Wednesday, 10. march 2010 3 10 /03 /März /2010 12:52

Samstag, den 10.5.

Gestern in Santarem um 5 Uhr nachmittags abgefahren. Um halb 7 auf eine Sandbank aufgelaufen. Es gab einen hellen Schlag, die Antriebswelle zur Schraube hatte sich verbogen. Der Amazonas ist tückisch. Laufend verändert sich sein Untergrund, denn er räumt den Abfall des Urwals ab und befördert Unmengen an Bäumen, Inseln, Geröll, Sand, Steine Richtung Ozean. Die tiefste Stelle, über die wir gefahren sind, war 110 Meter tief und wo eben noch eine Fahrrinne war, ist plötzlich Sand unter der Oberfläche. Und so sind wir aufgelaufen. Und abgetrieben in die Mangroven, weil der Motor nicht ging, der den Anker runterlässt. Und dann haben sie mit der Hand geleiert wie wild. Und wir hatten nur 1 m unter dem Kiel. Und dann hat der Anker gefasst und wir lagen still, direkt am Urwaldrand. Sie haben versucht, die Antriebswelle zu reparieren. Dann ging´s wieder, aber nur zurück nach Santarem, da wo wir abgefahren waren. Amazonas-1997-33.jpgSo hatten wir erstmal Landgang. Bis 11 Uhr nachts hat die Reparatur gedauert, dann lief zumindest eine Schraube wieder. Unser Schiff, die Golfinho, ist das schnellste traditionelle Schiff auf der Strecke Belém - Manaus. Schafft die 1500 km in 3 Tagen, die anderen benötigen 6. Nun aber ist das Delfinchen angeschlagen und wir wissen nicht, wie lange wir brauchen bis Manaus. Niemand regt sich auf. Niemand. Zeit ist das, was man hat. Angenehm, so zu denken.

Amazonas---10.jpgNun sind wir schon ein ganzes Stück den Amazonas rauf und er ist noch immer breit wie ein See. Der Regenwald hat sich verändert. Er ist niedriger, in der Ferne sieht man Berge. Weite Flächen sind überschwemmt. Manchmal sieht man eine Farm.

 

Pilzeinschlag

So nutzen die Indianer den Urwald, in unserem Indianer-Projekt in Ecuador habe ich es gelernt. Eine kreisrunde Fläche von 100 oder 200 m im Durchmesser wird gerodet, darauf bauen sie ihren Mais, die Yuca, die Kräuter, das Gemüse an. Soviel, wie sie brauchen. 5 bis 7 Jahre lang. Und dann ziehen sie weiter. Und der Pilzeinschlag ist exakt so groß, dass alle Bäume und alle Pflanzen zurückkommen können. Auch die großen Bäume und die mit schweren Samen können sich den Lebensraum zurückerobern, den sie brauchen. Ist die Fläche zu groß, die gerodet wurde, schaffen das nur die Pflanzen mit leichtem Flugsamen und die Bäume, die den Tieren ihren Samen mitgeben.

 

Samstag, 10.5.

Amazonas---4.jpgDas Leben hier auf dem Dampfer ist schön angenehm und entspannt. Man hat Zeit. Einfach Zeit. Schaukelt in der Hängematte, redet miteinander, schläft, schaut dem Urwald zu, wie er da träge vorbeizieht. Die Ankunft in Manaus war für heute , 18.00 Uhr vorgesehen. Wegen der kaputten Welle kommen wir morgen irgendwann an. Wen juckts, Hauptsache, wir kommen an.

 

Gestern mussten wir die Uhren um 1 Std. zurückstellen. Wir sind über eine Zeitzone gefahren - mitten in Brasilien. Jetzt geht die Sonne etwas früher unter. (Ja, ja, der Mensch in seinem Wahn : nicht die Sonne geht früher unter, meine Uhr ist verstellt, sonst nichts. Juckt die Sonne aber auch nicht).

 

M: Heute früh bin ich schon um 5 Uhr aufgestanden, musste auf die Toilette. Die Schlange der wartenden Frauen an der Dusch-Toilette war sehr lang, aber ich wurde sofort gefragt, was ich wollte und dann ließ man mir mit den Worten "die will nur schnell pinkeln" den Vortritt.

In der Amazonasregion leben etwa 200 000 Angehörige indigener Gruppen. Es sollen ein paar Millionen gewesen sein, bevor der gute Colón Amerika und der gute Vespucci Brasilien entdeckt hat. An unserer Kultur sind die Indianer wie die Fliegen gestorben. An Sklavenarbeit bis zum Krepieren, an Krankheiten, die der weiße Mann mitbrachte und die für die Indianer bis heute tödlich sind, an Menschenjagd, um Platz zu machen für die weißen Herren die die Bodenschätze brauchen und den Reichtum des Waldes. Da haben sie sich zurückgezogen, die Indianer, in unzugängliche Gebiete des Waldes. Es gibt noch immer unentdeckte Stämme. Erst vor Kurzem hat die Indianerbehörde Kontakt aufgenommen mit einem Tribu (Stamm), den keiner kannte. Eigentlich gehört ihnen das Land, worauf sie leben, vom weißen Mann und seiner Regierung zugesagt. Aber dann setzt zu oft das gleiche Spiel ein: zur Ausbeutung des Waldes finden sich Tricks. Gehört habe ich von Häuptlingen mit Ghetto Blastern ohne Batterie und Traktoren ohne Diesel.
Es gibt Stämme, da sind die Selbsmordraten unter den Indianer-Jugendlichen so hoch, dass der Fortbestand gefährdet ist. Sie löschen sich selbst aus. Weil sie keine Zukunft sehen. Als Indianer, die sich selbst Menschen nennen.

 

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