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Friday, 4. december 2009 5 04 /12 /Dez. /2009 09:50

Ich konnte nicht darüber reden, jedes Mal kam das Ereignis geballt zurück, katapultierte mich in die unsäglichen Gefühle. Mein Psychologe versuchte es mit Hypnose, Visualisierung, Träumereien. Hatte schon mein Zeichnung ein Blockhaus mit dicken Palisaden dargestellt, in das ich mich verkriechen konnte, war die Frage, wo ich als Adler am liebsten herum schweben, mich sicher fühlen würde, später eine Leitlinie. Mein Dorf kam in den Traum, über dem schwebte ich, hatte gleichzeitig die Möglichkeit, weiter zu fliegen, ganz weit. Deshalb haben wir in H ein Holzhaus gebaut, es versprach Geborgenheit. Aber reden konnte ich noch immer nicht darüber, versperrte es, machte die Tür zu, wollte nie mehr was davon wissen. Manchmal kam es, wenn M erzählte musste ich gehen, manchmal im Traum, manchmal von alleine beim Grübeln. Meist aber blieb es verschlossen. Jahre später, als ich krank wurde am Burnout, haben sie analysiert, die Erinnerungstür zu schließen sei eine permanente Anstrengung gewesen, die Kraft abzog, dazu beigetragen habe zu der chronischen Erschöpfung. Doch noch immer konnte ich nicht darüber reden, floh die Erinnerungen. Vielleicht kann ich mir was von der Seele schreiben. Ich zittere.

Mehrere tausend Dollar hatten sie mit den Kreditkarten ausgegeben, obwohl sie gesperrt waren. Auch dort, in den großen Einkaufsläden, hatten sie Komplizen. Wir bekamen das Geld zurück, doch nur als Gutschrift, die wir lange aufbrauchten. In unseren Wohnblock hatte sie ein Komplize eingelassen, nicht durch die Pforte, die war bewacht, jeder Besucher wurde telefonisch angemeldet, durch die Garage waren sie gekommen, hatten den 2. Aufzug genommen, waren unangemeldet erschienen, vorgaukelnd, aus einer der Wohnungen zu kommen. Kurz darauf fehlte der Garagenwärter, verzichtete auf seinen Lohn, wurde nie mehr gesehen. Es hatte sich im Viertel herumgesprochen, von uns war es keiner, das können Sie glauben, sagte jemand aus der Favela, wir passen auf Sie auf, Sie kümmern sich um die armen Kinder auf der Straße. Nein, das glaubten wir auch nicht, das waren keine Favelados, man konnte es gut an den Kleidern und der Sprache erkennen. Die hatten eine gepflegten Mittelstandsportugiesisch gesprochen. Nach zwei Monaten erkundigte sich der Konsul, was inzwischen geschehen sei. Nichts. Da kümmere ich mich drum. Eine Woche später kam die Vorladung der Polizei, Verbrecher zu identifizieren aus 20 Jahre alten Alben, einzig schwarze junge Männer zeigend. Das aber war nicht das Schockierende, Angst einjagende. Da liefen sie rum, genau dieselben Typen die uns überfallen hatten mit genau den selben Pistolen im Hosenbund. Die Haare standen uns zu Berge, wenn wir sie gesehen, identifiziert hätten, unsere, wir wären da nicht mehr lebend raus gekommen. Nie wieder sind wir hin gegangen.

Wir haben Sicherheitstüren einbauen lassen, nicht, dass die verhinderten, jemanden die Tür auf zu machen, sie gaben das was sie versprachen, ein wenig Geborgenheit zurück. M wurde schön operiert, nur wenn man genau hinsieht, sind da noch Narben. Die Narben der Seele sind nicht ganz verheilt, doch wir konnten bleiben in der Stadt, die wir so geliebt hatten. Und später wieder liebten. Cariocas sind nette Leute, sagt M, die Anderen stehen in der Zeitung.

Nein, Erleichterung hat sich nicht eingestellt beim Schreiben, Befriedigung allenfalls, dass ich es ausdrücken, damit leben kann. Das ist doch schon was.

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