Gebrauchsanweisung
Sie stehen im Kasten rechts. ---------------->
Zurück zur Eingangsseite hier: Hauptseite
Marga kam mit Mirjam, unserer 13jährigen Nichte, und beide brachten Bewegung ins Haus. Was machen wir jetzt? Die kleine Mirjam
sauste wie ein Wirbelwind am Strand entlang, kannte schon nach wenigen Tagen die Tricks durch die Wellen zu tauchen, auf einem Surfbrett zu stehen, mit der Sonne um die Wette zu strahlen, sich
die Bewunderung der jungen Wellenreiter zu versichern.
Ein besonderes Abenteuer brachte sie fertig auf diesem Urwaldpfad, nahe
Parati. Der Guide warnte, den Wasserfall hinunter könne nur rutschen wer so erfahren sei wie er, sprang auf den Felsen im Fall, glitt hinab wie ein Surfer. Kaum hatte Mirjam das gesehen, war sie
schon hinter ihm her, stand einen Moment, fiel, lag quer, kam gerade, Marga schrie, Mirjam auch, aber vor Jubel.
Sie kam unten an und sprang von hoher Warte kopfüber in den Teich.
Paulo, Fahrer, Bürohilfe, Besorger, bekennender Christ, ebenso wie Marga, lud uns zum Gottesdienst ein. Der war schon anders
als der gewohnte. Vorne auf dem Podium würdevoll aussehende Männer auf Stühlen in einer Reihe,
eine Rock-Band machte fetzige Musik, Kinder liefen herum, Erwachsene unterhielten sich, gingen raus, kamen zurück, die große Menge Menschen saß nie still, war immerzu beteiligt am
Gottesdienst, war freundlich-fröhlich und schloss uns umgehend mit ein. Da sind Gäste, sagte der Prediger, begrüßen wir sie, oi, ihr da, wer seid ihr, steht doch mal auf, wir sagten
schüchtern unsere Namen, willkommen, willkommen und alle klatschten. Es wurde gesungen, manche Lieder kannten wir, die Band begleitete, gebetet, gepredigt ganz kurz nur mit Hilfe eines
Overhead-Projektors, der die Kernsätze visualisierte, Menschen gingen nach vorne, gaben Zeugniss ab, manches war simpel, manches lustig, manches ernst, aber immerzu war Freude da, Leben,
beteiligt sein, eingeschlossen sein in eine herzliche Gemeinschaft. Der Gottesdienst dauerte zwei Stunden, war nie langweilig, hat mir imponiert.
Sie sahen aus wie eine Reklame für Black&White, Alex, unser 15-jähriger Neffe und sein Freund, dunkel, fast schwarz der Eine, blendend weiß der Andere. Nery, unsere
Haushaltshilfe, hatte ihren Neffen mitgebracht, die beiden Gleichaltrigen befreundeten sich umgehend, die unterschiedlichen Welten, aus der sie kamen, störte nicht, sogar die Sprache war keine
Barriere, sie unterhielten sich auf Deutsch und Portugiesisch, Diktion und Zeichensprache reichte aus. Komm mit an den Computer, vamos a praia und sie trotteten los, an den PC, an den Strand. Da
saßen sie oft nebeneinander, schauten aufs Meer, beobachteten die Jungen beim Wellenreiten, beide waren nicht so wild. Sie brachten sich ihre Spiele bei, waren tagelang
unzertrennlich.
Alex sollte zumindest einmal raus aus seiner reichen Welt, die Wirklichkeit der brasilianischen Mehrheit kennen lernen. Die Einladung seines Freundes kam recht. Sie fuhren, nicht bequem mit Wagen und Fahrer, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Nach 3 Tagen kam er zurück. Begeistert und nachdenklich. Wie die leben, sagte er, kaum vorstellbar. Und was die für einen Spaß haben. Die Mädchen hatten ihm mit seinen zwei linken Füßen Samba beigebracht, gut, ein bisschen, sagte er, es hat mit gefallen, ach was für nette Leute. Geburtstag hatten sie gefeiert, stell dir vor, sagte er, eine Matratze haben sie ihm geschenkt, alle haben zusammen gelegt. Eine Matratze! Was wir alles kriegen, aber der hat sich gefreut. Schade, sagte er, dass ich nicht etwas älter bin. Solche Mädchen.
Sag nie, das esse ich nicht bevor du es nicht probiert hast, ermahnte ich ihn. Bei meinem Freund, sagte er, hab ich auch alles gegessen, es gab manchmal
nur Bohnen mit Reis und hat geschmeckt. Von da an probierte er, der sonst so wählerische, alles, sogar eine Auster. Die schmeckte ihm nicht. Vielleicht in 10 Jahren?
Neueste Kommentare