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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Von Mayas und unmenschlichen Eroberern

28. April 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Rezensionen

Sie nannten sich Maya, die wahren Menschen, waren es wohl auch in ihrem täglichen Umgang miteinander. Streng gegliedert, das wohl, doch die Gemeinschaft stand an oberster Stelle, jeder war ein wichtiges Glied und fand Anerkennung. Denen die sie beschreiben als sie noch existierten, erinnern sich an ein freundliches Miteinander. Berühmt sind die Maya für ihre Chichen_Itza_Wikipedia.jpegTempelbauten, ihre Mathematikkenntnisse, ihren hoch entwickelten Kalender und ihre eigene Schrift, die einzige in dem neuen Amerika, das die Spanier eroberten. In dieser Zeit scheint es Städtebünde gegeben zu haben, die an die antiken Handelsbündnisse   Griechenlands erinnern. Demokratische Strukturen zumindest auf unterer Ebene sind bis heute überliefert und leben weiter z.B. bei der 3-jährigen Wahl des "Maya"-Bürgermeisters. Sie führten Kriege, doch nicht, um gegnerische Territorien einzuverleiben, zu zerstören, auszulöschen. Tribute waren es, die der unterlegene Gegner zahlen musste. Wichtig war ihnen ihr Ehrenwort. Gegnerische Gefangene gaben es und wurden unbewacht zurück gelassen. Völlig unverständlich war ihnen Schilderung der Spanier, dass Verträge gebrochen wurden um eigener Vorteile willen. Doch ja, sie hatten auch das heute barbarisch anmutende Menschenopfer. Es soll ihnen eine Ehre gewesen sein, auf dem Opferstock zu sterben. Wird berichtet. Tot war für sie kein Stachel sondern der Übergang in die andere Welt und Blut war heilig. Die Lehre von Christo war für sie nix. Sich opfern machten sie selber. Und brachten damit die katholischen Missionare zur Weißglut. Einer hat mal fast alle ihre kunstvoll geschriebenen Bücher verbrannt, deshalb ist es heute schwer, ihre Geschichte und Kultur zu verfolgen.

Mayas waren eine Hochkultur, in die die Spanier einbrachen und hausten wie die Wildsäue. Dort, wo sie landeten, war keine heimische Kultur sicher vor ihnen. Auf den karibischen Inseln rotteten sie alle Ureinwohner aus durch unmenschliche Behandlung. Die Menschen wurden versklavt, zu Unmenschen degradiert und als Arbeitsvieh gehalten bei ihrer Schürfen nach Gold und Silber und in der Landwirtschaft. Wer nicht an Entkräftung umkam, starb an den Krankheiten, die die Eroberer mitbrachten und gegen die sie keine Widerstände hatten. Viele gaben sich auf und starben durch Selbstmord. Bei einem Gutsbesitzer soll es vorgekommen sein, dass die gesamte Gruppe der Kariben, eingepfercht in eine Scheune, sich über Nacht aufhängte. Alle, Frauen, Männer, Kinder, Greise. Als der Sklavenhalter das am Morgen feststellte, rastete er aus und peitschte die Toten bis ihnen die Haut in Fetzen hing. Sie betrachteten die Menschen als ihr Eigentum, mit denen sie machen konnten was sie wollten.

Zumeist stärkte die Kirche die Eroberer noch in ihrem unmenschlichen Handeln, lieferte Auslegungen der Bibel, sanktionierte die Verbrecher. Doch einige Priester waren mutig, benannten Mord und Totschlag als Sünde. In einem Fall rastete nach einer solchen Predigt der Bürgermeister aus, holte eine seiner Sklavinnen und brachte sie vor aller Augen um, schreiend und schäumend, sein Glaube sanktioniere, mit seinem Eigentum um zu gehen wie es ihm beliebe. Sie, die spanischen Eroberer, waren Unmenschen auf der Suche nach Reichtum. Und hielten sich selbst für die einzige Hochkultur und waren doch nur eine Bande von Mördern, Totschlägern und Räubern. Einer der wenigen, der sich für die Rechte der Indios einsetzte und die Gräuel aufschrieb, war Bischof Bartolomè de Las Casas. Er konstatierte: "Die Völker aus all den Teilen Westindiens, in die wir eingedrungen sind, haben das Recht, gegen uns Krieg zu führen und uns auf dem ganzen Erdenrund zu vernichten, und dieses Recht behalten sie bis zum Jüngsten Tag."  Bis heute ist das Unrecht weder gesühnt noch anerkannt.

Warum ich das schreibe? Ich lese mal wieder darüber und es macht mich fertig. (Peter Danzinger: Die gefiederte Schlange).

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Katharina vom Tanneneck 04/28/2012 22:39


Es ist gut, dass Du uns alle daran erinnerst. Wir vergessen es viel zu oft. In Mexiko war ich leider nicht. Ich hatte gebucht, mußte dann aber aus einem traurigen Anlass absagen. Schade, ich
interessiere mich sehr dafür.


Die Bewohner der karibischen Inseln litten sehr unter ihren Kolonialherren. Das wurde uns auch immer wieder von den Bewohnern der Inseln berichtet. Heute sind es alle sehr stolze Menschen und
viele hassen immer noch ihre Besatzer und Ausbeuter. 


Die Kultur der Mayas ist ein interessantes Gebiet. Danke für den Hinweis auf das Buch. Werde ich mir demnächst zulegen.


Schönen Sonntag und liebe Grüße!


Katharina

R.Einloft 04/29/2012 12:03



Nachkommen der Mayas gibt es zumindest heute noch, die hatten Glück, dass sie nicht ganz ausgerottet wurden wie ihre Kollegen die Kariben. Die Mayas haben sich allerdings auch gewehrt gegen die
Okkupation. Spanien hat wirklich eine große Schuld auf sich geladen bei ihrer Eroberung von Südamerika.


Hier ist wieder alles grau in grau, nachdem gestern die Sonne wunderbar geschienen hat und wir bis spät in die Nacht draußen gessesn haben. Na ja, sie kommt wieder, die Sonne. Bin sowieso müde
heute. Zu viel gefeiert.


Beste Grüße aus dem trüben Tal und einen schönen Sonntag wünscht RE



Joachim 04/28/2012 18:55


Hallo RE! Das hast Du mit viel Emotion geschrieben, und du hast Recht, die spanischen Kolonialherren haben sehr viel wertvolles kulturgut vernichtet. Ich überlege manchmal, wie reichhaltig wäre
die Welt an verschiedenartigsten Kulturen, wenn es den Kolonialismus generell nicht gegeben hätte. Aber - sollnicht nach dem Maya-Kalender am Jahresende ein neuer Weltzyklus beginnen? Da dürfen
wir Hoffnung für die heutige Welt haben.


Einen schönen Sonntag wünsche ich.

R.Einloft 04/29/2012 12:07



Ja, viel Emmotion steckt bei mir da drin in dem traurigen Thema. Südamerika ist nun mal meine 2. Heimat gewesen. Und ihre Vergangenheit der Eroberung war schrecklich. Was mich immer wieder
verwundert, ist, mit was für einer Überheblichkeit die Eroberer von sich glaubten, höherwertig zu sein. Dabei waren sie zuallererst gierig. Gier ist schon einebösrtige menschliche Eigenschaft.
Bis heute.


Einen schönen Sonntag wünsche ich dir


Mit Grüßen aus dem grauen Tal, RE