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(Fortsetzung von: im Sprachkurs in Bahia)
Langsam verstanden wir mehr und eines Abends beim Fernsehen alles. Was ist das? Hat es plötzlich einen Durchbruch gegeben, war die Sprache uns zugeflogen? Die Hochstimmung löste sich auf, wir hatten eine Sendung in Spanisch gesehen.
Sie kam mit der Zeit, die Sprache, wurde melodisch, schön, elegant in ihren Wendungen. Fragte einer nach: é? konnte die Antwort sein: é! und bedeutete: wie, meinst du das wirklich? Ja, natürlich, das ist meine Meinung. Noch immer schlichen sie sich ein, diese vermeintlichen Ähnlichkeiten aus dem Spanisch. Queridos expertos, begrüßte ich die Teilnehmer des Seminars und erntete verschämtes Gelächter. Ich hatte sie als Schlitzohren bezeichnet, sie fühlten sich entlarvt. Auch das schliff sich ein, heute liebe ich das brasilianische Portugiesisch.
Und die Brasilianer, allen voran die Cariocas, die Rio bevölkern, die lebenslustigen, keiner Feier abholden, freundlichen, mitmenschlichen (M: jedes Mal wenn ich vom Einkaufen zurück komme, bin ich glücklich, jedes Mal haben sie mir was Nettes gesagt), die angenehmen, friedfertigen. Ja, friedfertig, wir wissen um die Bandenkämpfe in den Favelas, wir kennen die Korruptheit und Brutalität der Polizei und haben die Militärdiktatur nicht vergessen, die soviel Leid gebracht hat. Trotzdem bleibt, dass Brasilien nur einen einzigen begrenzten militärischen Konflikt mit seinen Nachbarn ausgetragen hat und das noch kurz (auf Drängen der USA hat Präsident Vargas ein Kontingent von Soldaten in den 2. WK geschickt.) Fremder bleibt man unter ihnen, den einwanderungsgeprägten, nur so lange man die Sprache nicht spricht. Egal ob schwarz, braun, blond, rot oder gelb, in der Multi-Kulti Gesellschaft fällt man nicht auf. Eher durch Hölzernheit in Gebärde und Rede und zu große Bikinis. Auf dem Inlandsflughafen in Rio beobachten wir eine Gruppe Frauen, dem Äußeren nach Deutsche in ihren Trachten, doch Bewegung und Diktion, die uns undeutlich erreichte wiesen sie als Brasilianerinnen aus. Sie kamen aus dem Süden des Landes, der deutschstämmigen Kolonie, waren längst Brasilianerinnen, behielten alte Sitten und Gebräuche, manche auch ihre Muttersprache, fremd klingend aus einer früheren Zeit, angereichert mit einheimischen Vokabeln. Moch mol die Janellen (Fensterläden) zu, dos Sofa moliert (wird feucht). Entspannend zu beobachten ihre Freude am Sex und Verlieben. Nicht nur die bildschönen Mulatas am Strand in ihren Zahnseide-Bikinis und ihre nicht minder gut aussehenden Verehrer, alle, bis hin zu den alten Leuten, die sich, braungebrannt, nicht zierten, ihre verflossene Schönheit zu zeigen, waren im Dauerflirt. Ein junger Mann in Badehose, hielt uns auf der Avenida Atlantica an, könnt ihr mich mitnehmen, ich muss dringend zu meiner Bar in Ipanema, Gitarre spielen und nun hab ich die Zeit vergessen - und meine Kleider. Am Strand, sprudelte es aus ihm vor Begeisterung, hab ich eine wunderschöne Frau kennen gelernt, wir sind zu ihr, ich bin dann kurz eingeschlafen, meine Kleider haben meine Freunde und ich muss jetzt arbeiten. Danke, sagte er, dass ihr mich mitnehmt. Ich hab kein Geld, dafür spiele und singe ich euch eine eigene Komposition. Der Bossa Nova wurde im Wagen getrommelt, auf dem Polster, an der Decke, am Fenster, auf dem Blech und machte auch uns glücklich. Zum glücklich Sein ist zuträglich Sonne, eine Caipirinha, Musik und ein netter Flirt mit Alt oder Jung, so lernten wir.
Das Alles erfuhren wir später, nach dem Sprachkurs, dem vermaledeiten, in Rio.
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