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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Wie Tinnitus funktioniert + was dagegen helfen kann - oder auch nicht

15. Juni 2010 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Burn Out - Tinnitus u.a. Krankheiten

Sie wissen nicht genau, wodurch Tinnitus entsteht. Es können körperliche Ursachen sein, aber auch Stress scheint eine Rolle zu spielen. Dies habe ich behalten von den Fachleuten, die mich behandelten: In den ersten Monaten kann Tinnitus ausgelöst werden durch Entzündungen oder mechanischen Schäden am Mittel- oder Innenohr. Das kann durch Lärm geschehen, einem Gehörsturz, einem Schlag, Schuss, was auch immer.
(Zeichnung aus: Wikipedia)

330px-Anatomy of the Human Ear de.svg

Die Schalwellen gelangen von der Ohrmuschel in den Gehörgang und lassen das Trommelfell vibrieren. An der Innenseite des Trommelfells sind drei winzige Knochen befestigt, die ebenfalls zu schwingen beginnen. Diese Knöchelchen heißen Hammer, Amboss und Steigbügel. Der Steigbügel wiederum ist mit der Schnecke als eine Art Tauchkolben verbunden, der sich durch die Schwingungen der Knöchelchen auf und ab bewegt. Dies führ dazu, dass die flüssige Substanz im Inneren der Schnecke in Bewegung gerät und die Haarzellen (wir besitzen bis zu 150 davon) biegt. Und an dieser Stelle findet die Umwandlung der mechanischen Schallschwingungen in Nervenimpulse statt. Die Härchen werden gebogen, lösen Impulse aus und die werden über Nervenstränge ins Gehirn geleitet. Unser Gehirn "hört" also über Nervenimpulse.
Wird nun irgend etwas auf diesem mechanischen Weg zerstört (z.B. können durch erhöhte Lautstärken die Haarzellen geknickt werden), erhält das Gehirn dauerhaft veränderte Impulse. Jeder Mensch hat ein Geräusch im Ohr, das Dauerrauschen kann man feststellen in einem schalldichten Raum. Nur "definiert" unser Gehirn dieses Rauschen als "Ruhe". Abweichende Impulse davon sind Geräusche und dauerhaft abweichende gerade im "Ruhezustand" sind unangenehm.

Wird die mechanische Störung schnell behandelt, ist die Heilungschance in den ersten Monaten höher. Wenn nicht, setzt das Geräusch sich fest, wird zum Tinnitus, unabhängig von allen mechanischen Störungen. Denn unser Gehirn fängt an, das Geräusch autonom zu fabrizieren, ähnlich dem Phantomschmerz in fehlenden oder amputierten Gliedern. Das hat man gemerkt, als Patienten, die es nicht mehr aushalten konnten, der Hörnerv durchtrennt wurde. Doch das Geräusch des Tinnitus blieb. Hier liegt offenbar der Grund, weshalb Tinnitus so schwer und direkt zu behandeln ist: er wird irgendwann zu einem neurologischen Problem. Doch einige Probleme des Nervensystems kann man psychologisch behandeln. Auch Tinnitus.

Die Erklärung anderer Fachleute ist differenzierter, einig sind sie sich nicht. Mir ist dieser einfache Ablauf geblieben und einsichtig. Vor allem, weil es mir geholfen hat.

Alle, die Tinnitus haben wissen, dass er mal lauter, mal leiser ist. Besonders laut wird er, wenn man an ihn denkt, sich mit ihm beschäftigt, ihn nicht aus dem Kopf kriegt. Auch Stress verstärkt ihn. Den Gehörsturz hatte ich in Kolumbien, da wusste man nichts von Tinnitus, mich hat auch nichts gestört. Erst Monate später kam ich nach Deutschland und da waren alle Zeitungen voll von Tinnitus. Plötzlich hörte ich ihn auch. Geholfen hat mir in einer Kur einmal die Einsicht in die Ursachen (wie oben), Entspannungsübungen und Musiktherapie. Im entspannten Zustand lernten wir, gezielt auf Einzelinstrumente zu hören und beim Autogenen Training lernt man, sich auf Entspannungsformeln zu konzentrieren. Wenn man das kann, ist das Geräusch weg. Es kommt wieder, natürlich, besonders jetzt ist es da beim schreiben, sich darauf konzentrieren. Aber generell hilft es oft. Und auf die Dauer öfters.

Das hab ich in Wikipedia gefunden unter "Allgemeine Regeln zum Umgang mit Tinnitus", entsprechen den von mir gelernten:

"Man sollte sich möglichst wenig Stress und keiner zu starken akustischen Belastung aussetzen. Akustische Ablenkung (zum Beispiel leise rhythmische Musik) sollte genutzt werden, um sich nicht auf das Ohrgeräusch zu konzentrieren. Das ist eine gute Möglichkeit, die Einschlafprobleme, die häufig mit starkem Tinnitus verbunden sind, zu mildern. Es soll generell verhindert werden, dass sich das gesamte Denken und Fühlen des Patienten immer mehr um die Krankheit dreht, da hierdurch erfahrungsgemäß der Leidensdruck wächst. Absolute Stille führt leicht zur Konzentration auf das Ohrgeräusch und verstärkt es subjektiv. Nach sechs bis zwölf Monaten spricht man von einem chronischen Tinnitus. Dann ist es vor allem wichtig, dass der Betroffene lernt, mit dem Ohrgeräusch umzugehen."

Medikamente mit überprüfbarer Wirkung gibt es bis jetzt nicht, die Frage, ob akustische Hilfsmittel empfehlenswert sind, kann ich nicht beantworten. Es kann ja sein, dass sie auch psychologisch eine Erleichterung suggerieren. Bei der neuesten Hörhilfe sprechen sie von 30% Heilerfolg. Bisher, stand da, wurden nur 60 Patienten damit ausgestattet. Und es kostet 1000e Euro. Uns wurde gesagt, nicht auf Außenhilfe hoffen, entspannen und lernen, vorbei zu hören. Das wollte ich weiter geben.

 

 

 

 

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Ellen Schwung 08/07/2010 13:18



Tinitus wird durch die Samonasklangtherapie von Ingo Steinbach  erfolgreich behandelt.


Die Obertöne, der eigens für diese Therapie aufgenommenen Musikstücke, werden verstärkt und gebündelt. So kann der gesamte menschliche Organismus durch regelmäßigen Hören beinflusst werden.


Genaueres und mehr unter Samonas.de



R.Einloft 08/07/2010 13:53



Herzlichen Dank für den Hinweis. Ich werde dem nachgehen. Gerade fängt er wieder an, lästig zu werden.


Mit freundlichen Grüßen


REinloft