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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Von Max und Sterben

15. Juni 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

Freitag, den 15. Juli 2012. Grau bewölkt das Tal, leichter Nieselregen, 16 Grad (es wird wärmer!). Rio 21. Grad, starke Regenwolken; Dar es Salaam 24 Grad, Sonne mit leichter Bewölkung.

Max-vor-dem-Tal.jpgMax, mein Max. Er wird ruhiger, will nicht mehr mit jedem Rüden kämpfen, schnüffelt lieber auf dem Boden rum, bis einem die Beine weh tun. Ängstlicher wird er auch. Treppen runter laufen fällt ihm schwer aber unten macht er allemal einen ungestümen Satz über die 2 letzten Stufen nach dem Motto, das hab ich immer so gemacht. Neulich ist er dabei auf die Schnauze geknallt. Doch daraus lernt er nicht. Ich führe ihn jetzt am Halsband runter. Max liebt Zwieback. Den nehmen wir zum ersten Morgentrank im Bett. Jedes Mal, wenn ich den Zwieback aus der unteren Schublade hole, hat er seine Schnauze drin. Jetzt kriegt er einen, mit der Auflage, im Flur zu fressen. Dann dreht er um mit dem Zwieback in der Schnauze, rennt zur Tür und da knirscht es dann mit hörbarem Vergnügen. Gestern Abend hat er mir so lange in die Augen geschaut, bis ich ihm von meinen Erdnüssen gegeben habe. Wir haben geteilt. Ab 22.00 Uhr will er auf sein Sofa und wird lästig. Der alte Mann weiß was er will.

Gehanns Karl-Werner ist gestorben. Er war fleißiges Mitglied in unserer Streuobstwiesen Gruppe, bekam letztes Jahr Krebs an der Kinnlade, wurde operiert, kriegte Chemotherapie und dabei einen Schlaganfall, lag im künstlichen Koma, atmete wieder selbständig, sie nahmen ihm die Beine ab wegen mangelnder Durchblutung und dann ist er gestern verstorben. Hoffentlich hat er von dieser unsäglichen letzten Arztkunst nichts mit gekriegt. Ich finde es grauenhaft. Hoffentlich bewahrt mich meine Patientenverfügung vor einem solchen Sterben.

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Chrisamar 07/29/2012 19:58


Es ist nicht leicht geboren zu werden.


Und es ist auch nicht leicht zu sterben.


Jede Sekunde ist es wert gelebt zu werden.


 


Palliativmedizin


Organstransplationen


Hospize


Sterbebegleitung statt "Sterbehilfe"


...das sind Themen, für die wir uns engagieren müssen.


Ich wünsche ihnen und ihren Familien ein langes, glückliches Leben!


Mir wünsche ich das natürlich auch.

Katharina vom Tanneneck 06/18/2012 02:48


Ich habe in letzter Zeit auch an das Sterben gedacht und wie es wohl sein mag. Wir leben in einem Land, wo die Alten abgeschoben werden. Ich will nicht in einem Pflegeheim landen, lieber vorher
sterben. Es ist nicht einfach, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen aber es muß wohl sein.


Wir haben auch eine Patientenverfügung aber hilft das wirklich? Ich habe Angst! Es werden viele Alte einfach von einem Vormund übernommen. Obwohl sie eine Patientenverfügung haben. Ich traue
diesem Staat nicht mehr! Man kann damit viel Geld verdienen und das beunruhigt mich. Solange man einen Partner hat, mag alles gut gehen aber wenn man allein ist? Da bekommt man einfach einen
Vormund und was man geregelt hat ist oder wird einfach vergessen.


Max hat es da wohl besser. Er ist alt, aber er hat Menschen, die ihn lieben. Da greift kein Staat ein.  


Na ja. wir leben noch! Und das hoffentlich lange und bei guter Gesundheit!


Liebe Grüße, Katharina

R.Einloft 06/18/2012 13:27



Da sprichst du einen wirklich wunden Punkt an. In unserer Gesellschaft sollte man nicht alt und hilflos werden. Ich will versuchen, alles zu tun, um da nicht hin zu müssen. Es ist übel, dass
immer nur die Verwertbarkeit dominiert. Ich seh das auch so, Patientenverfügungen sind immer nur so gut wie die Angehörigen, die versuchen, sie durch zu setzen. Und meine Partnerin wünsche ich
mir bis zum Ende. In der Hoffnung, dass es nicht bitter ist.


Ja, Max hat liebe Menschen um sich. So gehört sich das auch. Er ist unser Begleiter und wir seiner.


Jepp, wir leben noch und tun einiges, um gesund zu bleiben.


Dir, Katharina, wünsche ich eine schöne Woche. Mit Grüßen aus dem sonnig-bewölkten Tal
RE