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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

von Einem der auszog...(41) Am Amazonas 1997 II

6. März 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Rio&Brasilien

Dienstag, den 6.5.

Ganz wundersamen Essen gibt es hier, schon die Namen machen mir Hunger: Piarucu, Tacaca, Tamuatá de Tucupí. Viel wird Maniok benutzt. Diese kartoffelartige Wurzel kommt ja von hier. Ach, und schmecken tut es erst! Wie Urwald.

 

Donnerstag, den 8.5. 6.00 Uhr

Seit gestern Abend unterwegs auf dem Fluss der Flüsse. Besser gesagt, noch immer in seinem Delta. Über hunderte von Kilometern sind es ganze Systeme von Flüssen, Kanälen, Strömen und Bächen, die den Urwald entwässern. Und seine Majestät Amazonas mitten drin.

 

Amazonas-1997-1-Kopie-1.jpgUnser Schiff heißt GOLFINHO (Delphin), eines jener typischen Flussdampfer. Es hat zwei Decks, zur Seite hin offene Plattformen und einen dicken Bauch für den Gütertransport. Hier wird alles, was die Menschen brauchen, über den Fluss transportiert.

 

Amazonas-1997-3-Kopie-1.jpgDie zwei Plattformen haben an der Decke Haken für die Hängematten der Passagier. Dicht an dicht, eine oben, zwei schräg drunter. Wie im Hühnerstall. Platz für 450 Leute, steht am Schiff. Nachts und wenn’s regnet werden an den Seitenwände Planen heruntergelassen, tagsüber hat man eine prima Sicht und eine gute Belüftung. Und den ganzen Tag schaukeln die Leute lässig und zufrieden in ihren Matten.

Wir haben eine von den wenigen Kabinen. Wegen unseren Sachen, die sonst offen rum liegen und wg. Mariannes Kreuz. Und weil wir ein wenig Angst haben.

 

Um 5.30 Uhr morgens der erste Aufenthalt. Frauen und Kinder in Kanus tauchen neben dem Boot auf. Sie hoffen auf  Essen und Kleidung. Die ganze Strecke werden sie da sein, still Amazonas---6.jpgwartend in ihren schlingernden Einbäumen, dass jemand etwas raus wirft. Dann fischen sie die gut zugebundenen Plastiktüten aus dem Wasser, tanzen in den Wellen, die unser Schiff hinterlässt und bleiben mit ihren hungrigen Blicken zurück. Fahren können sie mit ihren Booten. Sie gleiten und wenden wie Schwimmer in der Brandung. Ihre Hütten, die ab und an am Ufer auftauchen, sind längliche Bretterverschläge, sie stehen auf Pfählen und haben Türöffnungen und Fenster, die wie Augen in einem Totenschädel aussehen. Hinten steigt morgens schon früh Rauch durch das Palmendach. Der Urwald ist dicht links und rechts. Manchmal auch kleine Ansammlungen von Hütten, alle haben einen Steg oder mindestens einen Baumstamm in den Fluss hinein. Da liegen ihre Einbäume. Es sind Caboclos, Mischlinge von Weißen und Indianer. Wovon leben sie? Vom Fischfang, der Herstellung von Kautschuk, etwas Viehzucht sowie dem Verkauf von Paranüssen (wir sind schließlich im Bundeland Pará) und Früchten auf nahe gelegenen Märkten.

 

Das untere ist das ärmere Deck. Wie im richtigen Leben. Aber von da aus fliegen die meisten Plastiktüten zu den Kindern mit den großen Augen in den Kanus.

 

Wir nehmen eine Abkürzung durch einen Kanal. Die ganze pechschwarze Nacht ist er durchgefahren, der Steuermann. Ohne Radar. Nur einen großen Suchscheinwerfer, der vor ihm über die Wasseroberfläche irrt. Gefährlich sind die schwimmenden Inseln, sie können über 100 m lang werden, auch die Baumstämme unter Wasser und die Sandbänke, die immerfort in Bewegung sind, die Fahrrinne verändern.

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träumerin 03/07/2010 08:29


nUN  MUSS ICH JA NOCH DEN ERSTEN ARTIKEL LESEN, WIE INTERESSANT UND TOLLE FOTOS, WENN AUCH TRAURIG DAS MAN DIE
HUNGERNEDEN KINDERÄUGLEIN NICHT IN GLÜCKLICHE AUF DAUER VERWANDELN KANN.... ICH WÜNSCHE EUCH NOCH EINE UNFALLFREIE UND GUTE REISE
GRUSS BIANCA


R.Einloft 03/07/2010 11:44


Danke für den guten Reisewunsch. Aber die war leider schon vor längerer Zeit, jetzt schreibe ich all meine Erlebnisse (oder die ich noch erinnere) auf. Der Amazonas war in der Tat ein wunderbares
Erlebniss. Ja, die Kinderaugen, die gehen einem unter die Haut.
Einen schönen Sonntag noch
Gruß RE