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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

(76) TANSANIA November 2004: M berichtet von einem Frauenseminar

26. Januar 2011 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Afrika

 

Anmerkungen zu Gender Mainstreaming in Ostafrika

TAN-Frauen---22.jpgIch habe im November an einer internationalen Konferenz zum Thema „On Becoming a Global Citizen“ teilgenommen, die sich an Mitglieder von NGOs und staatlichen Organisationen im Bereich non-formale Erwachsenenbildung richtete. TAN-Frauen---23.jpgEs waren TeilnehmerInnen aus Kenia, Uganda, Sudan, Äthiopien, Tansania, Malawi und Zimbabwe anwesend. Das Thema „Women as Global Citizens“ sollte die Beteiligung von Frauen an Entwicklungsaktivitäten in ihren Ländern aufzeigen und Überlegungen dazu zur Diskussion stellen, wie eine stärkere Beteiligung von Frauen unterstützt werden kann.

Der Workshop „DELTA“ (Development Education, Leadership Teams in Action) sollte Erfahrungen aus der Erwachsenenbildung präsentieren und Methoden vorstellen, die sich an Paolo Freire orientieren und heute angewendet werden.

In diesem Workshop waren Frauen und Männer zu gleichen Teilen anwesend und aktiv. Der Professor zeigte als Einstieg in das Problem der Arbeitsüberlastung der Frauen ein Bild, auf dem eine Familie zu sehen war: Frauen-mit-Feuerholz.jpgdie Mutter mit Feuerholz auf dem Kopf, einem Eimer Wasser in der einen, ein kleines Kind an der anderen Hand und ein Baby auf dem Rücken, das kleine Mädchen mit zwei Eimern Wasser. Ein etwa gleichaltriger Junge auf einem Tretroller und der Vater zwei Schritte vor seiner Familie ohne Gepäck. „Aha, jetzt kommt wieder Gender“, meinte ein Teilnehmer. Auf die Frage, welches Problem hier angeschnitten würde, sagte ein Mann: „Das ist kein Problem, das ist unsere Kultur!“ Einhellige Zustimmung auch bei den Frauen. Der Vorschlag, dass Männer den Frauen helfen könnten, wurde als inakzeptabel abgelehnt. Für Männer sei dies unter ihrer Würde und lächerlich. Eine junge Frau konkretisierte: „Ich mache die Arbeit gerne, denn dann sehen die Anderen, dass mein Mann eine tüchtige Frau hat, und ich will, dass mein Mann stolz auf mich ist!“

Auch bei den Ursachen für AIDS/HIV waren sich alle einig: die Schuld sei in der ökonomischen Situation zu suchen, die viele Frauen dazu zwinge, sich für Geld zu prostituieren. So würde die Krankheit weiter getragen. Die Lösung des Problems müsste deshalb auch den Frauen zufallen – sie hätten darauf hinzuwirken, dass die Männer Kondome benutzen auch wenn sie nicht wollten. Erschreckend war, dass es sich um Mitglieder von NGOs und Multiplikatoren handelte, die in Afrika durchweg als fortschrittlich gelten. Sollte ich als Außenstehende, Weiße wieder alles besser wissen, wie sie es seit hundert Jahren von den Wazungu gewöhnt sind?.

 

Es ist heiß geworden, aber wenn man ab und zu kalt duscht, sich nicht abtrocknet und dann (fast) nackt unter dem Ventilator sitzt, ist es angenehm. Wenn man abends aus dem Swimming-Pool kommt, fröstelt man: das Wasser hat 33 Grad und die Luft „nur“ 29!

 

Anmerkung: Die Frauen auf dem Foto sind Teilnehmerinnen eines anderen ostafrikanischen Seminars

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Katharina vom Tanneneck 01/27/2011 23:41



So etwas soll es ja auch bei uns in Deutschland geben! Die Frauen rackern sich ab und die Männer gehen in die Kneipe. Nur muß sich hier der Mann schämen und die Frau leider auch - für den Mann!



Übrigens, die Frau auf dem Bild ist sehr hübsch!


Liebe Grüße, Katharina



R.Einloft 01/28/2011 13:17



Nett gesagt. Männer neigen offenbar überall dazu, Lasten abzugeben, wenn man sie lässt. In der Tat ist bei uns mittlerweile ein moralischer Druck zu verändertem Verhalten da. Früher, scheint mir,
war das auch nicht so. In meiner Kindheit auf dem Dorf allerdings waren die Lasten verteilt. Ich glaube, das ist in Afrika auch so. Wir sehen es nur oft nicht. Oder nur die Extreme.


Ja, schöne Frauen gibt es dort in der Tat. Und dann die traditionellen Gewänder! Mir gefallen die ausgesprochen gut. Beide, Gewänder und Frauen :)


Beste Grüße von RE



Joachim 01/26/2011 22:07



Das ist auch verständlich, wenn sich die Frau abrackert, damit ihr Mann im Dorf gut angesehen wird. Wenn sie es gerne tut, und die Tradition es so will...


LG Joachim



R.Einloft 01/28/2011 13:14



Tja, andere Länder, andere Sitten. Uns ist es immer schwer gefallen, dieser ungleichen Lastenverteilung zu zu schauen. Aber, wie du so schön sagt: wenn es ihr doch Spass macht:) Nu ja, meist sind
es eingeleischte Traditionen. Das Verhalten Mann-Frau ist allerdings unterschiedlich in den verschiedenen Ethnien.


Gruß RE