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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Vorbereitungen für Bangladesch laufen

15. September 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Von einem der auszog: Asien

Samstag, 15. September 2012 -. Trübe im Tal, Regenwolken. 13 Grad. 
Dhaka 30 Grad, Sonne, Dar es Salaam 31 Grad, bewölkt.

Senior Experte sein wird immer schwieriger. Scheint uns. Formulare, Verträge, Bescheide, Flugpläne, Kostenabrechnungen, eigene Weiterversicherungen, Planungen, Umplanungen, Korrekturen, all das nimmt viel Zeit in Anspruch. Der Tropenarzt hat uns gewarnt vor umherstreunenden Hunden mit Tollwut, natürlich Malaria, Enzephalitis (japanische Art, auch durch Stechmücken übertragen), Hepatitis (A hatten wir, B noch nicht) und noch so‘n paar Sachen mehr und dagegen gleich 5 Impfungen mit 7 Seren gesetzt. Zur Sicherheit und Auffrischung. Mein Arm ist immer noch blau. Trotzdem gut vertragen. Ach ja, Durchfall kriegen wir bestimmt, dagegen gibt‘s Hammertabletten, die machen alles dicht. Eine ganze Apotheke schleppen wir rum, die 3 Sorten, die ich nehme, müssen ja auch auf Vorrat mit. Unser Hausarzt musste eigens eine englischsprachige Notwendigkeitsbescheinigung unterschreiben, dass wir keine Drogenhändler sind.

Einiges hat sich geklärt. Der für uns zuständige Direktor bei der Behindertenorganisation in Dhaka hat mehrmals geschrieben und ausführlicher erklärt, was wir seiner Meinung nach tun können M‘s zentrale Aufgabe wird der Englischunterricht ausgewählter Mitarbeiter sein und zwar entlang der inhaltlichen Notwendigkeiten wie Projektanträge korrekt schreiben, Berichte, Öffentlichkeitsarbeit. Ich soll ihn beraten, wie die Büroorganisation effektiver werden kann, soll Mitarbeiter ausbilden (bin ich mal gespannt, die machen doch schon alles, ist eine große, international vernetzte Organisation) und mit einem Team zusammen Spendenaktionen verbessern. Eine ist konkret. Sie haben ein Schiff, mit denen sie in entlegenen Gebiete fahren und Behinderte betreuen. Das international geförderte Projekt läuft aus und nun muss ein neuer Geber gesucht werden. Vielleicht können wir ja mal mit diesem Schiff mitfahren.

Glück hatten wir auch. Eine der Organisationen, die unseren Partner in Bangladesch unterstützt, ist die Chrisfoffel Blindenmission. Die sitzt in Bensheim. Mehrere Kontaktversuche blieben ohne Resonanz bis ich an den Direktor gemailt habe. Die Antwort kam aus Dhaka, da sitzt die Vertreterin der Mission und die kommt am Wochenende nach Deutschland. Wir treffen sie am Montag. Prima. Nicht nur inhaltliche Fragen kann sie uns beantworten, auch und besonders, wie man dort lebt und auf was wir achten müssen. Für M ganz wichtig mehr Informationen zu kriegen über Rolle und Grenzen einer externen Expertin in dieser Männergesellschaft. Prima!

Ansonsten lesen wir über Land und Leute, lernen Englisch wie die Bekloppten (ich fass es nicht, was ich alles wieder vergessen habe) und bereiten uns seelisch und moralisch vor. Innerlich. Bei einem Glas oder zwei, denn anscheinend müssen wir mit weitgehender alkoholischer Trockenheit rechnen. Na ja, bei Botschafters nicht, die haben uns schon für den Empfang am 3. Oktober vorgesehen. Wie früher.

Apropos Botschaft. Die von Bangladesch in Berlin hat unsere Visa noch nicht ausgestellt. Und sind tagelang nicht zu erreichen. Wir wissen nicht, ob wir Donnerstag fliegen können. Klärt sich nächsten Montag. Sieht so aus, dass der Flug verschoben werden muss. Kennen wir.

Das Abenteuer hat begonnen. Ein wenig aufgeregt bin ich schon, wenn ich daran denke.

Es ist nicht nur das hohe Papier- und Kommunikationsaufkommen zu bewältigen. Garten, Autos, Haus, alles muss winterfest und wintergerecht gemacht werden. Sonnenblumen-im-Garten---2.jpgDie Sonnenblumen sagen ade, der Grill ist schon eingepackt, das hohe Gras und die Hecken gestutzt, die Beete abgeräumt und gesäubert, auch Kühlschrank und Gefriertruhe müssen leer gegessen werden. Ansonsten kommen uns die Kakerlaken hinterher. 3 1/2 Monate sind einige Zeit. Es gibt viel zu tun, wir packen es an.Grill-winterfest.jpg

Und Mutter will nicht, das wir fliegen. Das packst du doch nicht, hat sie mir neulich gesagt, bleib hier und leiste mir Gesellschaft. Ach ja, Abschied nehmen von den Lieben ist schwer. Doch wer nicht geht, kann auch nicht wieder kommen. Abenteuer sind dazu da, dass man sie lebt. Ende der Weisheit.    

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Katharina vom Tanneneck 09/16/2012 00:49


Ihr werdet wiederkommen, sag das Mutter! So voller Elan, wie Ihr seid, packt Ihr das auch. Dreieinhalb Monate sind eine lange Zeit, die aber auch sehr schnell vergehen kann. Viel zu schnell! Ja,
das Englisch, wenn man es nicht jeden Tag spricht oder schreibt, da verlernt man schnell. Aber wenn man vor Ort ist, da fällt einem vieles wieder ein. Es kommt einfach, wenn man es braucht. Man
muß nur wieder die Schublade aufstossen, wo es liegt. 


Ich wünsche Euch alles Glück der Welt! Hoffentlich klappt es, wie Ihr es Euch vorstellt.


Liebe Grüße, Katharina

R.Einloft 09/18/2012 16:37



Danke, KTHARINA, für die aufmunternden Worte. Manchmal bin ich voller Mutes und Abenteuerlust, dann wieder denke ich, bist du blöd, hier hättest du es besser. Doch die Neugierde obsiegt immer.
Warten wirs ab.


Schöne Grüße aus dem nun herbstlichen Tal


RE