Thursday, 31. december 2009 4 31 /12 /Dez. /2009 13:45

Doppelt ist die Bedeutung von Sylvester für Brasilianer, dem zweitwichtigsten Fest nach Karneval. Gefeiert wird die Jahreswende und Yemanjá, die Göttin (Orisha) des Meeres, der Schönheit und  Fruchtbarkeit des von Sklaven aus Afrika mitgebrachten und weit verbreiteten Candomblé-Kultes. Der Strand füllt sich mit zumeist in weiß gekleideten Menschen, der Farbe der Göttin  für Glück und Liebe.  Sie bauen  Altäre, legen kleine Spiegel, Parfumfläschchen, Kämme, Lippenstifte, Blumen als Gabe ans Ufer, schicken kleine Boote und Flöße vorsichtig ins Meer, legen heilige Speisen am Strand aus, Sekt und Weinflaschen dazu, die Göttin soll nicht darben. Und wenn die Flut die Gaben abholt, die fragilen Bötchen mit hinaus aufs Meer nimmt, dann hat Yemanjá sie akzeptiert. Und alle wünschen sich Glück und Liebe. Mehrere Bedeutungen können Ereignisse in Brasilien ohne weiteres haben, auch der Candomblé Kult ist durchsetzt mit christlichen Symbolen und Gleichsetzung der Götter mit Heiligen.

Eine Werbebroschüre für Rio beschreibt die Stimmung gut: "Die Strandpartys an der Copacabana und in Ipanema zu Silvester sind legendär. Über 2 Millionen Menschen findet man an diesem Tag dort. Die Strände sind eine einzige riesige Partyzone, die mit brasilianischer Live-Musik aus Lautsprechern untermalt wird. Der obligatorische Sekt um Mitternacht wird hier nicht nur getrunken, sondern zur spritzigen Dusche umfunktioniert. Ein gigantisches Feuerwerk taucht die gesamte Copacabana in ein prächtiges Farbenmeer." Ja, so war das.  

Von unserem Fenster aus hatten wir einen herrlichen Ausblick auf das Treiben. Schon Nachmittags saßen die ersten Gruppen mit Campingstühlen auf dem Mittelstreifen der Avenida Atlantica, grillten und tranken. Nachts füllte sich der Strand von Leme die Copacabana hinauf, dicht gedrängt standen und tanzten die Menschen, ehrten der Göttin und warteten auf Mitternacht. Musik schallte über die Bucht, die sich langsam mit großen und kleinen Booten füllte, alle mit Lichterketten über die Takelage geschmückt. Es war offenbar ein besonderes Vergnügen, die mitternächtlichen Feuerwerke vom Wasser aus zu verfolgen. Rio - 14Das war das 2. zu erwartende Außergewöhnliche. Jedes der großen Hotels richtet sein eigenes fantasievolles Feuerwerk aus in einer von Preisrichtern entschiedenen Kompetenz, die  zu gewinnen eine besondere Ehre und touristische Reklame war. Strandareale waren schon Tage vorher abgesteckt und von Feuerwerkern besetzt worden, die ihre Batterien aufbauten. Nun standen sie da, wuchtig anzusehen, bewacht von Sicherheitskräften und warteten auf ihren Einsatz. Das alles konnten wir prächtig von unseren Fenstern aus beobachten. Gäste luden wir ein, denn wir hatten ein Privileg, das ansonsten teuer erkauft werden musste. Viele Bewohner der Appartements mit Strandsicht hatten ihre Fenster und Wohnungen vermietet für dieses einmalige Spektakel und die Hotels machten dicke Geschäfte. Um Mitternacht ging es los mit einer Lichterkaskade, die wie Wasserfälle den Hang des Morro de Leme (dem Felsen am Strandende) hinunterliefen. Und dann krachten die Feuerwerke los, eines nach dem anderen schossen sie ihre einzigartigen und originellen Farb- und Formenkombinationen hoch in den Himmel von Rio und das ganze Spektakel spiegelte sich im schwarzen Wasser der Buch und erleuchtete den Strand. Atemberaubend jedes einzelne, mir blieb im wahrsten Sinne des Wortes jedes Mal der Mund offen stehen von den donnernden Schlägen, die aufeinander folgten und dem Lichtermeer die Copacabana entlang. Ein Mal hatten sie einen Fesselballon über dem Wasser verankert aus dem bunte Wasserfälle auf das Meer hinabstürzten. Es war ein Traum und die schönsten Feuerwerke, die ich jemals sah.

Die 3. Attraktion folgte nach dem Feuerwerk: Samba-Shows, manchmal Pop-Konzerte mit internationalen Berühmtheiten direkt am Strand und umsonst. Einmal waren die Stones da. Millionen Zuschauer verstopften Copacabana, riesige Leinwände übertrugen bis an die Ecken und Enden, Menschen tanzten im Sand wenn sie Platz hatten, lagen herum, schmusten, liebten sich unbeeindruckt von dem Rummel um sie herum. SYLVES~MSX Marianne RioWer das Glück und Besucher oder eine Einladung hatte, bei dem fing dann die Party zu Hause an. Sie zog sich zumeist in den Morgen hinein. Dann ging die Sonne auf über Menschen, die geblieben waren, im Sand herumlagen oder saßen,  den blutroten aus dem Meer kommend Ball bestaunten, der das Neue Jahr einleuchtete, sie tranken die Reste des warm gewordenen Sektes mit langsamen Bewegungen wie unter Wasser, schauten nach, ob Yemanjá ihre Gaben akzeptiert hatte und machten Platz den Müllmännern und den ersten Badegästen.

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