aber Anfang Februar, wenn Tatiana und Jan Ferien haben, für zwei Wochen nach Peru fliegen. Ich habe die Enkel fast zwei Jahre nicht mehr gesehen! Ich glaube, es geht ihnen nicht so gut, sie sind sehr traurig, denn ihre Eltern Frank und Paula haben sich getrennt Auf keinen Fall möchten wir, dass der Kontakt zu unseren Enkelkindern abreißt. Enkelkinder sind etwas so Schönes – man braucht sie nur lieb zu haben. Im Mai werde ich noch einmal Großmutter, meine liebe Tochter Christine bekommt wieder ein Baby und ich freue mich, dass es noch einmal geklappt hat und ich diesmal etwas näher dran bin. Vielleicht werden wir ja mal eine Anlaufstelle für die Ferien, so wie unsere Großeltern das für uns waren.  Das war immer schön, wenn wir zu Omi und Opi fahren durften. Die waren immer lieb zu uns und ich werde sie nie vergessen.

TAN Kipepeo - 24R: Was da alles gemacht werden muss ist zum Kopfzerbrechen. Ich brauche noch Bücherregale von dem einheimischen Schreiner, der bei der GTZ gut gelernt und alles nach Maß und eigenen Angaben nachbaut, einen großen Tisch aus Tropenholz soll er noch machen, die Stühle dazu. Angebote von Umzugsunternehmen müssen eingeholt werden, die aber nicht mehr als 20 qm berücksichtigen dürfen – wir aber haben etwa 25 qm. Können wir etwas unter der Hand machen? Alles muss von der Zentrale genehmigt sein. Die billigsten Speditionen sind nicht immer die besten und internationale Erfahrung haben wenige. Das alte Sofa wollen wir verkaufen, dem Leder haben die vielen Schweißausbrüche gerade in den tropischen Ländern ihrer manchmal wenig bekleideten Sitzgäste nicht gut getan (schon in Bonn, Rio, Kolumbien, Erfurt und jetzt in Dar es Salaam hat uns das Möbelstück gute Dienste getan und mir tut es leid, es weg zu geben). Das Auto muss verkauft werden, die Pflanzen brauchen neue Liebhaber, sie sind groß geworden. Alles muss abgemeldet werden und das ist mindesten genau so zeitaufwendig wie das Anmelden und dazu muss ich die Übergabe an den Nachfolger über die Bühne bringen mit all den Abschiedsempfängen und Feiereien privat und dienstlich. Wir wollen nicht gehen, die Mitarbeiter sind traurig und viele Freunde bitten uns zu bleiben. Wie gerne wäre ich bis zum Ende meiner Arbeitszeit in zwei Jahren geblieben. Aber es geht nicht anders. Die Krankheit hat mich kirre gemacht, nimmt Kraft und Saft. Ein wenig weiterleben möchte ich schon.

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