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Freitag, 30. oktober 2009 5 30 /10 /2009 17:28

Rio de Janeiro kannten und liebten wir bereits, auch wenn es als gefährliche Stadt verschrien war. Von Ecuador aus hatte ich in Rio eine Tagung besucht, eine Woche lang Stadt und Menschen genossen, kam zurück nach Quito, nahm M am Arm: Da müssen wir hin. Wir fuhren. Im nächsten Urlaub. Was für eine Wohltat, diese herrlichen Strände, diese schönen, netten Menschen (später sollten wir formulieren: die weniger netten Cariocas, Bewohner von Rio, sitzen im Gefängnis oder stehen in Deutschland in der Zeitung), diese Lust zum Feiern und Flirten in der Luft, die Getränke, Bars und halbseidenen Straßenrestaurants, in denen man gut essen konnte, die aber auch Treffs der Touristen mit schönen und bereitwilligen Damen und Herren war, die gesamte Copacabana hinab. Nachts gingen wir aus, tanzen, schauen, staunen, was es alles gibt.  Mit M, blond und sexy angetan, kam ich beschwingt in unser Hotel zurück. Der Nachtportier kannte uns nicht, redete auf mich ein, unverständlich. Er kam uns bis zum Zimmer nach, hielt einen Anmeldezettel hoch, ich verstand, eine Dame mitbringen kostete extra. Er wollte nicht glauben, dass sie die Ehefrau war. Zum Essen wurden immer Vorspeisen gereicht, die Oliven aß ich alleine, im Hinterkopf, M mag sie nicht. Nach 14 Tagen fragte M, warum sie nie Oliven kriege, sie, die sich die schönen Sachen immer zum Schluss aufbewahre, aber dann seien sie immer weg. Vom Donner gerührt versuche ich bis heute, ihr mehr Oliven als mir aufzulegen. Das große Badetuch mit der barbusigen Mulattin, auf die ich mich gerne lege, habe ich bis heute. Mitten auf der Av. Atlantica, der sechsspurigen Uferstraße die Copacabana hinauf und hinunter, standen unter Palmen Verkaufsstände. Da hatte ich die Dame gesehen und mich verguckt, ohne Traute, sie selbst zu kaufen. Wir saßen bei einer Caipirinha mittags im Lokal, M sagte, ich hole sie dir, verschwand unter den Menschen, kam lange nicht zurück. Ich bestellte eine 2. Caipirinha, ging zum Klo, kam zurück, der Ober fragte, ist das nicht ihre Dame, die hat nach ihnen gesucht, jetzt geht sie da unten. Im Stehen stürzte ich das starke Getränk hinab, begann zu laufen und war besoffen, als ich M erreichte. Caipirinha, in der Hitze geschüttelt ist nicht zu empfehlen. Von da an war Rio unsere Traumstadt und das Angebot, ein Büro der Ebert-Stiftung zu leiten, unwiderstehlich.  

Aller Anfang ist schwer. Portugiesisch mussten wir lernen. Die Sprache, oberflächlich dem Spanischen ähnlich, vielleicht so, wie Holländisch und Deutsch, einige Worte kommen bekannt vor, müssen aber keinesfalls die selbe Bedeutung haben, das lernten wir schnell. Mein neuer Mitarbeiter reagierte indigniert bei der Frage, ob er eine oficina habe, ein Büro auf Spanisch. Nein, natürlich nicht, woher auch, er habe ein Escritorio. Komisch, das hieß Schreibtisch in Spanisch. Was sind das für Arbeitsverhältnisse? Die Verwirrung löste sich später auf, oficina bedeutet Werkstatt, escritorio Büro. Peinlich wurde es bei der Gastgeberin. Wir lobten, ihr Essen sei exquisit, vorzüglich, auserlesen. Sie wandte sich beleidigt ab, wer will schon hören, sein Essen sei esquisito, sonderbar, eigenartig. Das alles und noch mehr erfuhren wir in unserem Sprachkurs. Sechs Wochen 8 Std. am Tag strietzten sie mich, M kam gut mit der Lernmethode zurecht.

Salvador da Bahia (komplett: Salvador de Bahia de Todos os Santos), das schwarze Herz Brasiliens liegt an der Küste, fast schon im Norden des Landes. Die Stadt an der Allerheiligen Bucht ist wohl die exotischste und exzentrischste in Brasilien. Zwei Drittel der Bevölkerung sind Nachfahren der schwarzen Sklaven aus Afrika und entsprechend geprägt ist das Leben. Afrikanische Riten, Kulte und Religion trifft man überall. Hervorragend auch das Essen, Bahias Küche zeigt deutlich afrikanische Einflüsse. Zu den Grundzutaten gehören das Öl der Dendê-Palme, Kokosmilch, Garnelen und Muscheln, Gewürze der Region wie Pfeffer und grüner Koriander. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn ich nur die Namen lese: Vatapá, mein Lieblingsessen, ein Püree aus getrockneten und frischen Krabben und kleinen Fischstücken gekocht zusammen mit Cashewnüsse, Erdnüsse, Zwiebeln, frischer Koriander, frische Ingwerwurzel, Palmöl, Bohnen und Kokosmilch. Das Gericht wird mit einem Brei aus Reismehl und Kokosmilch serviert und mit einer scharfen Soße gegessen. Oder Moqueca, auch mein Lieblingsessen (ich kann mich nicht entscheiden): ein Eintopf aus Fisch (de peixe), Tintenfisch (de lula) oder Trockenfisch (de bacalhau) und Kokosmilch, Palmöl, Koriander, Petersilie, Tomaten, rotem Paprika, Knoblauch und Zwiebeln, kommt kochend und sprudelnd auf den Tisch. Dazu werden Reis, Pfeffersauce und geröstetes Maismehl gereicht. Oder das Acarajé: ein Bällchen aus Bohnenmus und Krabben, in heißem Palmöl frittiert. An jeder Straßenecke lockt eine Bahianisch-afrikanische Matrone mit Leckerbissen.

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  • Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte
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