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Tuesday, 5. june 2012 2 05 /06 /Juni /2012 13:28

Dienstag, der 5. Juni 2012. Kalt ist es, kaum 10 Grad heute Morgen, grau, bedeckt, regnerisch. Herbst, draußen und drinnen.

 

Die Wette hätte ich verloren. Ja doch, natürlich wusste ich, dass es Unterschiede gibt zwischen Arm und Reich, zwischen Superreichen (ganz wenigen) und Superarmen (ganz vielen). Aber dass es zementierte Klassenverhältnisse gäbe in den USA, ähnlich der britischen Upper-Class, nur nicht so alt aber genau so abgeschottet, blasiert, mit eigener Sprache und Regeln der Selbsterhaltung, sich wieder und wieder speisend durch Elite Preparatory-Schools anstelle der staatlichen Highschools, Elite-Colleges und ebensolche Universitäten, erreichbar durch Geld und Macht, das hätte ich so nicht gedacht. Die absolute Oberklasse beliebt zu leben in einem elitären Mikrokosmos, abgeschirmt von Armut und Verzweiflung durch Wachpersonal und eigene Leibwächter, lässt einzig ihresgleichen gelten als Partner und Umgang. Wehe dem, der versucht, einzudringen. So gelernt in Louis Begley: "Ehrensachen". Begley hat sich selbst beschrieben, einer der Protagonisten ist sein alter Ego, wie er in Polen geboren, als Jude den Schergen Hitlers durch gütige Menschen entkommen, die ihn uns seine Eltern versteckten, mit denen in die USA ausgewandert. Hochbegabt studiert er mit einem Stipendium in Harvard, orientiert sich an den Idealen des "American Dream" und der seiner Freunde, Oberschichtkinder, die anders sein wollen doch wenig anders sind. Er, der Jude, der keiner sein will, muss sich eine andere Identität zulegen um festzustellen, dass Jude im "freisten Land der Welt" ein kaum abzuschüttelnder Makel ist. Auch das hatte ich nicht erwartet, dass Antisemitismus in den USA bis in die Oberschicht weit verbreitet ist. Er erreicht viel um festzustellen, dass er sich verloren hat in diesem Spiel.

 

Wir haben sie am Samstag besucht, die Ausstellung "Der frühe Dürer" im Nürnberger Germanischen National Museum. Sie ist allemal einen Besuch wert. Empfehlenswert, sich die Eintrittskarten im Internet zu besorgen (http://der-fruehe-duerer.gnm.de/hauptmenu/der-fruehe-duerer.html), wir haben über eine Stunde in den Schlangen gestanden. Und das war noch kurz, am Sonntag davor haben die Menschen 3 Std. gewartet. Faszinieren, hinter die Kulissen seines Schaffens zu blicken, zu sehen, wie er geworden und gewachsen ist, sich vorbereitete, seine Werke geschaffen hat, auf Vergrößerungen seine Kunst der Pinselführung zu bewundern (phänomenal, wie ein intensiv dich anschauendes Auge gemalt wird, in dem sich eine Tür spiegelt), einzigartig, wie er sich und seine Umwelt dargestellt, eine neue Kunst kreiert hat. Da müssen wir nochmals hin.

 

Muslimische Frauen bevölkern den Park auf Decken und Stühlen, ruhen in sich, bewegen sich langsam und würdevoll, sind so ganz anders als wir. Ich bin fasziniert. Der Freitag war eins zu viel der Feierei mit M, gutem Wein und wohlschmeckendem Essen. Schade. 

 

Der Schmetterling der Traurigkeit bedeckt mit seinen grauen Flügeln ein Loch. Wehe wenn er auffliegt.


(Musliminnen im Park in Nürnberg, weitere Bilder im Fotoalbum)

P1040516

 

 

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