Artikel teilen! von Einem der auszog... (39) Rio de Janeiro (1992-97) Erdnusskinder Teil I: hSie gehörten zu den Erdnusskindern, jenen, die den Tag lang die Cop ...
Andere Welten oder: vom Leben in Chile, Ecuador, Brasilien, Kolumbien, Tansania, Mosambik und immer wieder Deutschland
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hSie gehörten zu den Erdnusskindern, jenen, die den Tag lang die Copacabana hinauf und hinab sich durch die Tische der Strandbars zwängten, schlanke spitz zulaufende Tütchen mit Erdnüssen in der Hand, die ihre Mütter, unsichtbar irgendwo am Rand sitzend rösteten und lauter oder leiser "amendoin" anboten, eine Handvoll für wenige Cent. Aufgefallen waren sie uns, die zwei Jungen, weil sie schüchterner als die Anderen waren, fast unsichtbar standen sie manchmal neben den Bars, hielten ihre Ware in der Hand, trauten sich nicht so recht. Freilich hatten sie ein wenig Hunger als wir sie fragten, Leandro und Alesandro seien ihre Namen, freundlich bedankten sie sich, fragten, ob sie die Reste des Mahls mitnehmen dürften für ihre kleinen Schwestern. Den nächsten Tag standen sie wieder da, jetzt hatten wir Erdnusslieferanten wie andere Koks. Dann waren sie zu viert, brachten Michelle und Raquel mit, niedlich die beiden, jünger noch mit einem Lächeln wie Engel. Aus Niterói seien sie, erzählten sie, von drüben jenseits der Bucht, jeden Morgen bringe sie der Bus zum Strand da unten an das Ende von Leme, da seien ihre Mütter, 1 1/2 Std. morgens und abends nochmals sei die Fahrzeit und heim könnten sie erst, wenn es dunkel würde. Väter, ja, einer war da, die anderen weg und das Geld reiche gerade für Gas und Reis, manchmal Bohnen. Wir kannten die Gegend wo sie wohnten, auf der Strecke zu den nördlichen Stränden schwang sich die Niterói-Brücke 13 Km über die Guanabara Bucht, führte an der Rio gegenüber liegenden Stadt vorbei, am nördlichen Ende durch eine Favela mit himmelvielen Bretterbuden eng beieinander stehend. Da waren sie zu Hause. Was ist mit der Schule? Die Jungens schauten traurig, die Mädchen unbekümmert. Leandro und Alesandro wollten lernen, sie wussten von ihrer einzigen Chance, lernten wenn es ging und sorgten ansonsten für ihre Familie. Wir wurden Freunde.
Jorge, der Ober in unserem Stammlokal unten in Leme hatte immer einen Tisch frei am
Samstag für die Feijoada, jenes traditionelle Essen aus schwarzen Bohnen, Reis, Trocken- und verschiedenem Schweinefleisch, Füßchen, Schwänzchen, Zunge, alles stundenlang mit Knoblauch zusammen
gekocht, mit Maismehl, Kohlblättern, Apfelsinenscheiben, scharfer Soße und Caipirinha frisch serviert, herrlich sättigend, danach schlief man gut ein paar Stunden und abends gings auf die Jück,
wie die richtigen Cariocas. Nie kriegten wir raus, wie sie die Nachricht übermittelten, sie arbeiteten oft weit auseinander gezogen den Strand hoch je nach Verkaufsmöglichkeiten, auch mal am
Strand lang wenn es notwendig war, aber immer kamen sie kurz nach unserem Eintreffen einer nach dem anderen, nahmen höflich Platz am vorbereiteten Tisch, Jorge ließ es sich nicht nehmen, sie zu
bedienen wie er jeden Gast bediente, ja ein Saft wäre recht, auch mal eine Cola, dann aber fragten sie uns erst nach einer Ausnahme, sie wussten, dass wir das Getränk ablehnten. Freundlich, nett,
wohlerzogen waren sie, unsere Erndnusskinder. Leandro konnte wunderbar zeichnen, bedankte sich mit kleinen Kunstwerken auf Servietten. Und immer fragten sie zum Schluss, ob sie die Überreste
mitnehmen dürften. Für den Rest der Familie. Dann packte Jorge nochmals eine gute Portion Feijoada fein säuberlich ein, es war Tradition in den Restaurants, Essen nicht weg zu werfen, sie in
Pappteller anzurichten, mit Folie einzuschweißen für die Armen, die draußen warteten und sie zogen strahlend ab. Die einheimischen Gäste kannten das Ritual mittlerweile, nahmen Kontakt auf,
fanden es gut.