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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Unterwegs in der rumänischen Bukowina

26. April 2014 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Donaudelta&Rum

Freitag, den 25.4.2014


 

Manchmal wache ich auf und träume: warum tust du dir das an? Und dann ist es wieder gut, was wir uns antun. Das Positive überwiegt.

In der Bukowina - 5 Km von der Grenze zur Ukraine entfernt im Nordosten Rumäniens - bis in den Karpaten waren wir.  Liliana und Mircea haben uns am Ostersamstag abgeholt. Wir zeigen euch unseren Osterbrauch und Dracula, sagten sie. Liliana ist die Rektorin der Schule, in der wir arbeiten und Mircea, ihr Mann Professor an der Universität. Er ruhig und freundlich, sie eine Powerfrau, ständig unter Dampf und um unser Wohl bemüht.

P1090644Übrigens die Frauen: Denen wir bis jetzt begegneten sind alle, aber auch alle freundlich, lieb, aufgeschlossen und sie können was. In der Schule ist die Mehrzahl der technischen Lehrer weiblich, bei der Fortbildung über das Duale Ausbildungssystem in Deutschland waren es ebenso in der Mehrzahl Frauen, Lehrerinnen, Professorinnen, Inspektorinnen aus dem Ausbildungsbereich. In Deutschland, scheint mir, ist das noch immer anders. Aber ja, sagen sie verwundert über die Frage, aber ja, natürlich können wir arbeiten und Kinder aufziehen. Und sie zeigen sich verwundert, dass dies in Deutschland anders, schwieriger, nicht selbstverständlich sein soll.

Nach Norden ging die Straße. Gut bis sehr gut ausgebaut. Nur die Abkürzungen über Land, die waren manchmal holperig und die Straße über die Karpaten auch.


Sie sind alle da: VW, Opel, Ford, Mercedes, Audi, Toyota, Renault und wie sie alle heißen. Hinter der großen Stadt (Iasi hat knapp 300 000 EW) haben sie ihre Traumlandschaften entfaltet, 1:1 wie im übrigen Europa. Natürlich gibt es Lidl, Aldi, Praktiker, Metro. All die wunderbare Warenwelt, hier ist sie auch und genügend Menschen können sie genießen. Wen wunderte es, dass Ukrainer auch dieser bunten Welt sehnsüchtig entgegenfiebern? Es gibt immer Gewinner mit dicken Autos, großen Häusern und nötigem Kleingeld. Nicht nur uns.

Felder am Rande, dunkle, fruchtbare Erde, Obstplantagen so weit das Auge reicht, Weinfelder groß und prächtig, Dörfer und Städte traditionell und mit neuen Bauten, wo es geht mit Platz um das Anwesen mit Wein und Obstbäumchen drauf. Sie blühen gerade so schön.

Erst habe ich gedacht, sie seien zum Verkauf gedacht, die Äpfel und Pflaumen und Weintrauben. Mag sein, das Eine und Andere. Aber, so hat man uns belehrt, hier wird gebrannt. Privat. Mit und ohne Genehmigung. In jedem Restaurant gibt es den Schnaps in Krügen.

Abendessen-mit-Schnaps--1-von-1-.jpgEinschub: Gestern Abend waren wir eingeladen. Eine der Professorinnen hat ein Restaurant. Eine Karaffe Rotwein kam auf den Tisch und eine kleinere mit hellgelbem Getränk. Weißwein dachten wir. Und ließen uns einschenken in ein Wasserglas. Pflaumenschnaps war es und lächelnd wurde uns erklärt, nein, nicht sie brennen ihn selbst, ein Freund. Vom dem kriegen sie ihn in Fässern aus speziellem Holz (welchem haben wir nicht verstanden). Und währen des Essens wurde fleißig nachgeschüttet vom Pflaumenschnaps. Nach dem Essen gab es den Rotwein. Auch selbst gemacht und biologisch! Von Freunden. Wir waren sehr lustig danach und haben auch rumänisch verstanden.

Ab und an treffen wir auf unserer Reise auf die österreichische Vergangenheit. Monumente von Sissi und Franz Josef; Konditoreien die auch so heißen, Straßenzüge ehemals österreichischer Siedler (mit wunderschönen Häusern), große Bauwerke; Küss die Hand gnä Frau (wird noch ausgiebig praktiziert).

Bukowina, das Land der Klöster. Allüberall gibt es sie, noch immer in Betrieb und gleich strukturiert. Im Zentrum die Kirche, innen und außen bunt mit Heiligendarstellungen im Ikonenstil bemalt, innen in drei Kammern aufgeteilt, der Vorhalle, dem Gemeinderaum mit maximal ein Dutzend hochlehmigen Stühlen und dem hinteren, heiligeren Teil mit Altar und Ikonen, die geküsst werden. Aussen herum die hohen Wehrmauern und die Häuser der Nonnen und Mönche. Früher, sagen sie, haben die Türken öfters angegriffen. Dann zog sich der ganze Ort hinter diese Mauern zurück und verteidigte sich (? das hab ich noch nicht raus gekriegt. Söldner, nein, das hätten sie nicht gehabt. Waren es die Bauern, die auf den Mauern standen und mit Steinen warfen? Oder haben sie einfach nur gewartet, bis die Kümmelbrüder wieder abgezogen sind?).

P1090814

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