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Tuesday, 8. may 2012 2 08 /05 /Mai /2012 11:43

Jetzt hab ich das Buch fertig. Es endet in einem gewaltigen Höhepunkt aus Liebe, Triebe, Ehe, Trennung und ...den Schluss verrate ich nicht. Erwähnenswert ist noch - wie konnte ich das übersehen - es gibt Sex in dem Buch, richtig schöner Sex. Das will gekonnt sein, ihn so intensiv zu schildern. Bis auf eine Stelle, die war sogar mir zu schmutzig.

Noch immer und sogar mehr empfehlenswert: Jonathan Franzen: Freiheit. rowohlt

Es ist doch nicht alles so einfach wie es zwischenzeitlich schien. Mein Soziologenhirn sucht Muster, Stereotypen, wo Menschen mit all ihren Schattierungen leben. Noch immer verändere ich hie und da meinen Text über die Amis (
http://www.andere-welten.net/article-us-amis-104521091.html). Das ist die Größe des Buches, die Menschen darin handeln auch egoistisch, geldgierig, durch Konkurrenz verhaltensgestört und freiheitsgeil. Aber nicht nur. Sie sind auch lieb, nett, umgänglich, haben soziales Verantwortungsbewusstsein, kümmern sich um das Wohl der Umwelt, die Zukunft der Menschheit, verzweifeln an der Tendenz der Überbevölkerung und dem unsensiblen Umgang mit der Endlichkeit der Ressourcen. Das kommt der Wahrheit sicher näher. Vielfältig ist ihr Verhalten, eigentlich so vielfältig wie es Menschen gibt.

Trotzdem bleibe ich dabei, es sind auch allgemeingültige Muster heraus lesbar. In den USA stehen ganz vorne Reichtum, Freiheitsdrang und Konkurrenzverhalten. Es sind gesellschaftliche Fußabdrücke, denen zu folgen nicht Sanktionen sondern Anerkennung bringt. Sie verweben sich in den Individuen mit den eigenen Anlagen zu einem eigenen persönlichkeitstypischen Netz, einem bereiten Spektrum von Handlungsmöglichkeiten. Welche dann jeweils in den multiplen Situationen unseres Lebens zur Anwendung kommen, kann man nicht vorhersagen. Denn Menschen sind mehr als Muster. Dank an Achim, Schwester Hanne, Katharina, Joachim und die anderen, die mich auf die positiv menschliche Seite der Amis aufmerksam gemacht haben. Sie waren in den USA, haben erfahren, dass es nette, freundliche, hilfsbereite, auch dem eigenen Lager kritisch gegenüberstehende Amis gibt. Wobei alle meine Freunde keineswegs ihre kritische Distanz verloren haben, denn nicht alles ist Gold was glänzt im Amiland.

Ein paar Faktoren, woher einige vorherrschende Verhalten der Amis kommen kann:
Da ist einmal die Religion, viel stärker in den USA verwurzelt als bei uns. Sie war und ist ein wichtiger Handlungsanweiser, besonders für Einwanderer und Nachkommen aus Europa. Eine Quelle sind die Puritaner, eingewandert als Gründungsväter aus England, hatten sie die "Protestantische Ethik" der Calvinisten verinnerlicht, bei der wirtschaftlicher Erfolg ein Spiegel der Gnade ist und ihren Rang im Himmel reflektiert. Je erfolgreicher, je höher (der Soziologe Weber hat in diesem rastlosen Schaffen sogar den Ursprung des Kapitalismus gesehen). Genuss war verboten, Erfolg alles. Und wo Erfolgsdruck herrscht, ist Konkurrenzdenken nicht weit (abgesehen vom religiösen Erfolgszwang ist Konkurrenz eine dem Kapitalismus innewohnende Kraft zur Profitmaximierung). Doch anders als bei den Alten scheint mir heute in den USA erlaubt, Erfolg auszuleben, darzustellen (ob sie ihn genießen können, steht auf einem anderen Blatt). 

Eine wichtige Ursache ihrer Freiheitsliebe ist ebenfalls auf die Einwanderer zurückzuführen. Die kamen überwiegend aus armen, despotischen Verhältnissen und wollten diese Fesseln abstreifen im Land der endlosen Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten. Viele haben es geschafft, sich aus eigener Kraft hoch zu arbeiten und dabei ist der gesellschaftlicher Bezug ihres Erfolges aus dem Blickfeld geraten.

Vielleicht hab ich ja auch alles falsch verstanden. Lese gerade in einer Rezension, es gehe gar nicht um gesellschaftliche Phänomene. "Freiheit von den Dämonen der Vergangenheit zu erlangen, stellt vielmehr das große Ziel aller Beteiligten dar
". Und: Das Buch "lebt aus den sympathischen und zugleich widersprüchlichen Charakteren. Alle haben sie eine schwierige Jugend in einem lieblosen Elternhaus hinter sich und sind deswegen eigentlich gar nicht frei, sondern wiederholen die alten Verhaltensmuster nur stets in neuem Gewand, ertappen sich dabei und leiden an sich selbst."

Na denn 


 

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