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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Wagner oder nicht Wagner

4. Juli 2012 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Meine Welten heute

Mittwoch, den 4. Juli Vormittags. - Der Hochsommer soll kommen, wolkenlose 24 Grad sind angesagt. 
Rio 25 Grad, strahlender Sonnenschein, Dar es Salaam bis zu 29 Grad, teilweise bewölkt

Sonntags mit M in dem Film: Wagner & Me. Lehrreich, sehr lehrreich. Kaum bekannte Facetten des umstrittenen Genies, Hintergründe, Interpretationen werden benannt. Der Protagonist, ein Wagner-Enthusiast, versucht sich klar zu werden ob er als Jude diese Musik lieben darf, die auch Hitler verehrte. Er findet die Lösung in der Musik Wagners als universell, revolutionär, ausdrucksstark, das Beste, was es im 19. Jhdt. gegeben habe. Nicht nur revolutionierte Wagner die Musik, er hat auch die theoretischen und praktischen Grundlagen der Oper verändert, in dem er die dramatischen Handlungen als Gesamtkunstwerk gestaltete, dazu Text, Musik, Regieanweisungen schrieb und sich für seine Werke ein massgeschneidertes Opernhaus in Bayreuth bauen lies, das bis heute seinesgleichen sucht. War ja positiv, dass er das „dekadente“ Theater revolutionieren, ein Volkstheater schaffen, die Menschen verbessern, Dichtung und Musik verknüpfen wollte. Kann ja sein, dass man ihm persönlich nicht vorwerfen darf, dass Hitler seine Musik mochte. Doch über Wagners Antisemitismus hinaus, eine gemeinsame Basis mit den Nazis, finde ich es verwunderlich, dass Cosima (seine Frau) und speziell Winifred Wagner (seine Schwiegertochter) in Hitler den neuen Parsifal, den Führer in eine bessere Welt sahen. Und das schon früh, als Hitler noch unbekannt war. Woher kam das? Doch aus den Inhalten der Opern, die Wagner geschrieben hatte. Ein Großteil seines Werkes stellt germanischen Sagen dar und die sind gleicherweise historische Vorbilder Hitlers. Es ist diese Ideologie, die er verströmt in Text und Musik, das Pompöse, Wallhallische, Urgermanische, immer mit dem Gedanken verbunden, dass ein Erlöser kommt, diese ganze unhistorische Sagenwelt überragender Männer (und manchmal sogar Frauen), was mir Kontaktschwierigkeiten macht. Denn all das hat für mich einen zu groben Beigeschmack, kann immer noch gebraucht werden um Nazi-Ideologie salonfähig zu machen.


Ja ja, ich weiß. Es gibt noch viel mehr Facetten, vor allem wunderschöne Musik. Manchmal. Doch das Geschrei ist mir zumeist zu viel. M´s´Vater, ein großer Musikkenner (und Nazi-Gegner), hat Wagner abgelehnt. Einzig die „Meistersinger“ hat er akzeptiert. Die wollen wir uns mal anschauen. Möglichst in Nürnberg.

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