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Montag, 16. november 2009 1 16 /11 /2009 12:46

Avenida Atlantica quinientos catorce, once cero meia klingt uns immer noch melodiös in den Ohren, Nr. 514, 1106 war unsere Adresse, fortan beliebte Anlaufstelle für Familienmitglieder, Freunde, Bekannte, weniger Bekannte, die uns gerne besuchten oder schon immer mal nach Rio gewollt, aber nicht die Traute hatten. Nun seid ihr da, nun kommen wir gerne. Sie kamen und waren willkommen. Freunde zu empfangen, ihnen "unsere" Stadt, all die schönen Seiten vorzuführen, die weniger schönen zu erklären, die in Rio oft noch reizvoll sind, nicht zu unterschlagen, wurde zum Ritual. Meist holten wir sie vom Flughafen ab,

(ancklicken und vergrößern lohnt sich) fuhren die schöne Strecke durch Botafogo, unter dem Christo Redentor hindurch, an der Lagoa, der traumhaften Lagune vorbei, stießen weit oben auf die Copacabana und waren stolz auf die aaahs und oohs, als wenn wir die Schönheit extra für sie geschaffen. Oft war die Hitze ein Anfangsproblem, die meisten aber genossen sie am Strand nach einigen Tagen. Petra und Martin kamen am Flughafen an, dem tiefgekühlten, wir stiegen in den Wagen mit Klimaanlage, sagt Petra, ach, hier ist es gar nicht so warm wie ich dachte. Streck mal den Arm zum Fenster hinaus. Sie zog ihn schnell mit einem auweia wieder zurück. Die Strandetikette waren einfach zu vermitteln, Frauen tragen Bikini, einen Kanga um die Hüfte,  Männer dürfen als Machos mit blankem Oberkörper zu Badehose gehen, Flip Flops sind empfehlenswert, der Sand ist heiß, Strandstühle und Sonnenschirm gehören dazu, die Sonnencreme nicht vergessen!  

Helmut, M´s Vater, war der Erste der zu Besuch kam. Zwei Monate vorher lies er am Telefon beiläufig wissen, er wolle nun Geld tauschen. Um Himmels willen nein, die Hyperinflation, in zwei Monaten ist das Geld nur noch ein Viertel wert!  Er sah es nach langer Bedenkzeit ein. Nimm nicht alles Geld mit an den Strand! warnte M. Helmut ging mit einer Plastiktüte, er brauchte Zigaretten mit Nachschub. Die Tasche fiel ihm aus der Hand, Zigarettenpackungen, Flachmann, Dokumententasche purzelten heraus und ein Packen Geld wirbelte im Wind davon. Lachend sammelten die Umstehenden ein was sie kriegen konnten, brachten es zurück, es fehlte nicht viel. Am Strand setzte er sich brav unter den Schirm, cremte sich ein, hatte seine Füße vergessen, die unter dem Schatten herausragten. Später konnte er kaum noch laufen, sie waren mit krebsroten Brandblasen bedeckt.

Carina, unsere Nichte, wollte auch einen Tanga wie die anderen Frauen an der Copacabana. Gerne, ein Tanga ist ein schöner Anblick an einer jungen, sportliche gestählten 16 jährigen und bei aller Freizügigkeit schon eine konservative Badebekleidung, denn der "fio dental" die "Zahnseide" war Mode. Sie aber vergaß, dass das kleine Stoffstück nur Teile des Allerwertesten bedeckte, Teile, die die Sonne nie sahen, tobte weiter am Strand und im Wasser, zeigte FlicFlacs, Saltos, Überschläge, begeisterte nicht nur Männer. Am Abend war sie dreifarbig. Braun, weiß und rot in Herzform dort, wo man sich drauf setzt. Sie stand lieber.

Das beste Rodizio hatten wir in der Nähe, am unteren Ende von Leme. Es war eines der typischen Restaurants, in dem man zu einem Fixpreis Fleisch bis zum Abwinken essen kann. Die Ober kommen mit langen Spießen immer wieder an den Tisch, und schneiden von den unterschiedlichsten Sorten gegrilltem Fleisch ausgewählte Scheiben ab. Es ist herrliches Fleisch von freilaufenden Rindern. Dazu gibt es das traditionelle Farofa (geröstetes Maismehl), gebratene Bananen, Gemüse, Reis, Yucca, Bohnen, Würste, Hühnerherzen, Fisch, gebackenen Käse, Salate, was du willst. Essorgien sind es, bis man die Anzeige auf dem Tisch auf "langsame Bedienung" oder "Schluss" stellt. Dahin führten wir unsere netten Besuche, gut essen und trinken gehört zu Brasilien.

Carina hatte sich rundum satt gegessen, stöhnte beim Rausgehen, ich brauche Bewegung, fing in ihrem kurzen Röckchen ihre Standardparcour Bodenturnen an, Rad links, Rad rechts, Handstand, Radwende, Flic Flac, rauf auf die Steinbänke, runter, das ganze Programm, tobte wie ein Wirbelwind vor dem Lokal herum - und die wartenden Taxifahrer spendeten Beifall, wollten mittoben. Wir mussten sie schnell aus der Eroberungszone manövrieren. Noch lange hörten wir ihre anerkennenden Pfiffe.

Frank wurde Rekordesser. Er ließ Spieß um Spieß kommen, wir waren schon lange fertig, konnten kaum noch hinschauen, Frank schmeckte es. Die Ober wurden aufmerksam, der kanns, sagten sie ehrfurchtsvoll, kamen mit neuen Sorten, strahlten, freuten sich über solch eine Resonanz. Bis Frank die Anzeige auf dem Tisch auf "Schluss" stellte. Da strömten sie noch ein Mal herbei mit all ihren Köstlichkeiten und boten ihm an, noch ein wenig, du kannst das, meins, schau her, ist besonders köstlich. Bis sie den Jungen überredet hatten, er noch ein Stück Filet nahm. Da klatschen sie. 

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