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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Wie ich den Tinnitus zu heilen suchte (St. Wendel, 20.2. bis Ende März 2001) Teil IV

11. September 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Burn Out - Tinnitus u.a. Krankheiten

Die liebe M

Die täglichen Telefonate taten nicht gut, landeten immer auf den Sorgen. Notiz: "Mit M telefonieren ist wie einen Korridor in die Alltagslast öffnen. Hinzu kommt, ich kann nichts ändern". Und: "die Telefonate mit M. (sind) so, als würde Wichtiges ungesagt bleiben?"  Und: "Telefonate mit M lassen mich oft frustriert und traurig zurück. So wenig positive Sachen in ihrem Leben." Es war ihre schlimmste Zeit. In der Schule lief alles falsch, sie wurde gemobbt sie war eine Wessi, Kollegen reagierten ablehnend, Chef war sauer, Alternativen hatten sich zerschlagen, das Internet ging nicht, die Arbeit wuchs ihr über den Kopf, sie arbeitete verbissen, bereitete sich penibel wie zu einer Prüfung vor, trotzdem lief der Unterricht nicht und nun auch noch meine Kritik an unseren Ferngesprächen. Sie fühlte sich ausgeschlossen aus meinem Leben, war dünn geworden, hatte keine Zeit mehr zum Ausgehen, ihr Herz war schwer und voll, sie brauchte mich, ihren Partner. Doch ich war eingehüllt in meinen Kokon, wollte, musste an mir und meinen Defiziten arbeiten. Und gab aus der Ferne gute Ratschläge. Bis sie mich Klugscheißer nannte. 

Leute

"Warum grenze ich mich aus, reagiere negativ? Nehme mir vor, Leute auszufragen, ihre Geschichten zu hören. Dabei kann ich üben, mich zurück zu nehmen, gleichzeitig die Vielfalt von Mitmenschen ausloten. Ich weiß ja, dass da mehr ist denn Angeber". Der Ex-Manager der PreussenElekra aus Magdeburg (der mit dem kaputten Kinn) erzählte vom Einkaufsabenteuer in der DDR". Ich lernte den Ringtausch kennen. Der ging so: der 1. braucht Badezimmerfliesen in Magdeburg, bietet eine Dienstleistung an, die der 2. in Rostock braucht, der hat etwas, was der 3. in Dresden braucht und der kriegt die Fliesen von einem 4. in Wismar gegen einen weiteren Tausch. "Der Tischnachbarn ist Badenser, arbeitslos seit mehr als einem Jahr, technischer Zeichner war er, wurde drei mal entlassen, weil er die neue Technologie am PC nicht konnte, das Arbeitsamt hat ihm die Umschulung bezahlt und nun will ihn keiner mehr, weil er zu alt ist. Mit 50. Er lebt bei seiner Mutter und hat 31 Kg im letzten Jahr abgenommen. Die will er halten, hat permanent Hunger, sein einziger Gesprächsstoff. Der Mann braucht Arbeit!"

Leute: "Einer sieht aus wie Renzo Schlauch. Und einer sieht aus wie ich im Spiegel. Erika isst wie ein verklemmter Furz, ansonsten nett und mütterlich. Sie brauchen ihr Schmusekissen, ihr Kirschkern-Kopfkeil, im Mikrowellengalopp erhitzt, ihre speziell weich eingebettete Matratze. Wahrscheinlich auch noch ihren Schmusebär."  Die Damen vom Sauberkeitskommando reinigen 47 Zimmer in 4 Std. zu zweit. 5 Min. für 1 Zimmer.

Therapie

"Einzelberatung mit Psychologin vorgesehen. Erwarte nicht viel. Am Überfall hängen tiefere Verletzungen. Ich bin nicht Manns genug, M zu schützen." "Morgen fängt es an. Angst." Bei der ersten Sitzung: "Feuchte Hände und Knoten im Bauch. Ich hab nichts mit ihnen vor, sie brauchen sich nicht zu verspannen, sagt sie. Ich soll den Überfall wie im Kino sehen oder wie Fernsehaufnahmen, die man vor, zurück und ausschalten kann."

Leute

"Ein Kreuz mit den Vorurteilen. Zum Teufel mit den Bedürfnissen geliebt zu werden! Von allen. Sogar von denen, die ich nicht mag. Zum Teufel."

Die Gnome entpuppen sich. Einige sind arme, hilflose, auf enge Regelkreise reduzierte Individuen mit wenig Chancen auf Glück und Zufriedenheit. Einer ist nett, der Bergmann. Einer nicht. Der war in Rio, fragt mich aus und ist voller negativer Urteile. Dann war da noch der Fortschrittsgläubige, unerschütterlich in seiner Meinung, alle Probleme der Welt ließen sich durch technische Weiterentwicklung lösen. Nur den Euro sah er als Rückschritt an. Und der Designer aus der Gruppe führte mich einen Nachmittag lang in die Welt der Pappkameraden und Schaufensterdekorationen ein, wie sie erfunden und hergestellt werden. Irre, die Erweiterung des Horizontes wenn ich nachfrage. 

Woher kommt meine Angst vor neuen Kontakten? Die Psychologin sagt Sozialangst. Angst, abgelehnt zu werden, Angst angegriffen, kritisiert zu werden, hilflos zu sein."

Das soll mir nicht passieren!

"Hätte ich damals nur gewusst, dass ich einmal alt würde und dasitzen und alles Ungetane betrauern würde. All die nicht begangenen Sünden." (aus: Edwardson: Die Schattenfrau).

Die liebe M

Garten---24.jpg"M, ach M, es ist so schön, Sehnsucht nach dir zu haben!"

An M: "Ich schaue

den Kopf leicht im Nacken

durch das gebrochene Licht im Gezweig der Birke

Ein Blatt senkt sich federleicht

auf meine Stirn

M hat an mich gedacht."

Notizen: "Liebste M, ich liebe es, wie du am Strand entlang gehst und die Sonne deinen Körper streichelt, ich liebe es, mit dir Abende zu verreden, ich liebe es, dir an den Hintern zu fassen, wenn du kochst oder nicht kochst, ich genieße es, wenn du mein Essen genüsslich genießt, ich bewundere dich, wie du mit Geld umgehst, ich verehre deine Güte und Menschlichkeit in der Familie und mit Freunden, ich bewundere deine Geradlinigkeit bei Sachproblemen und deine Flexibilität bei Problemlösungen zwischen uns und ich liebe, liebe insbesondere, wenn ich hinter dir stehe (nicht jugendfrei) und dann stellst du dich auf, drehst dich um, küsst mich und tanzt mit mir den geilsten, sinnlichsten, .........Tanz den es gibt. Dafür und für dich wurde Tanzen geschaffen. Damit du glücklich wirst."

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Lucy 09/12/2010 15:53



Ich hoffe das es eine Heilung bald gibt für Tinnitus, weil wenn ich eine Bekannte sehe dann sieht man wie Schlimm Tinnitus ist.