Artikel teilen! von Einem der auszog...(33) Rio de Janeiro (1992-97) Copacabana, Leme&Cariocas: Copacabana! „Palmenblätter rauschen in sanfter Brise. Milc ...
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Copacabana! „Palmenblätter rauschen in sanfter Brise. Milchkaffeebraune Körper, in winzigen farbenfrohen Tangas zur
Schau gestellt, räkeln sich auf glitzernd weißem Sand. Kristallklares Wasser zerstäubt am Ufer zu Wolken kühlen Schaumes. Und darauf brennt unablässig die Sonne vom azurblauen Himmel“. So preist
ein Nachrichtenmagazin den Traumstrand der nicht nur ein Traum ist.
Wie ein perfekter Halbmond geformt schwingt sich die Bucht 4 Km vom Morro do Leme, dem Hügel von Leme hoch zum Arpoador zwischen Copacabana und Ipanema, dem Fort von
Rio mit der großen Kanone davor, Krupp steht drauf. Zwei Mal wurde mit ihr geschossen, in den 20er Jahren, einmal auf ein fliehendes Schiff, ohne zu treffen, das zweite Mal haben die Matrosen die
Kanone herum gewuchtet und ein paar Ladungen in das Stadtzentrum geschickt weil Revolution war und die Machthaber sich dort verschanzt hatten. Ich weiß nicht mehr wie es ausging, viel ist nicht
passiert, wahrscheinlich haben sie irgendwann gefeiert.
Weltberühmt Strand und Stadtviertel, mehr sogar als Ipanema, dem anschließenden, reicheren, bekannt durch den Bossa Nova vom
liebliche Mädchen mit seinem wundervollen Gang, bleibt Copacabana Star in der Kette von 30 Km Sandstrand, einer hinter dem anderen, sich bis hinunter nach Grumari ziehend, dort, wo das Moor mit
seinen Mangroven anfängt, die Welt der Cariocas, der Bewohner von Rio, zu Ende ist und die Sonne untergeht. In Leme, am unteren Felsen, beginnt unser Hausstrand. Hier stößt die Avenida Atlantica,
die breite Uferstraße, an den in das Meer hineinragenden "Morro", schwingt in einer Kehre um, entlässt ein paar Seitenstraßen weiter die Avenida Rainha Isabel, die Verbindungsstraße, durch einen
Tunnel in die Stadt, führt an berühmten Hotels rechterhand vorbei, an Straßencafés, aus denen Samba und Bossa Nova-Rhythmen klingen, an architektonisch gelungenen Wohnblocks, an Bars und
Tanzlokalen, linker Hand der fast immer bevölkerten Strand. Es ist der Ort, an dem sich Rio trifft, Alt und Jung, Reich und Arm. Dies sicher auch ein Spezialität der Stadt, die keine
Rassengrenzen kennt besonders, wenn schöne Körper knapp verhüllt sind. Einem Tanga sieht man nicht an, ob er aus der Favela oder der Villa kommt. Der Strand ist Treffpunkt, Vergnügungsviertel,
Sport- und Spielfeld - alte Männer sitzen an einem Ledertisch mit Laschen, in die Spielkarten geschoben werden, damit sie nicht wegfliegen, Angler haben ihre weit reichenden Leinen ausgeworfen,
verweilen daneben, junge Männer stehen, immer, die Arme vor der Brust gekreuzt, reden, schauen, lauern auf ihre Chancen bei den Mädchen, die, wenn sie nicht gerade flirten, sich das lange
glänzende Haar bürsten, mit Lotion betupfen, damit es nicht ausbleicht, sich sorgsam einölen, an ihren Minibikinis herumzupfen. Damen sitzen unter ihren Sonnenschirmen, alte Männer auch, ganze
Familien haben sich ausgebreitet, essen, trinken, lachen, quatschen.
Dazwischen Verkäufer mit Getränken, Chips, Spießen mit gegrillten Krabben, Sandwiches, Sonnenbrillen, Schmuck, Sonnenöl, schleppen ihr Gepäck stundenlang, durch den
Sand watend, rauf und runter. Munter geht es zu, einige im Wasser haben den Trick raus, unter den anrollenden hohen Wellen hindurch zu tauchen, andere werden überrollt, kommen lachend, prustend,
leicht erschreckt von der Wucht wieder auf die Beine, Fußgänger flanieren, laufen am Wasser entlang, den anrollenden Wellen ausweichend, manche joggen im tiefen Sand. Und den gebräunten, hageren
älteren Frauen und Männern sieht man die sechzig Jahre Strandlauf in der Sonne Rios an. Schwarze, dünne Straßenkinder, die im Sand übernachtet haben, stehen auf, wenn es zu heiß wird, nehmen ein
Bad oder gehen betteln. In Abständen, nahe der Avenida, rustikale Fitness-Geräte, an denen muskelbepackte Figuren hängen und ihre Übungen machen. Den Strand hinauf auch die Postos 1 bis 8, ovale
Türme von deren oberen Stockwerk Lebensretter Ausschau halten, zumeist eher nach hübschen Mädchen.. Nachts ist der Strand angestrahlt und ebenfalls bevölkert. An den kleinen Büdchen sitzen
Menschen, reden, schauen, genießen, trinken Kokoswasser , Bier, Caipirinha, Fruchtsäfte, frisch gepresst. Und Fußball, immer und überall wird Fußball gespielt, für Mitteleuropäer nicht ganz
einfach im tiefen Sand, oder Fuß-Volley, die akrobatische Variante, 3 gegen 3 darf der Ball barfuß nur mit der Brust, dem Kopf oder den Beinen angenommen, über das Netz ins andere Feld geschlagen
werden. Natürlich spielen sie auch Beachvolley, gekonnt und spannend anzusehen. Sie spielen tagsüber, abends, die ganze Nacht. Und wenn man um 4.00 oder 5.00 Uhr früh vom Tanzen kommt, hält man
an einer der vielen Strandbuden und trinkt ein eiskaltes Kokoswasser aus der Kokosnuss, plaudert mit den anderen, die Spätheimkehrer vermischen sich mit den Frühaufstehern, und gemeinsam
betrachtet man voller Andacht und Dankbarkeit die
Sonne, die als großer, roter Ball aus dem Meer steigt, das Wasser zuerst
dunkelrot, dann lila und tiefblau, schließlich silbern und türkis färbt. Manchmal klatschen sie, die Cariocas, begrüßen den neuen Tag der besonders schön sich ankündigt.
(Prima Seite mit ner Menge Infos über Urlaub in Rio :