Gebrauchsanweisung
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Leme wird der untere Stadtteil am Strand genannt, vom Ort Copacabana durch die Princesa Isabel getrennt, klein und ruhig das Viertel mit
vielen alten Leute, netten Geschäften, Märkten, Plätzen, ohne Bars aber mit hervorragenden Restaurants. Hier wollten wir wohnen M klapperte Wohnblock für Wohnblock ab, fragte
die Wächter am Eingang - jedes Haus hat Bewachung, die sitzt hinter einem Tisch in den großzügig gestalteten Eingängen. Eine Traumwohnung war es nicht, die wir fanden mit ihren verwinkelten,
engen Zimmern, da hatten wir ganz andere, reichere gesehen. Aber
sie hatte einen Traumausblick aus dem 11. Stock, links auf das Ende des Strandes mit dem Felsen, rechts hinauf auf die ganze Copacabana und genau vor uns Strand und Posto 1, Beginn des
bewachten Teils und Treffpunkt der Verliebten.
Nicht nur die landschaftliche Schönheit hatte uns gereizt. Der Blick auf das muntere Treiben war exotisch und wurde nie langweilig. Tag und
Nacht war etwas los am Strand, auf der Promenade, in den Bars und Kaffees, den Restaurants, den Diskos und Nachtlokalen, den Absteigen und Hotels, immer Bewegung, immer was zu genießen, zu
erleben, gut für Abenteuer.
Die breiten Fußgängerwege beidseitig der Uferstraße, von
Niemeyer und Marx, den brasilianischen Stars unter den Architekten und Landschaftsgestaltern schwungvoll an- und ausgelegt - das Pflaster spiegelt die Meereswogen, zeigt abstrakte Kunstwerke -,
sind Meilen zum Flanieren. Wie in südlichen Ländern üblich wird es voll am späten Nachmittag, dient zum Sehen und Gesehen werden, zum Anbändeln und sich Treffen, zum kurzen
Plausch und Dabei sein, zum Schauen und Genießen und auf den Bänken haben sich Verliebte ineinander verknotet. Sport steht ganz oben bei den Cariocas, schließlich trägt man öfters Haut denn
Anzug, hat einen Körper als Markenzeichen. Fahrrad fahren sie, fast 100 Km Fahrradweg gibt es in Rio, die genutzt werden, aber auch Jogger und Skater trainieren und die Body Builder am Strand
sowieso. Voll sind auch die himmelvielen Studios, eine Besonderheit sind Spezialübungen für den Bumbum, den Hintern, geliebtes Objekt körperlicher Schönheit bei den Cariocas. In Spezialgeschäften
kann man Korsetts mit eingearbeitetem Knackarsch erwerben wie anderswo den BH mit Einlagen. Zumeist brauchen sie die Hilfe nicht, besonders die Mulattinnen, die von der Natur mit idealem Bumbum
Begünstigten.
Sonntags wurde die Avenida, strandseitig für den Autoverkehr gesperrt, zum Festplatz für Familien. Dann wurde auf der Straße gegrillt, gefeiert, gegessen, Musik gemacht, gesungen und getrunken und wem es zu heiß wurde, der ging ins Wasser. Natürlich wurde all das übertroffen von den Straßenfesten zum Karneval. Anwohner samt Opa, Oma und Kindern sperrten ganze Nebenstraßen ab und feierten bis tief in die Nacht hinein, singend, tanzend, trinkend, Musik machend, manche gekleidet in Fantasiekostüme die mehr zeigten als verhüllten. Wann der Karneval begann? Kurz nachdem der alte aufgehört hatte.
Und einmal pro Woche gab es eine dieser Rallyes von "Viva Rio" gegen Hunger, die als Teilnahmegebühr Lebensmittel auf Lastwagen sammelte, sie umgehend in den Armenvierteln verteilte. Tonnen kamen zusammen, der gute Zweck verbunden mit sportlichem Ehrgeiz.
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